50 Jahre Citroën Ami: Der Exzentriker fürs Volk

Autor / Redakteur: sp-x/Wolfram Nickel / Gerd Steiler

Mit der Präsentation des Ami 6 verblüffte Citroën am 24. April 1961 die internationale Automobilwelt. Augenfälligste Besonderheit der viertürigen Kompaktlimousine war das nach innen geneigte Heckfenster.

Firmen zum Thema

Ein derart exzentrisches Design wäre heute wohl kaum denkbar. Doch 1961 wagte sich Citroën mit der sogenannten „Linie Z“ in den Massenmarkt: Die Form der rund vier Meter langen, viertürigen Limousine namens „Ami 6“ wurde vor allem durch das nach innen geneigte Heckfenster geprägt, das für reichlich Kopffreiheit hinten sorgte. Doch auch die Frontpartie mit den großen, rechteckigen Scheinwerfern sorgte für Aufsehen.

Der internationalen Presse stellte sich der neue Ami (zu deutsch: der Freund) übrigens in sechs europäischen Städten gleichzeitig vor: Am 24. April 1961 wurde er vor laufenden Filmkameras in Amsterdam, Brüssel, Genf, Köln, Mailand und in Versailles bei Paris enthüllt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Rascher Sprung an die Spitze

Rasch eroberte die technisch mit dem Citroën 2CV verwandte Limousine in Frankreich Platz eins der Zulassungscharts. Bis 1969 wurden weltweit über eine Million Einheiten des Ami 6 gebaut, dessen Name auf französisch wie „La missis“ (zu deutsch: das Fräulein) klingt. In England und den USA floppte der kleine Freund allerdings. Vom US-Markt zog sich Citroën schließlich zurück. In England wurde erst der stilistisch geglättete Nachfolger Ami 8 zum Erfolg.

Während das Fahrwerk des Ami 6 trotz der teils abenteuerlichen Seitenneigung überzeugte, hatte der luftgekühlte 21-PS-Zweizylinder-Boxer-Motor gegen die größeren Vierzylinder der Konkurrenz von Renault (Dauphine), Simca (Aronde), Ford (Anglia und 12 M), VW (Käfer) oder Fiat (600 bzw. 1100) einen schweren Stand. Im September 1963 gab es 15 Prozent mehr Leistung. Bis zu diesem Zeitpunkt war bei 105 km/h Schluss.

Freund mit Seltenheitswert

Während der Ami 6 mit Stufenheck auftrat, überzeugte der Renault 4 mit seiner Heckklappe vor allem Handwerker und junge Familien. Dem setzte Citroën ab 1964 eine Kombiversion des Ami 6 entgegen, die in ihren Verkaufszahlen die Limousine auf Anhieb überholte. Das Nachfolgemodell, der 1969 in Genf präsentierte Ami 8, kam von Anfang an mit Fließheck - allerdings mit konventionellem, kleinem Kofferraum. Auch vom Ami 8 gab es eine Kombiversion. Ab 1973 bot Citroën dann auch einen Vierzylinder-Boxermotor an, der im Ami Super für überraschend gute Fahrleistungen sorgte.

Eine faszinierende Variation war der M 35, ein zweitüriges Fließheck-Coupé, das mit einem Einscheiben-Wankelmotor ausgerüstet war. Von den 500 geplanten Einheiten realisierte Citroën gerade einmal 267 Stück. Fast alle Autos wurden später von Citroën zurückgekauft und vernichtet. Als die Ami-Baureihe Ende der 1970er aus der Produktion ging, war sie technisch und stilistisch längst überholt. Wer heute noch einen Ami besitzt, kann sich seiner Seltenheit erfreuen - und stets aufs Neue über die außergewöhnliche Form wundern.

(ID:373165)