»kfz-betrieb«-Autocheck Alfa Romeo Stelvio – gegen den Strom

Von Jakob Schreiner

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Der Stelvio grenzt sich nicht nur durch sein Alfa-typisches Design von der Konkurrenz ab. Auch das traditionelle Antriebs- und Bedienkonzept lassen das SUV aus der Reihe tanzen. Dabei macht der Stelvio eine durchaus gute Figur, auch wenn er dabei nicht mehr wirklich modern wirkt.

Unser Testwagen kostete mit einigen aufpreispflichtigen Extras 69.550 Euro. (Bild:  Schreiner – »kfz-betrieb«)
Unser Testwagen kostete mit einigen aufpreispflichtigen Extras 69.550 Euro.
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Ein vollständig digitales Cockpit samt Head-up-Display, nachhaltige und neue Materialien, die am futuristisch designten Armaturenbrett zum Einsatz kommen, das mit einem LED-Leuchtband aufwendig inszeniert wird, sowie riesige Touchscreens, über die sich im Prinzip sämtliche Funktionen des Fahrzeugs bedienen lassen: Das alles sucht man im Alfa Romeo Stelvio vergeblich. Der Innenraum des Italo-SUV ist demonstrativ konservativ und schwimmt gegen das zeitgenössische Innenraumdesign vieler anderer Hersteller.

Hier setzt man sich rein und weiß, was Sache ist. Die (teil)analogen Rundinstrumenten samt physischen Nadeln, echten Lenkradtasten und weiteren analogen Dreh- und Druckknöpfen für die Bedienung von Sitzheizung, Klimaanlage und Co. wirken direkt vertraut und funktionieren tadellos. Auch die gesamte Anmutung und Verarbeitung wirkt hochwertig. Während das Bedienkonzept insgesamt überzeugt, sind die riesigen Schaltwippen am Lenkrad schlichtweg fehl am Platz. Sie behindern die Bedienung der dahinterliegenden Hebel massiv und man muss umständlich daran vorbei greifen.

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Nicht ganz so intuitiv wie etwa die Klimaanlage lässt sich das Infotainmentsystem bedienen. Das im Vergleich zur Konkurrenz fast schon mickrig wirkende 8,8-Zoll-Display lässt sich zwar auch mit Fingerdrücken bedienen, so richtig Freude kommt da aber nicht auf. Deshalb gibt es in der Mittelkonsole auch noch zusätzlich einen Dreh-Drück-Schalter, mit dem man sich ebenfalls durch das Infotainmentsystem navigieren kann. Wirklich komfortabel ist das aber auch nicht, wenn man in einer gefühlten Ewigkeit die nächste Adresse in das Navi dreh-drücken muss. Hinzu kommt, dass das gesamte System und die dahinterstehende Logik nicht ganz einfach zu verstehen ist, was unter anderem an der Vielzahl an Untermenüs liegt.

Das Innenraumkonzept des Stelvio wirkt im direkten Vergleich zu anderen Herstellern durchaus etwas angestaubt. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass seit seiner Einführung gut fünf Jahre vergangen sind. Dennoch muss das SUV sich mit aktuell auf dem Markt befindlichen Fahrzeugen messen. Schließlich wird es auch noch genau so als Neuwagen beim Händler angeboten.

Reinrassiger Verbrenner unter der Haube

Während man also im Innenraum eher gegen das zeitgenössische Design vieler anderer Hersteller schwimmt, erwarten den Stelvio-Fahrer in Sachen Antrieb: ebenfalls keine Überraschungen. Elektrifizierung? Fehlanzeige. Auch hier hat man sich wortwörtlich gegen Strom entschieden und setzt stattdessen auf klassische Verbrennertechnik. Unter der Haube war hier ein zwei Liter großer Vierzylinder mit satten 206 kW/280 PS. Eine Dieselvariante steht selbstverständlich auch noch zur Verfügung.

Doch auch der Benziner hat durchaus Langstreckentauglichkeit unter Beweis gestellt. An erster Stelle seien hier die komfortablen – wenngleich relativ engen – Sportsitze erwähnt. Auch auf längeren Etappen sitzt man dank vielen Anpassungsmöglichkeiten lange bequem, genügend Seitenhalt bieten sie sowieso. Sicher haben auch die Fahrwerksabstimmung und nicht zuletzt die tadellos funktionierende Kombination aus Motor und Automatikgetriebe ihren verdienten Anteil daran. Auf unserer Testfahrt, die uns unter anderem gut 900 Kilometer über die A7 von Würzburg nach Innsbruck und wieder zurück geführt hat, verbrauchte der Stelvio bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 81 km/h auf 100 Kilometern akzeptable 7,7 Liter. Mit entsprechendem Bleifuß ist aber auch ein zweistelliger Verbrauch überhaupt kein Problem.

Alfa-typisches Design

Das Markengesicht mit dem markanten, nicht mittig platzierten Kennzeichen machen das SUV optisch einzigartig. Im Gegensatz zum Innenraum wirkt das gesamte Design der Außenhaut nach wie vor zeitgemäß – insbesondere im Farbton „Blu Misano“. Der schlägt 950 Euro auf den Basispreis von 65.500 Euro drauf. Mit an Bord waren außerdem noch ein Assistenz-Paket für 1.750 Euro, rot lackierte Bremssättel für stolze 350 Euro sowie 21-Zoll-Felgen für 1.000 Euro. Die wurden auf unserem Testwagen leider schon gegen die deutlich kleinere Winterbereifung getauscht, die in den Radhäusern der wuchtigen Karosserie mickrig wirken und sie alles andere als ausfüllen. Apropos mickrig: Das sind auch beim genaueren Hinsehen und im Vergleich zu den riesigen Blenden in der Heckschürze auch die tatsächlichen Endrohre.

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Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer auf der Suche nach einem optisch einzigartigen SUV ist, das an bewährten und klassischen Bedien- und Motorkonzepten festhält und diese gut umsetzt und bereit ist, dafür fast 70.000 Euro auf den Tisch zu legen, ist beim Stelvio an der richtigen Adresse. Wer allerdings nach einem wirklich modernen Fahrzeug mit neuen Antriebskonzepten sowie innovativen Bedien- und Designelementen sucht, wird hier definitiv nicht fündig.

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