Reifentest Zwei Überraschungen im ADAC-Sommerreifentest

Von Jan Rosenow

Mit Giti und Toyo haben sich zwei Fabrikate dank guter Allroundleistungen in die Phalanx der Premiummarken vorgearbeitet. Aus technischer Sicht interessant: Es gibt auch noch „Holzreifen“.

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Gut gealtert: Mehr als fünf Jahre nach seinem Launch ist der Continental Premium-Contact 6 noch immer für Testsiege gut.
Gut gealtert: Mehr als fünf Jahre nach seinem Launch ist der Continental Premium-Contact 6 noch immer für Testsiege gut.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Reifenentwickler werden nicht müde, auf die Zielkonflikte hinzuweisen, die ihrer Tätigkeit innewohnen. So sei es beispielsweise schwierig, einem Reifen gleichzeitig eine hohe Laufleistung und einen guten Grip auf nasser Fahrbahn zu verleihen. Denn das eine Kriterium verlangt, sehr vereinfacht gesagt, einen harten Gummi – und das andere einen weichen.

Doch moderne Werkstoffe, eine hoch entwickelte Fertigungstechnik und computerunterstützte Profil- und Karkassen-Entwicklung haben dazu geführt, dass diese alten Zielkonflikte sich auf der Straße mittlerweile kaum noch bemerkbar machen. Beim aktuellen Sommerreifentest des ADAC zeichneten sich die Probanden überwiegend durch sehr ausgewogene Leistungen auf hohem Niveau aus. Nahezu alle der insgesamt 34 untersuchten Modelle in der Dimension für Kompakt-SUVs (215/60 R 16 99 V) und Kleinwagen (185/65 R 15 88 H) erzielten die Noten „empfehlenswert“ oder sogar „besonders empfehlenswert“.

Billigreifen mit super Laufleistung, aber schlechtem Nassgrip

Bei den SUV-Reifen liegen Continental Premium-Contact 6 und Michelin Primacy 4 punktgleich an der Spitze (zum Vergrößern bitte Tabelle anklicken).
Bei den SUV-Reifen liegen Continental Premium-Contact 6 und Michelin Primacy 4 punktgleich an der Spitze (zum Vergrößern bitte Tabelle anklicken).
(Bild: ADAC)

Die 18 SUV-Reifen wurden auf einem Skoda Karoq getestet. Die Note „gut“ ging neben Continental Premium-Contact 6, Michelin Primacy 4, Bridgestone Turanza T 005 und Dunlop Sport Blu Response auch an den kleineren japanischen Hersteller Toyo mit dem Modell Proxes Comfort, der sonst in den Ergebnislisten selten ganz vorn auftaucht. Diese Modelle leisteten sich in keinem der Hauptkriterien Schwächen. Im Trockenen überzeugten vor allem der Michelin und der Bridgestone, auf nasser Fahrbahn verbuchte der Continental Bestnoten. In den Kriterien Verschleiß und Kraftstoffverbrauch stach der Michelin heraus. Der Toyo landete zwar in allen Hauptkriterien an der Schwelle zum „befriedigend“, konnte sich aber dennoch einen Platz unter den Top Fünf sichern.

Pneus hingegen, die sehr einseitig auf hohe Laufleistung und niedrigen Rollwiderstand ausgelegt sind, bei Fahrdynamik und Sicherheit aber schwächeln, haben in Reifentests keinerlei Siegchancen. Das zeigt sich beim Abschneiden eines dieser „Holzreifen“ im ADAC-Reifentest: Der Kormoran Road Performance erreichte zwar die Bestnoten in Sachen Verschleiß und Rollwiderstand, doch wegen seiner mittelmäßigen Trockenperformance und einer nur schwachen Leistung auf nasser Straße fand er sich mit der Note „ausreichend“ am Ende des Testfelds wieder.

Nicht nur auf die Testsieger schielen

Der beste Kleinwagenreifen im ADAC-Test ist der Goodyear Efficient Grip Performance 2 (zum Vergrößern bitte Tabelle anklicken).
Der beste Kleinwagenreifen im ADAC-Test ist der Goodyear Efficient Grip Performance 2 (zum Vergrößern bitte Tabelle anklicken).
(Bild: ADAC)

Bei den 16 Kleinwagen-Reifen, die auf einem VW Polo getestet wurden, gab es sogar sechs Mal die Gesamtnote „gut“ und damit das Prädikat „besonders empfehlenswert“. Für Vielfahrer eignet sich der Goodyear Efficient Grip Performance 2 mit der höchsten Laufleistung im Testfeld, Pirelli Cinturato P1 Verde und Bridgestone Turanza T 005 überzeugten mit Spitzenwerten in der Trocken- beziehungsweise Nass-Performance. Der Michelin Promacy punktete hier ebenfalls mit guten Leistungen auf trockener und nasser Fahrbahn sowie beim Verschleiß und zeigte insgesamt große Ausgewogenheit. Dunlop Sport Blu Response und Giti Synergy H2 erzielten in diesen Disziplinen gerade noch gute Ergebnisse, die sich zur Gesamtnote 2,5 summierten.

Eine deutliche Aufwärtsentwicklung lässt sich bei Hankooks Budgetmarke Laufenn erkennen, deren G-Fit EQ Plus die Note „gut“ nur knapp verfehlte. Besonders überzeugende Umwelteigenschaften besitzt der Continental Eco-Contact 6. Eine bessere Platzierung verpasst der Continental-Reifen allerdings aufgrund leichter Schwächen auf nasser Fahrbahn. Das zeigt: Auch die besten Reifenentwickler schaffen es nicht, den oben genannten Zielkonflikt vollkommen aufzulösen.

Wie oft bei unserer Berichterstattung über Reifentests ergeht an dieser Stelle der Hinweis an die Reifenverkäufer in den Kfz-Betrieben, die Tabelle mit den Testergebnissen genau auszuwerten. Denn der Testsieger ist nicht notwendigerweise auch in allen Einzelkriterien ganz vorn, und er ist auch nicht immer die beste Wahl für den Bedarf und das Auto des Kunden. Nicht zuletzt sind Testsieger nach Veröffentlichung oft – zumindest für eine gewisse Zeit – teurer und schwerer zu beschaffen als andere Reifenmodelle.

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