Audi RS Q8: Agiles Renn-SUV mit leichter Verzögerung

Preislich sind auch 200.000 Euro drin

| Autor: sp-x

(Bild: Audi)

Oscar Wilde könnte sich, so er denn noch lebte, sicher für den Audi RS Q8 erwärmen. Schließlich soll der britische Poet und Lebemann einst verlautbart haben, man möge ihn mit Luxus umgeben – auf alles Notwendige könne er verzichten. Und notwendig ist die jüngste, stärkste Ausbaustufe des großen Ingolstädter SUV-Coupés garantiert nicht.

Mag man doch bereits den Nutzen eines abgeflachten, dynamischen Geländewagens grundsätzlich in Frage stellen. Garniert mit einem 441 kW/600 PS starken V8 unter der Haube erübrigt es sich, über Sinn und Unsinn zu diskutieren. Zumindest für Audi aber ist die Sache klar: Es gibt genug geistige Nachfahren Oscar Wildes, die gerne bereit sind, ab dem ersten Quartal 2020 mindestens 127.000 Euro für den Wagen an den Autobauer zu überweisen.

Doch damit nicht genug: Wer in Anbetracht des stattlichen Preises auf eine volle Hütte hofft, wird enttäuscht. Blättert man durch die vielseitige Aufpreisliste, findet man Extras im Wert von grob geschätzt rund 80.000 Euro, mit denen sich selbst ein Top-Modell wie der RS Q8 noch aufwerten lässt. Das Angebot reicht vom Dynamikpaket (unter anderem mit Keramikbremsanlage) für fast 14.000 Euro, über die 6.450 Euro teure Bang-&-Olufsen-Stereoanlage bis zu den Radschrauben mit Diebstahlsicherung für 35 Euro, die verhindern sollen, dass jemand die edlen 23-Zöller mopst.

Warum aber gibt jemand mitunter rund 200.000 Euro für den Audi RS Q8 aus? Ganz sicher nicht nur wegen des Designs. An der Karosserie hat die verantwortliche Audi Sport GmbH nur dezent Hand angelegt. Natürlich gibt es eine aggressivere Frontschürze, freilich sind die Backen etwas breiter, und auch das Heck mit markantem Spoiler und dicken Endrohren macht was her – das aber hätte es im Zubehör-Handel deutlich günstiger gegeben.

Dynamisch wie ein Sportwagen

Nein: Die einen werden sicher einfach zuschlagen, weil sie es sich halt leisten können und sich RS am Stammtisch besser macht als Nur-S. Die anderen aber, weil sie der Faszination des schier Unmöglichen erliegen werden, das die Ingenieure – wieder einmal – vollbracht haben. Egal ob man sich bei Mercedes, BMW oder eben Audi umschaut, es ist schlichtweg beeindruckend, welche Agilität und Dynamik sich mit der richtigen Technik selbst einem leer 2,4 Tonnen schweren Blechkoloss, der dazu noch eine nicht gerade windschnittige Form hat, beibringen lässt.

Das Bonmot der „scheinbar außer Dienst gestellten Naturgesetze“ mag überstrapaziert sein, genauso treffend aber ist es auch im Falle des RS Q8. Als wäre Sir Newton nie gewesen, pfeilt der Audi durch Kurve um Kurve, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, und in einem Tempo, das man manch’ schnittigerem Sportwagen nicht zutrauen würde.

Möglich machen es die nahtlose Zusammenarbeit von Allradantrieb und Allradlenkung, Sportdifferenzial und 48-Volt-Wankstabilisierung sowie die überarbeitete Fahrwerks- und Lenkungsabstimmung – und natürlich optimal trainierte Regelsysteme. Mit dem Rubens-Heck zu wackeln ist quasi nicht möglich, und wenn es dem Audi doch zu viel wird, kündigt er seinen Missmut lediglich mit einem gut kontrollierbaren Schieben über die Vorderräder an.

600-PS-Motor als Schwachstellchen

Kann man – abgesehen vom Preis – an so einem Auto überhaupt Kritik üben? Das aktuelle, durch und durch digitalisierte Cockpit gibt ebenso wenige Anlass zu Tadel wie die perfekten Sportsitze oder das Platzangebot, und selbst wer weniger sportlich unterwegs sein will, kann dank adaptivem Luftfahrwerk mit dem RS Q8 auch noch ziemlich kommod dahingleiten.

Ausgerechnet aber das Herzstück eines jeden Sportwagens, der Motor, erweist sich als Schwachstellchen – zumindest, wenn man auf sehr hohem Niveau jammern möchte. Zwar stellt der aufgeladene Vierliter-V8 besagte 441 kW/600 PS bereit und stemmt noch beeindruckendere 800 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Mehr braucht es auch auf keinen Fall, reicht die Kraft doch für einen Standardsprint in 3,8 Sekunden und maximal 305 Kilometer pro Stunde. Allerdings dürfte das Triebwerk ruhig noch einen Ticken bissiger reagieren und direkter am Gas hängen.

Das fällt vor allem im Komfortmodus, wo der Achtender üblicherweise weit unterhalb der Zweitausend-Touren-Marke rumbummelt und, beim spontanen Überholmanöver etwa, Achtgang-Automatik und Turbolader erstmal in Bereitschaft versetzt werden müssen, ehe es so richtig zur Sache geht. Wahrscheinlich ist dieser Hauch von Turboloch kaum messbar, zumindest mit dem Wissen um die 600 Pferdchen unter der Haube und die RS-Insignien ist er aber spürbar.

Verkürzt wird die Verzögerung durch den Dynamik-Modus, nach längerer Zeit des Dahinrollens müssen aber auch hier beim plötzlichen Tritt aus Gas erstmal alle Systeme wieder in Stellung gebracht werden. Schließlich schnurrt der V8 auch im Sport-Modus nicht immer mit 4.000 Touren oder mehr vor sich hin. Klanglich wäre das vielleicht ein Genuss, in Sachen Verbrauch aber ganz sicher nicht. Fließen doch so schon, trotz Mild-Hybrid-System, über zwölf Liter pro 100 Kilometer durch die Benzinleitung, und in der Praxis ganz sicher noch weitaus mehr. Auch das könnte man dem RS Q8 vorwerfen.

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