Auf die sanfte Tour

Autor / Redakteur: Uwe Meuren / Silvia Lulei

Die Smart-Repair-Methode des lackschadenfreien Ausbeulens senkt die Reparaturkosten bei der Fahrzeugaufbereitung und steigert gleichzeitig den Wert des Autos.

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Typische Gebrauchsspuren an der Fahrzeugkarosserie sind beispielsweise Parkrempler oder Dellen von Einkaufswagen. Solche Macken beeinträchtigen nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch den Wert eines Autos.

Bei der Beseitigung der Spuren kann der Händler zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen: Am teuersten ist es, das beschädigte Bauteil zu ersetzen; etwas günstiger ist es, das Teil zu schleifen, zu spachteln, zu lackieren und zu polieren. Doch häufig stehen bei den genannten Varianten die Reparaturkosten nicht im Verhältnis zum Schaden. Aus kaufmännischer Sicht ist eine Reparatur demnach alles andere als gewinnbringend.

Es gibt jedoch eine Alternative: das lackschadenfreie Ausbeulen. Das Schweizer Unternehmen Fix-a-ding hat 1995 die günstige „Drücker-Arbeit“ salonfähig gemacht und seither zahlreiche Techniker in dieser Handwerkskunst ausgebildet. „Bei der Preisfindung für einen Gebrauchtwagen sind nicht nur die üblichen Marktwerte und regionalen Preise relevant, sondern auch die Höhe der Reparaturkosten“, erläutert Markus Enzinger, Geschäftsführer von Fix-a-ding. „Denn sie mindern den Wert eines Fahrzeugs.“

Optik spielt eine große Rolle

Ralph Linke, Geschäftsführer im Autohaus Linke in Crailsheim, kalkuliert mindestens 800 Euro Reparaturkosten pro Fahrzeug: „Wir gehen jeweils von der günstigsten Reparaturmethode aus. Bei Karosserieschäden ist das meistens das lackschadenfreie Ausbeulen.“

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Linke bietet kein Auto zum Verkauf an, das nicht aufbereitet ist. Denn er weiß, dass die Optik im Gebrauchtwagengeschäft eine große Rolle spielt und dem Kunden immer wieder Anlass gibt, um den Preis zu feilschen. Erzinger bestätigt dies: „Der Autofahrer erkennt selbst kleinste Dellen, wie uns Fix-a-ding-Kunden immer wieder berichten. Umso wichtiger ist es, dass der Händler seine Gebrauchtwagen schadenfrei präsentiert.“

Die sanfte Reparaturmethode des lackschadenfreien Ausbeulens akzeptieren auch Fahrzeughersteller, Versicherungen und Sachverständige. „Volkswagen war einer der ersten Hersteller, die unser System als vollwertige Karosseriereparatur anerkannt haben“, erinnert sich Erzinger.

Seniorchef Konrad Linke machte sich für das lackschadenfreie Ausbeulen im Autohaus Linke stark. Sein Sohn und heutiger Geschäftsführer des Autohauses, Ralph Linke, ist ebenfalls überzeugt von der Reparaturmethode: „Wir haben festgestellt, dass wir Gebrauchtwagen auf diese Weise fachmännisch und günstig aufbereiten können. Zudem konnten wir den Service auch Kunden anbieten, die ihren Wagen privat verkaufen wollten.“

Wirtschaftlichkeit prüfen

Jedoch hat auch diese Methode ihre Grenzen. „Wenn sich das Dellendrücken über drei oder mehr Stunden hinzieht und am Ende mehr als 500 Euro kostet, ist ein neues Teil oder eine konventionelle Reparatur mit Lackaufbau günstiger“, klärt Erzinger auf. „Ausgebildete Dellendrücker merken nach spätestens 15 Minuten, ob ein Schaden auf die sanfte Tour zu reparieren ist oder nicht.“

Auch wenn das Dellendrücken in der Regel die billigere Reparaturalternative ist, kommt es im professionellen Fahrzeughandel nicht oft zum Einsatz. Insbesondere Werkstätten mit eigener Lackiererei reparieren häufig konventionell, das heißt mit komplettem Lackaufbau.

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Das Autohaus Linke dagegen leiht seinen Ausbeulspezialisten Volkhard Ries sogar an Händlerkollegen aus. Er ist regelmäßig in anderen Crailsheimer Kfz-Betrieben, um deren Gebrauchtwagen mit sanfter Reparatur aufzubereiten. Linke lobt seinen Ausbeul-Profi: „Er versucht, jede Delle zu beseitigen. Grenzen gibt es fast keine. Lediglich bei Fahrzeugen mit höher- und hochfesten Stählen wird der Aufwand etwas größer.“ Problematisch wird es nur, wenn Teile derart abgedichtet und verbaut sind, dass man selbst mit schmalen Drückeisen nicht rankommt.

Lukratives Geschäft

Im Autohaus Linke ist das lackschadenfreie Ausbeulen ein lurativer Geschäftszweig. „Die Umsatzrendite bei der Gebrauchtwagenaufbereitung mit Dellendrücken ist bei uns deutlich höher als mit einem kompletten Lackaufbau“, verrät Linke. Lediglich der Ersatzteilumsatz verringere sich dadurch etwas.

Allerdings sind auch einige Investitionen erforderlich. Linke rechnet vor: „Die Ausbildung von Volkhard Ries hat rund 25.000 Euro gekostet, inklusive Werkzeug, Ertragsausfall und Lohnfortzahlung während der Ausbildungswochen.“

Linke hat Glück, dass sein Mitarbeiter dem Unternehmen gegenüber so loyal ist. Denn er kennt andere Fälle, bei denen der Profi-Beulenausdrücker nach absolvierter Ausbildung gekündigt hat, um sich selbstständig zu machen.

Linke empfiehlt das lackschadenfreie Ausbeulen auch bei Leasingrückläufern: „Die Kunden sind dankbar, wenn durch die günstige Reparatur der Restwert des Fahrzeugs nicht ins Bodenlose sinkt. Für uns ist diese Art der Dellenbeseitigung ein gutes Mittel zur Kundenbindung und -gewinnung.“

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