Ältere Diesel gehen in den Osten

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Was die Deutschen nicht mehr wollen, nehmen Osteuropäer mit Kusshand: Diesel-Gebrauchtwagen. In vielen östlichen EU-Ländern finden sie ohne Probleme Abnehmer. Umweltschützer sprechen dagegen von der „Müllhalde“ Westeuropas.

Firmen zum Thema

Gebrauchte Diesel finden immer häufiger ihren Weg nach Osteuropa.
Gebrauchte Diesel finden immer häufiger ihren Weg nach Osteuropa.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Das Ansehen des Diesels hat bei deutschen Autofahrern in den letzten Jahren stark gelitten. Der Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben den Selbstzünder in ein schlechtes Licht gerückt. Doch viele der in Deutschland ungeliebten Diesel-Gebrauchtwagen finden nun in Mittelost- und Südosteuropa eine neue Verwendung – zum Leidwesen von Umweltschützern.

In Rumänien, seit langem ein großer Abnehmer alter Gebrauchtwagen aus Westeuropa, stieg die Zahl der registrierten Diesel-Gebrauchtwagen laut Kfz-Zulassungsstelle von 2017 bis 2018 um mehr als 31.000. Auch in Tschechien boomt das Geschäft mit den Gebrauchtwagen. Man könne fast von einer „Invasion“ sprechen, sagte Petr Prikryl vom tschechischen Verband der Gebrauchtwagenhändler. „Die Importeure fahren nach Deutschland und nutzen selbstverständlich aus, dass der deutsche Verbraucher verunsichert ist.“

Laut einer Marktuntersuchung des Gebrauchtwagenhändlers AAA Auto, einem der Großen in der Branche in Mittelosteuropa, stammen 63 Prozent der in Tschechien inserierten Importgebrauchtwagen aus Deutschland – und 60 Prozent der importierten Gebrauchtwagen haben einen Dieselmotor. In der benachbarten Slowakei lag der Diesel-Anteil sogar bei 78 Prozent.

Diese Entwicklung macht sich auch bei den deutschen Autohändlern bemerkbar. Knapp ein Drittel von ihnen wird häufiger direkt von Händlern aus dem Ausland kontaktiert, die dann auch Diesel-Gebrauchtwagen abkaufen. Das geht aus einer Befragung, dem DAT-Diesel-Barometer vom November, hervor.

Umweltzonen gibt es in Tschechien wie auch in Polen, Kroatien und Serbien bisher nicht. „Wir fahren hier noch ungestört und in Freiheit, ganz ohne Einschränkungen“, sagte Prikryl, der nach eigenen Angaben rund 400 Händler vertritt. „Der Kunde fragt, was das Auto schluckt, wie viel es verbraucht – das interessiert ihn.“ Und da liegt der um 20 bis 30 Prozent sparsamere Diesel im Vorteil.

Gebrauchte müssen billig sein

Den serbischen Käufern komme es vor allem darauf an, dass die Autos billig seien, sagte Slobodan Curguz, Besitzer eines Kfz-Handels in Belgrad. Und das heiße, dass die Pkw älter seien und mehr Kilometer hinter sich hätten. Nach Angaben des Verbands der serbischen Kfz-Importeure beträgt das Durchschnittsalter der gebrauchten Importwagen zwölf Jahre. Serbien ist eines der wenigen Länder der Balkanregion, das den Import von Fahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 3 noch erlaubt.

In Rumänien waren Autos laut dem Jahresbericht 2018 des Automobilherstellerverbands ACEA zuletzt im Schnitt sogar gut 16 Jahre alt. Und das, obwohl es seit Jahren Geldprämien fürs Verschrotten gibt. Nicht viel besser sieht es mit über 14 Jahren in Tschechien aus, mehr als 13 Jahre sind es in Polen und gut 14 Jahren in Kroatien. Zum Vergleich: In Deutschland sind die Autos im Schnitt mit gut neun Jahren deutlich jünger.

Umweltorganisationen sind über die Entwicklung empört. „Süd- und Mittelosteuropa darf nicht zur Müllhalde alter, nicht mehr benötigter und dreckiger, die Luft verschmutzender Produkte werden“, sagte Jan Pinos von der Regenbogen-Bewegung (Hnuti Duha) in Prag. Leider hinke das Umweltbewusstsein in der Region hinterher. Das Auto sei für viele ein Statussymbol – je größer, umso besser.

(ID:45710406)