Aral-Studie: Autofahrer wollen keine Diesel-Nachrüstung

Autor: Martin Achter

Für erste Diesel-Nachrüstkits gibt es jetzt Freigaben. Allerdings will kaum ein Autohalter sein Fahrzeug umbauen lassen. Das zeigt die Aral-Studie 2019, mit der der Mineralölkonzern auch die Absichten von Verbrauchern zum Autokauf untersuchte.

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Die Aral-Studie wird seit 2003 im zweijährigen Turnus umgesetzt.
Die Aral-Studie wird seit 2003 im zweijährigen Turnus umgesetzt.
(Bild: Achter / »kfz-betrieb«)

Nur ein minimaler Anteil der Diesel-Fahrer, die mit ihren Fahrzeugen von Fahrverboten betroffen sind, würden ihre Autos mit einer Nachrüst-Lösung ausstatten lassen. Dies kommt für nur ein Prozent der Fahrzeughalter in Frage, wie die am Donnerstag veröffentlichte Aral-Studie 2019 ergab. 99 Prozent der Autofahrer würden ihr bisheriges Fahrzeuge dagegen lieber gegen ein anderes tauschen, wenn sie die Wahl hätten.

„Die Kunden haben eine Menge für ihre Fahrzeuge gezahlt – da erwarten sie auch eine entsprechende Gegenleistung“, sagte Peter Sauermann, Leiter der Aral-Forschung, bei der Vorstellung der Studie. Ob Nachrüstlösungen jetzt tatsächlich eine Akzeptanz am Markt fänden, werde unter anderem davon abhängen, wie die Automobilwirtschaft entsprechende Angebote für Kunden gestalte. Dies könne auch von der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit der Umrüstungen abhängen. „Ich denke, das braucht noch ein wenig Arbeit“, sagte Sauermann.

Die Aral-Studie ist eine der großen Autokäufer-Untersuchungen in Deutschland. Sie wird seit 2003 im zweijährigen Turnus umgesetzt. Im Mittelpunkt der repräsentativen Studie stehen die Kaufabsichten von Fahrzeughaltern hinsichtlich Neu-, Jahres- und Gebrauchtwagen. Dieses Jahr ließ Aral für die Untersuchung im März rund 1.000 Autofahrer befragen.

Wie die Ergebnisse zeigen, hat die Neigung von Verbrauchern zum Autokauf generell nachgelassen – wenngleich sie nach wie vor auf hohem Niveau ist. Deutlich wirkt sich nach wie vor die Dieseldiskussion aus.

35 Prozent der Autofahrer wollen sich laut Studie in den nächsten 18 Monaten ein Auto kaufen. In der Welle vor zwei Jahren war die Kaufneigung ein ganzes Stück stärker ausgeprägt. Damals stand noch bei 41 Prozent der Autofahrer eine Anschaffung in den nächsten eineinhalb Jahren auf der Agenda. „Besonders stark“ sei das Interesse bei Frauen gesunken, sagte Sauermann.

Jammern auf hohem Niveau

Wenn die Branche angesichts dieser Zahlen jetzt jammere, sei dies allerdings ein Jammern auf hohem Niveau. Denn die 35 Prozent Kaufbereiten entsprächen einem der höchsten Werte, den die Aral-Befragung jemals ergeben habe. „Grundsätzlich ist die Lust auf ein neues Auto groß, das konjunkturelle Umfeld lässt auf ein insgesamt freundliches Konsumklima schließen. Denn in den kommenden 18 Monaten deuten alle Indikatoren aus unserer Studie auf eine robuste Nachfrage hin“, sagte Sauermann.

Der Diesel als Antriebsform wird bei der Neu- oder Ersatzanschaffung bei Verbrauchern laut Aral-Studie aber deutlich das Nachsehen haben: Zwölf Prozent der Autofahrer könnten sich aktuell vorstellen, als nächstes Fahrzeug einen Diesel zu kaufen. Vor Bekanntwerden der Diesel-Problematik lag der Anteil noch bei 31 Prozent (2015). Auf einen Benziner würden 55 Prozent setzen (2015: 42 Prozent), auf einen Hybrid 17 Prozent (2015: 11 Prozent), auf ein Elektroauto sieben Prozent (2015: zwei Prozent). 37 Prozent entscheiden sich wegen der aktuellen Diskussion aktiv gegen einen Diesel (2017: 29 Prozent).

Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass auch die Erwartungen an die Elektromobilität als Antriebsform wachsen: 531 Kilometer Mindestreichweite halten Autofahrer bei Elektroautos mittlerweile für erforderlich. 2017 waren es noch durchschnittlich 463 Kilometer. 49 Prozent sind nicht bereit, einen Aufpreis für die Elektro-Variante ihres Wunschmodells zu bezahlen (2017: 46 Prozent).

Losgelöst von der Antriebsform zeigen die Ergebnisse, dass der Neuwagenkauf für Autohalter immer stärker an Attraktivität verliert. „Immer mehr Autofahrer sehen sich in den günstigeren Segmenten um“, sagt Sauermann. 14 Prozent können sich aktuell noch vorstellen, in den nächsten 18 Monaten einen Neuwagen zu kaufen. Vor zwei Jahren waren es noch 25 Prozent. Neun Prozent ziehen einen Jahreswagen in Erwägung, zwölf Prozent einen Gebrauchtwagen – eine Verdopplung gegen über 2017.

Bei Neuwagenkäufern wächst in den vergangenen Jahren laut Studie außerdem der Wunsch nach Rabatten weiter. 53 Prozent der Autofahrer würde bei einem höheren Rabatt auch ein Auto einer anderen Marke kaufen (2017: 51 Prozent). Im Schnitt rechnen Verbraucher aktuell mit einem Nachlass von 13 Prozent bei einem Neuwagenkauf.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«