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Berolina-Mitarbeiter demonstrieren für mehr Personal

| Autor: Andreas Grimm

Wenn die Belegschaft demonstriert, verheißt das für ein Unternehmen meist nichts Gutes. Bei der Autohausgruppe Berolina war die Aktion sogar erwünscht. Der Händler erhofft sich davon mehr Bewerbungen, um die zahlreichen offenen Stellen zu besetzen.

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Demonstration für neue Kollegen: die Belegschaft des Autohauses Berolina in Berlin-Spandau.
Demonstration für neue Kollegen: die Belegschaft des Autohauses Berolina in Berlin-Spandau.
(Bild: Berolina)

Die Autohaus-Gruppe Berolina geht mit einer Social-Media-Offensive in der Nachwuchsrekrutierung und Mitarbeitergewinnung in die Offensive. Weil verschiedene Standorte der Gruppe und auch das Gesamtgeschäft zuletzt stark gewachsen waren, fehlt es an qualifizierten Mitarbeitern. Um auf das Unternehmen als Arbeitgeber aufmerksam zu machen, haben rund 100 Mitarbeiter nun für ihr Unternehmen demonstriert, um die Bevölkerung zu einer Bewerbung aufzufordern. „Wir haben … Deinen Traumjob“ und „Ihr könnt uns mal … euren Freunden empfehlen“, hieß es auf den Plakaten.

Mit ihrer Taktik könnte die Berolina-Gruppe durchaus richtig liegen. Vor einer Woche hatte der Vertriebsfachmann Dominik Multerer vor Skoda-Händlern unter anderem über Veränderungen gesprochen und die Notwendigkeit, darauf zu reagieren. Sein Beispiel drehte sich um die Mitarbeitersuche: „Sie schalten, wie Sie es gewohnt sind, Textanzeigen im Print- oder Online-Stellenmarkt. Sie vergessen aber dabei, dass viele junge Menschen gar nicht mehr lesen“. Sprich: Die attraktivste Stelle wird nicht besetzt, wenn die Zielgruppe davon nicht Kenntnis bekommt.

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Das soll den Berolina-Personalern nun mit ihrer Kampagne erspart bleiben. Zum einen sorgte die Demonstration an der Berolina-Automeile (Unternehmenszentrale, Audi-Zentrum, Seat-Autohaus, Karosserie-Werkstatt) im lokalen Umfeld für Aufmerksamkeit. „Darüber hat man in Spandau schon gesprochen“, ist Berolina-Marketingchefin Stefanie Wolff überzeugt. Vor allem aber soll die Kampagne nun abseits klassischer Rekrutierungsportale über die Social-Media-Kanäle viral gehen – und die Zielgruppe dort abholen, wo sie unterwegs ist.

„Wir haben während der Demo viel Material produziert, das wir und die Mitarbeiter jetzt nutzen können. Wir wollen Aufmerksamkeit wecken, möglichst viele Likes und Shares bekommen und am Ende natürlich qualifizierte Bewerbungen“, erläutert Wolff.

Die Berolina-Aktion wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Personalsituation in der Branche. Denn die Themen Ausbildung, Mitarbeiterbindung und -rekrutierung haben für das Unternehmen schon lange große Bedeutung. Und doch sind in allen Bereichen von der Werkstatt bis in die IT-Abteilung Stellen offen, die nicht qualifiziert besetzt werden können. Ein bisschen ist das Problem aber schon hausgemacht. Durch drei Neubauten für Seat sowie für Audi ist das Geschäft in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen – natürlich auch dank der starken Entwicklung von Seat.

Übrigens handelte es sich bei der „Demonstration“ um eine gemeinsame Aktion von Belegschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung. Das muss wohl auch von innen heraus kommen, um überzeugend zu sein – und speziell die Nutzung der Social-Media-Kanäle ist ja auf eine breite Beteiligung beim Teilen angewiesen. „So eine Kampagne kann man nicht von außen verordnen. Entweder das Unternehmen hat das Potenzial für solch einen Ansatz oder nicht“, erklärt Michael Ruppert von der Agentur Snook aus Frankfurt, die die Durchführung betreute.

Die Anfänge der Berolina-Gruppe reichen bis in die 1920er Jahre mit einer Vertretung für die Auto Union im Stadtteil Halensee. Derzeit ist das Unternehmen in Berlin mit vier Standorten vertreten, dazu in Luckenwalde, Bad Belzig und Gera. Berolina hat die Marken Volkswagen, Audi, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Seat im Portfolio.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«