Ferrari Automobile Chimäre

Von Dipl.-Ing. (FH) Kfz-Technik Peter Diehl 2 min Lesedauer

Mit dem Manuale hat Ferrari eine limitierte Variante seines Supersportwagens 12Cilindri vorgestellt, dessen Doppelkupplungsgetriebe sich zwar wie ein Schaltgetriebe bedienen lässt, dennoch ein Getriebe mit automatisierten Gangwechseln verbleibt.

Mitteltunnel des Ferrari 12Cilindri Manuale mit Schalteinheiten wahlweise für die scheinbar manuelle oder automatisierte Betätigung des Doppelkupplungsgetriebes.(Bild:  Ferrari/Kai Grossmann)
Mitteltunnel des Ferrari 12Cilindri Manuale mit Schalteinheiten wahlweise für die scheinbar manuelle oder automatisierte Betätigung des Doppelkupplungsgetriebes.
(Bild: Ferrari/Kai Grossmann)

Unter einer Chimäre ist ein mythologisches Mischwesen zu verstehen, das sich aus verschiedenen Tieren zusammensetzt. Oder eine Wahrnehmung, die man sich nur einbildet. Beispiele: das thüringische Hanghuhn, der sächsische Rasselbock und der bayerische Wolpertinger. Kaum treffender könnte man die Variante Manuale des Ferrari 12Cilindri beschreiben.

Rein technisch betrachtet, handelt es sich beim Ferrari 12Cilindri Manuale um einen auf 1.499 Exemplare limitierten Supersportwagen mit vorn eingebautem V12-Ottomotor ohne Aufladung, achtstufigem Doppelkupplungsgetriebe (DCT) und Heckantrieb. Die Betätigung des Getriebes erfolgt nach wie vor automatisiert. Dem Fahrer stehen jedoch auch ein Kupplungspedal und ein Schalthebel zur Verfügung. Seitens Ferrari wird das als Manuale-by-wire-System und als Eigenentwicklung bezeichnet.

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„Das manuelle Schaltsystem besteht aus einer mechanischen Einheit, die mit Sensoren und einer ausgeklügelten Kinematik ausgestattet ist. Diese bildet die für manuelle Ferrari-Getriebe typischen mechanischen Lastzustände während der Phasen der Synchronisierung sowie des Ein- und Auskuppelns nach. Die Kinematik erzeugt spürbare Rastpunkte und Lastwechsel, wodurch der Fahrer eine klare Rückmeldung über die Gangwechsel erhält“, beschreibt eine Mitteilung von Ferrari Central Europe Schalteinheit und Schaltvorgänge.

Zum Kupplungspedal enthält die Mitteilung diese Aussage: „Die Pedalstellung wird von einem Sensor an der Pedaleinheit erfasst und in eine hydraulische Betätigung der DCT-Kupplung umgesetzt, wodurch Getriebe und Motor bei Gangwechseln exakt aufeinander abgestimmt werden. Dank eines innovativen passiven mechanischen Systems kann die typische Kennlinie mechanisch gekoppelter Schaltgetriebe nachgebildet werden. Ein Winkelsensor erfasst kontinuierlich die Intentionen des Fahrers über den gesamten Pedalweg hinweg. Daraus resultiert ein Verhalten, das der Logik herkömmlicher Schaltgetriebe entspricht.“

Vereinfacht ausgedrückt, hat der Hersteller die Funktion der für Doppelkupplungsgetriebe üblichen Schaltwippen am Lenkrad, die bei der limitierten Variante entfallen, in eine Kupplungs- und eine Gangwechselfunktion aufgeteilt und an Komponenten verlagert, die einem Kupplungspedal bzw. einem Schalthebel ähneln. Zwischen diesen Komponenten und der Getriebesteuerung bestehen jedoch wie bei über Schaltwippen eingeleiteten Gangwechseln nur elektrische Kabelverbindungen. Getriebesteuergerät und -software wurden entsprechend angepasst.

Die Möglichkeit, scheinbar mechanisch die Gänge zu wechseln, besteht lediglich für die ersten sechs Vorwärtsgänge und für den Rückwärtsgang. Die Gänge 7 und 8 werden automatisiert eingelegt. Erscheint dem Getriebesteuergerät der Wunsch des Fahrers unplausibel, wird der Schaltvorgang auch mechanisch, also am Schalthebel, blockiert. Alternativ arbeitet das Doppelkupplungsgetriebe wie beim nicht limitierten Ferrari 12Cilindri, nämlich gänzlich automatisiert.

Mit der Entwicklung des Manuale-by-wire-Systems scheint Ferrari auf Kundenwünsche reagiert zu haben. Ebenso scheint es aber, dass man seinen Kunden angesichts eines maximalen Drehmoments von 678 Newtonmetern nicht die Betätigung eines wirklichen Schaltgetriebes zutraut. Sicher spielen auch die Kosten gänzlicher Neuentwicklungen von Handschaltgetriebe und Kupplungssystem eine Rolle. Ob sich die Puristen unter den Markenenthusiasten vom 12Cilindri Manuale überzeugen lassen, bleibt abzuwarten, auch wenn mit dem System die sogenannte Spitze-Hacke-Technik (Zwischengas mit gleichzeitiger Betätigung von Brems- und Gaspedal) nachgebildet sowie der Motor beim Anfahren und Herunterschalten abgewürgt werden kann.

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