ADAC zahlt Ausgleich an Werkstattpartner

Autor / Redakteur: Stephan Richter / Gerd Steiler

Der ADAC entschädigt fast 40 Betriebe für entstandene Kosten, die vom Rückzug des Werkstattkonzepts betroffen sind. Geschäftsführer Mahbod Asgari sieht nur eine denkbare Alternative.

Firmen zum Thema

ADAC-Geschäftsführer Mahbod Asgari: „Wir lassen unsere Partner nicht hängen.“
ADAC-Geschäftsführer Mahbod Asgari: „Wir lassen unsere Partner nicht hängen.“
(Foto: Richter)

Bis Mitte kommenden Jahres will der ADAC den „Rückbau“ seiner Werkstattaktivitäten abgeschlossen haben. Dafür steht der Automobilclub derzeit in Gesprächen mit fast 40 Unternehmen, die bereits in das Konzept investiert haben – sei es für einen Neubau, Werkzeuge, Ersatzteile oder Personal.

Laut ADAC-Geschäftsführer Mahbod Asgari übernimmt der Automobilclub sämtliche Kosten, die nötig sind, um eine Alternative umzusetzen. Hierbei gehe es um Ausgleichszahlungen in „Millionenhöhe“ sagte er während eines Pressegesprächs am Rande der Frankfurter Automechanika. Die Entscheidung darüber, wie es in den jeweiligen Betrieben weitergeht, träfen die Unternehmern selbst. „Sie bleiben natürlich weiterhin unsere Partner im Straßendienst, wir nehmen nur das Werkstattangebot zurück“, sagte Asgari.

Bildergalerie

Sofern er eine mögliche Option empfehlen solle, würde er den Partnern raten, sich an einen anderen qualitativ hochwertigen Mehrmarkenanbieter wie Bosch Service zu wenden. Denn vor allem die Partner, die bereits seit zweieinhalb Jahren dabei sind, hätten sich einen vertrauensvollen Kundenstamm aufgebaut und bereits Geld mit dem ADAC-Angebot verdient. Aber auch eine weitere Marke sei für manche Händler denkbar.

Zurück zum Verbraucherschutz

Mit dem Rückzug aus dem aktiven Werkstattgeschäft will sich der ADAC eigenen Angaben zufolge wieder stärker seiner Kernaufgabe, dem Verbraucherschutz, zuwenden. Die ursprünglichen Pläne zu einem eigenen Werkstattkonzept hatte Deutschlands größter Automobilclub noch vor der „ADAC-Affäre“ um Manipulationen bei der Wahl zum Publikumspreis „Gelber Engel“ geschmiedet – und damit „aus einer stärkeren Position als heute“, so Asgari.

Zudem seien die Spannungen zu Verbänden wie ZDK (Handel und Werkstätten) oder VDA (Automobilhersteller) in den vergangenen Jahren nie abgeklungen, bedauert Asgari. Die Verbände hätten den angekündigten Ausstieg deshalb auch mit viel Zuspruch bedacht.

Dessen ungeachtet wolle der ADAC die Dichte und Qualität seines bewährten Straßen- und Pannenhilfsdienstes aufrecht erhalten und die Netzabdeckung weiter verbessern. Handlungsbedarf sieht Asgari hier vor allem in strukturschwachen Regionen.

Option: Eigenes Bewertungsportal

Nicht unumstritten waren gerade in jüngster Zeit auch die diversen Werkstatttests des ADAC. Dieses Problem will der Automobilclub offensiv angehen. Laut Asgari prüfe der ADAC derzeit, wie er künftig vorgehen werde. Dafür stelle die Geschäftsführung unter anderem Testkriterien und -methodik auf den Prüfstand. „Für unsere Mitglieder sind die Tests aber nach wie vor wichtig und zeitgemäß – dies zeigt der ungebrochen hohe Beratungsbedarf“, so Asgari.

Es gebe sogar Pläne für ein eigenes ADAC-Bewertungsportal, auf dem ADAC-Mitglieder künftig ihre Eindrücke über Qualität und Leistungsumfang freier und markengebundener Kfz-Werkstätten hinterlegen sollen, erklärte der Geschäftsführer. Dagegen spräche allerdings, dass der ADAC damit Leistungen bewertet, die er selbst nicht verkauft hat. Asgari vermutet, dass sich dort vornehmlich jene Kunden einloggen würden, die mit einer Werkstatt-Leistung unzufrieden waren.

(ID:42955677)

Über den Autor

 Stephan Richter

Stephan Richter

Freier Autor