Andreas Scheuer: Motivationsrede für das Kfz-Gewerbe

„Es darf nicht sein, dass man den Verbrenner kaputtredet“

| Autor: Jens Rehberg

Exakt 25 Minuten sprach der CSU-Bundesminister ohne Redemanuskript vor den Teilnehmern der Bundestagung.
Exakt 25 Minuten sprach der CSU-Bundesminister ohne Redemanuskript vor den Teilnehmern der Bundestagung. (Bild: Rehberg/»kfz-betrieb«)

Gleich zu Beginn hat der Bundesverkehrsminister sich bemüht, seinen Kritikern etwas Wind aus den Segeln zu nehmen: „Ich hab‘ nicht gleich jede Forderung, wenn es um die Hardwarenachrüstung ging, verstanden – aber ich habe mittlerweile ja auch dazugelernt.“ In seiner Rede anlässlich der Bundestagung des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am Donnerstag in Berlin machte Andreas Scheuer den Teilnehmern Mut, der aktuellen autofeindlichen Stimmung in der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Auch von den Managern der Automobilindustrie erwarte er mehr Selbstbewusstsein, um allgemein die Leistungen des Automobilstandorts Deutschland wieder deutlicher in den Fokus rücken zu können.

Im Hinblick auf die Abgas-Affäre sagte der Minister: „Ich lasse nicht mehr zu, dass wir mit den Fehlern aus der Vergangenheit Zeit verlieren – wir müssen jetzt nach vorne schauen.“ Ansonsten werde es schwer, die Begeisterung der Menschen für die kommenden Innovationen der Kfz-Branche zu gewinnen. „Es darf nicht sein, dass man den Verbrenner kaputtredet und unsere wirtschaftliche Basis zerstört.“ Ein Punkt des jüngst vorgestellten Klimapaketes betreffe die Weiterentwicklung synthetischer Kraftstoffe. Das Maßnahmenpaket, das man mit 60 Milliarden Euro ausstatten wolle, solle nicht zuletzt als Konjunkturspritze wirken.

Natürlich komme irgendwann auch eine höhere Bepreisung von CO2 – aber fair und mit Übergangsfristen, „damit sich die Leute darauf einstellen können.“ Denn gerade die Menschen in der Fläche seien häufig auf ihr Fahrzeug angewiesen. „Die Regionen – der ländliche Raum hat Deutschland stark gemacht“, so Scheuer weiter. Es werde zudem einen Ausgleich geben für die, die täglich weite Wege zurückzulegen haben.

Anreize statt Verbote

Mit spontanem Beifall bedachten die Tagungsteilnehmer Scheuers Beteuerungen, die kommenden Herausforderungen über Anreize und Innovationen und nicht über Regulierungen und Verbote zu lösen. Die Menschen sollten selber entscheiden, was sie für ihre Mobilität brauchen.

An die Industrie gerichtet sagte der Bundesminister zudem: „Wir müssen auch weiter Exportweltmeister sein – nicht zuletzt mit Produkten, die den Klimaschutz voranbringen.“ Technologieoffen müsse weiter und zudem schneller an alternativen Antriebsmöglichkeiten geforscht werden. „Für die Kunden gibt es einfach zu wenige Testmöglichkeiten für alternative Antriebe – auch Sie hadern da ja mit ihren Herstellerpartnern.“ Die Verbraucher wollten nach den vollmundigen Ankündigungen der Autobauer endlich mehr Produkte sehen.

In die Zukunft gerichtet sagte Scheuer: „Vor allem die Wasserstofftechnologie wollen wir so richtig anschieben.“ Was die entsprechende Infrastruktur angehe, sei Deutschland bereits führend in Europa.

Zur Rolle der Kfz-Unternehmer sagte Andreas Scheuer: „Sie sind nah am Kunden dran und können ihnen erklären, wie man neue Mobilität managt.“ Vor allem im Hinblick auf die alternativen Antriebe müsse man die Neugier der Kunden wecken. „Geben Sie das Vertrauen in die Innovationskraft unserer neuen Produkte auch an ihre Mitarbeiter weiter“, appellierte der Bundesminister an die Teilnehmer, die er mit seiner Schlussanekdote – zumindest an diesem Tag – in großer Zahl für sich gewinnen konnte: Als er neulich in der ARD-Talkshow von Anne Will zu Gast gewesen war, seien die ebenfalls geladenen Greenpeace-Aktivisten in einem Audi-A8-Diesel an- und auch wieder abgereist. „Zumindest war es eine Fahrgemeinschaft“, so Scheuer schmunzelnd. Und schließlich: „Diese Scheinheiligkeit dürfen wir nicht zulassen.“

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