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Audi gibt CO2-Druck an die Partner weiter

Autor: Christoph Seyerlein

Zum 1. April 2020 treten die neuen Händlerverträge bei VW und Audi in Kraft. Im Rahmen einer Händlerverbandstagung der beiden Marken war unter anderem das künftige Margensystem ein großes Thema. VW und Audi fahren dabei an einigen Stellen unterschiedliche Linien.

(Bild: Audi)

Die Mitglieder des VW/Audi-Partnerverbands (VAPV) haben sich am Mittwoch und Donnerstag getroffen, um über die aktuelle Lage im Netz und die künftigen Herausforderungen zu sprechen. Die Themen der Händlerverbandstagung waren vielfältig. Gesprochen wurde unter anderem über:

  • das künftige Margensystem im Handel für VW und Audi,
  • das Vertriebsmodell rund um den ID 3 und weitere Elektroautos,
  • das neue Erscheinungsbild der Marke VW,
  • die zähen Verhandlungen mit VW Financial Services um die Stundenverrechnungssätze und
  • WLTP

Dabei kristallisierte sich das eine oder andere neue Detail heraus, worauf sich der Handel ab dem 1. April 2020 einstellen muss, wenn die neuen Händlerverträge in Kraft treten. Hinlänglich bekannt ist, dass VW die Grundmarge seiner Partner um fünf Prozent absenken wird. Die maximal erreichbare Marge wird ein Prozent schmaler als bislang ausfallen. Damit ist klar: Die Bedeutung der Boni wird für die Unternehmer enorm ansteigen. Denn mit der neuen Grundmarge allein dürfte längst nicht jeder Händler kostendeckend arbeiten können.

Das führt in Teilen des Netzes zu Sorgen und Kritik. Ein Händler fragte im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „Wie sollen wir mit der deutlich niedrigeren Grundmarge unsere Geschäfte künftig ordentlich planen?“ Die starke Fixierung auf Boni erhöhe den Druck gewaltig.

Jeder fünfte verkaufte Audi soll elektrifiziert sein

Dabei steht insbesondere ein neuer CO2-Bonus in der Kritik, dessen Auszahlung von der Erreichung eines bestimmten Anteils an vollelektrischen und Hybrid-betriebenen Fahrzeugen am Gesamtvolumen abhängt. Der Baustein ist 1,5 Prozent schwer. Allem Anschein nach soll er vorerst aber nur bei Audi greifen. Demnach verlangen die Ingolstädter von ihren Partnern, dass künftig jeder fünfte verkaufte Neuwagen ein Elektroauto oder ein Hybrid ist. Andernfalls gibt es nicht den vollen Bonus. Ursprünglich hatte der Hersteller offenbar sogar eine Elektro-Quote von 25 Prozent gefordert, diese hat der Händlerverband aber dem Vernehmen nach noch auf 20 Prozent drücken können.

Audi steht wie die gesamte Branche unter Druck, die von der EU vorgegebenen CO2-Ziele für das Jahr 2021 zu erfüllen. Gelingt das nicht, drohen massive Strafen. Gerade Premiumhersteller mit schweren und hoch motorisierten Modellen werden ihren Flottenverbrauch nur mithilfe elektrifizierter Fahrzeuge entscheidend senken können. Einen Teil dieses Problems wollen die Ingolstädter nun an ihre Vertriebspartner durchreichen.

Gemischte Meinungen zum Agenturmodell rund um den VW ID 3

Bei VW arbeitet man in Sachen Elektro dagegen offenbar vorerst mit individuellen Zielvereinbarungen. Dennoch tut sich viel rund um die Stromer, vor allem den ID 3. Das Auto will VW über ein Agenturmodell vertreiben. Damit ist für die Partner dem Vernehmen nach nur noch eine einstellige Marge drin. Jene Strategie wird von Handelsseite immer wieder kritisiert. In Wolfsburg ist man dagegen überzeugt, dass sich viele Händler sogar ein Agenturmodell wünschen, wie zuletzt unter anderem Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann betonte.

Ein Pluspunkt könnte für die Partner sein, dass das Restwertrisiko bei jenem Modell auf Seiten Volkswagens liegt, da die Händler den ID 3 lediglich beim Hersteller leasen. Ein Unternehmer sagte dazu: „On- und Offline-Vertrieb werden dadurch besser gleichschaltbar, das finde ich gut.“

Ob VW selbst auf die Herausforderungen vorbereitet ist, die ein Agenturmodell mit sich bringt, wird ebenfalls spannend zu beobachten sein. Bislang haben die Wolfsburger damit nur beim Phaeton Erfahrungen gesammelt – mit deutlich geringerem Volumen, als es rund um den ID 3 zu erwarten ist.

Eine weitere Neuerung im kommenden Margensystem stellt ein Baustein dar, für den der Händler eine bestimmte Hauptnutzerquote in Bezug auf die „Connect“-App erreichen muss. Die Höhe liegt bei 0,5 Prozent.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«