Amtliche Prüfungen: Alles neu ab 2018!

26. Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe

| Autor: Jakob Schreiner

(Bild: Stefan Bausewein)

Ab dem 1. Januar gelten die neuen Richtlinien für die amtlichen Prüfungen in den Betrieben. Wer bis dahin keinen Scheinwerfereinstellplatz nach der HU-Scheinwerferprüfrichtlinie besitzt, darf die Hauptuntersuchung nicht mehr im Betrieb durchführen lassen. Das eingesetzte Abgasmessgerät muss dem AU-Geräteleitfaden der „Version 5.01“ entsprechen.

Für Bremsenprüfstände ergibt sich ein differenziertes Bild: Falls die Stückprüfung fällig ist, muss ab Januar 2018 der Prüfstand normenkonform kalibriert werden. Prüfstände mit einer gültigen Stückprüfung die bis Dezember 2016 durchgeführt wurde, dürfen bis zum Ablauf der Stückprüfung weiter verwendet werden. Danach ist eine normenkonforme Kalibrierung nötig. Bremsenprüfstände die bis Dezember 2017 stückgeprüft und kalibriert wurden (Richtlinien 115 2016), dürfen bis zum Ablauf der Stückprüfung weiter verwendet werden. Der Betriebsinhaber muss dafür einen Kalibrierschein vorweisen können. Da nicht alle Bremsenprüfstände aus 2017 bei der Stückprüfung kalibriert wurden, sollte er die durchführenden Organisation für die Ausstellung eines entsprechenden Scheines beauftragen, falls dieser fehlt. Unabhängig davon haben Prüfstände die nicht der aktuellen Richtlinie entsprechen Bestandsschutz bis Dezember 2019.

Dabei ist für Frank Beaujean, Präsident des Bundesverbands der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen (ASA) klar: „Mit einem 'das habe ich nicht gewusst' können sich Betriebsinhaber nicht mehr herausreden.“ Bei Prüfständen sei seit gut sechs Jahren bekannt, dass unter anderem die ASA-Livestream-Schnittstelle ab 01.01.2020 Pflicht sei, sagte er am vergangenen Wochenende auf der 26. Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe im Vogel Convention Center in Würzburg. Wer bis jetzt noch nicht in eine Modernisierung seiner Prüfstände investiert habe, könne ins Hintertreffen geraten.

Das gilt insbesondere bei Bremsenprüfständen. Laut dem »kfz-betrieb«-Redakteur Ottmar Holz existieren in Deutschland schätzungsweise zwischen 20.000 und 30.000 Bremsenprüfstände, die ab 2018 den sich ändernden Anforderungen nicht mehr entsprechen. Diese müssen erneuert oder nachgerüstet werden – in der Regel betrifft das alle Prüfstände, die vor 2011 installiert wurden. Dabei macht Holz aber auf ein Problem aufmerksam: Es habe sich bereits ein Installations- beziehungsweise Kalibrierungsstau bei den Prüfständen gebildet. Die zuständigen Unternehmen kämen trotz mehr Kapazitäten nicht hinterher, alle Bremsprüfstände fristgerecht umzurüsten oder zu installieren. „Eile ist geboten bei denjenigen, die auch weiterhin die HU bei sich im Unternehmen durchführen möchten“, sagte Holz.

Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) sorgt dabei seit einiger Zeit für Unmut bei Werkstätten und Prüforganisationen. Die halbstaatliche Einrichtung ist für die Kalibrierung zuständig. Wie Frank Strehle, Kundenbetreuer bei der DAkkS, aber erläuterte, ist die Stelle in erster Linie nur Überbringer der quasi schlechten Botschaft. Sie sei gemäß StVZO beauftragt, entsprechende Kalibriervorschriften bei den Überwachern anzumahnen und einzufordern. Gleichwohl arbeite man mit den Unternehmen Hand in Hand bei der Genehmigung entsprechender Kalibrierverfahren, um diese möglichst schnell in den Markt zu bringen, so Strehle.

Fachtagung Freie Werkstätten 2017: Die Aussteller

Wer also künftig eine HU im Haus als Dienstleistung anbieten möchte, der sollte spätestens jetzt handeln. Das gilt auch für die Errichtung eines entsprechenden Scheinwerfereinstellplatzes. „Sie sind doch alle Handwerker, und ein bisschen messen sollten auch Sie hinbekommen. Checken Sie Ihre vorhandenen Möglichkeiten, einen Scheinwerferprüfplatz gemäß HU-Richtlinie einzurichten, und warten Sie nicht bis zum 31. Dezember und darauf, dass sich jemand von Ihrer Prüforganisation darum kümmert!“, sagte Matthias Pfau, technischer Berater vom bayerischen Landesinnungsverband. Und: Nicht immer verschlinge die Erstellung eines entsprechenden Prüfplatzes gleich Tausende von Euro.

Investitionen lohnen sich

Fest steht also: Betriebe müssen investieren, wenn sie die HU im Haus behalten wollen. Das sieht auch ZDK-Vizepräsident Hülsdonk so und macht auf die besondere Stellung der Hauptuntersuchung in den Unternehmen aufmerksam. Er blickte dazu auf den Einzug der HU in die Betriebe in den Siebzigerjahren zurück. Vorher konnte man nur an den anerkannten Prüfstellen die HU durchführen lassen. Das dauerte lange und war oft unkomfortabel. Die „Demokratisierung“ der HU führte zu einer enormen Erleichterung für den Kunden und ist zu einem wichtigen Bindungsinstrument geworden, das den Kunden alle zwei Jahre in die Werkstatt bringt. „Andere Gewerke wären froh, ein derartiges Instrument in der Hand zu halten“, betonte Hülsdonk und appellierte an die Werkstätten, die nötigen Investitionen zu tätigen.

Nicht nur aufgrund der Vorträge und der Fachmesse hat sich vergangenes Wochenende der Besuch der Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe gelohnt. Zum Ende der Veranstaltung verlosten die Partner der Tagung Automechanika, Carbon, GTÜ, BMW und Würth wertvolle Sachpreise unter den über 400 Teilnehmern. Highlight war ein BMW-Diagnosetester im Wert von rund 3.500 Euro.

Chance verpasst? Auch nächstes Jahr stehen wieder spannende und informative Vorträge und die ein oder andere Verlosung im Programm der Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe. Alle Interessenten sollten sich den Termin der Veranstaltung heute schon in den Kalender eintragen: den 20. Oktober 2018.

Fälschlicherweise entstand in der ursprünglichen Version der Eindruck, dass man zur Durchführung der HU im Betrieb einen entsprechenden Scheinwerfereinstellplatz, Bremsenprüfstand und AU-Tester vorhalten muss. Verpflichtend ist aber nur der Scheinwerfereinstellplatz und der Bremsenprüfstand mit den oben aufgeführten Voraussetzungen.

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