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Bei Dirkes übernimmt der Insolvenzverwalter

| Autor: Jens Rehberg

Die Kölner Dirkes-Gruppe kann ihre Sanierung nicht mehr in Eigenregie fortführen. Das Amtsgericht Köln hat am Donnerstag den kontrollierenden Anwalt zum Insolvenzverwalter gemacht und damit das Verfahren geändert. Die Maßnahme geschehe aus Effizienzgründen, sagt die zuständige Kanzlei.

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Bislang eine feste Größe im Kölner Stadtteil Ehrenfeld: die Dirkes-Gruppe.
Bislang eine feste Größe im Kölner Stadtteil Ehrenfeld: die Dirkes-Gruppe.
(Foto: Dirkes-Gruppe)

Die Kölner Dirkes-Gruppe kann ihre Insolvenz nicht mehr in Eigenregie fortführen. Das Amtsgericht Köln hat am Donnerstag den kontrollierenden Anwalt zum Insolvenzverwalter gemacht und damit das Verfahren in Richtung einer Regelinsolvenz geändert. Die zuvor gestellten Anträge auf Eigenverwaltung wurden zurückgenommen.

Durch die Verfahrensänderung solle „die Sanierung der Autohausgruppe bis zum Einstieg eines neuen Investors effizienter überbrückt und abgesichert werden“, ließ die Kanzlei des Insolvenzverwalters Jens Schmidt in einer Presseerklärung verlauten. „Damit sitzt der Geschäftsführer nicht mehr im Fahrersitz“, kommentierte ein Sprecher der Kanzlei Runkel-Schneider-Weber die Maßnahme.

Wegen „vorliegend hoher Herausforderungen“ müsse der Sanierungs- und Investorenprozess bestmöglich abgesichert werden, konkretisierte Rechtsanwalt Jens Schmidt auf Anfrage die Gründe für die Verfahrensänderung. Der Insolvenzverwalter habe im Regelverfahren auch gegenüber den Banken stärkere Rechte als es die Geschäftsleitung in der Eigenverwaltung gehabt hätte. Die Banken müssten nun per Gesetz Beiträge zur Sanierung leisten, wozu sie in der Eigenverwaltung nicht verpflichtet seien. Hierzu seien die meisten Finanzierer auch freiwillig nicht bereit gewesen. Umsatzverluste in der Zeit ab der Antragsstellung hätten die Kontrollinstanzen jetzt dazu gezwungen, jeden wirtschaftlichen Beitrag zu sichern. Hierzu gehöre auch jener Zwangsbeitrag der Banken.

Betrieb läuft uneingeschränkt weiter

Unterdessen laufe – abgesehen von einem kleineren Standort in Köln-Weidenpesch, der bereits geschlossen wurde – der Geschäftsbetrieb des seit beinahe 100 Jahren bestehenden Familienunternehmens an den sechs Standorten in Köln, Frechen, Bonn, Troisdorf und St. Augustin zunächst uneingeschränkt weiter.

Wie die Kanzlei in ihrer Mitteilung betonte, könnten Kunden Neuwagen derzeit wieder risikolos bestellen, da Anzahlungen oder Kaufpreiszahlungen durch den Insolvenzverwalter treuhänderisch abgesichert seien. Für eine Reihe von Kunden, die vor dem Insolvenzantrag Anfang Juni ein Neufahrzeug gekauft und hierfür eine Anzahlung geleistet hatten, sei dagegen die Anzahlung in großen Teilen verloren. „Das ist außerordentlich bitter und tut der Geschäftsleitung und mir ausgesprochen leid“, wird Rechtsanwalt Jens Schmidt in der Mitteilung zitiert.

Vielversprechende Gespräche

Nichtsdestotrotz geht Schmidt zuversichtlich an die Investorensuche: „Dirkes hat viele Stammkunden, verfügt über qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, bietet attraktive Angebote und guten Service.“ Der Name Dirkes genieße einen hervorragenden Ruf weit über die Region hinaus. Ziel sei, so Schmidt, der Verkauf der Gruppe an einen Investor im Rahmen einer übertragenden Sanierung und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Erste vielversprechende Gespräche mit potenziellen Investoren würden bereits geführt.

Die Dirkes-Gruppe hält Partnerverträge mit Fiat, Jeep, Nissan, Citroën, Suzuki und Mitsubishi. 2018 verkaufte die Autohandelsgruppe knapp 9.000 Fahrzeuge – davon mehr als zwei Drittel Neuwagen. Mit seinen Kfz-Betrieben sowie einem Logistikzentrum erzielte das Unternehmen zuletzt rund 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Von der Insolvenz sind nun 220 Mitarbeiter betroffen.

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Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«