Volkswagen Blume kündigt in Emden Kürzungen im Management an

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Das VW-Werk in Emden steht trotz Milliardeninvestitionen in die E-Auto-Produktion unter Druck. Bei einer Betriebsversammlung erklärt VW-Chef Blume, warum das so ist und wo er noch sparen will.

Die Zukunftsmodelle von VW wie der ID3 werden in Emden gebaut - trotzdem steht das Werk möglicherweise zur Disposition.(Bild:  Volkswagen)
Die Zukunftsmodelle von VW wie der ID3 werden in Emden gebaut - trotzdem steht das Werk möglicherweise zur Disposition.
(Bild: Volkswagen)

VW-Konzernchef Oliver Blume hat bei der Betriebsversammlung am gefährdeten Standort Emden spürbare Einschnitte im Management angekündigt. Angesichts des Spardrucks schaue man auch dort genau hin und baue ein Viertel der Stellen ab, sagte Blume. „Alle Bereiche müssen ihren Teil beitragen; es ist ein Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann.“ 

Mit Blick auf den drohenden Stellenabbau insgesamt sagte der VW-Boss, dass es in einem nächsten Schritt insbesondere um die Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion gehe – also: Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung oder Vertrieb. Mit Blick auf die bedrohten Standorte wiederholte Blume, er wolle Werksschließungen vermeiden, bisher gebe es keine Beschlüsse. 

Der VW-Boss betonte in Emden die schwierige Wettbewerbslage des Standorts. Die Arbeitskosten lägen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke deutlich günstiger, sagte Blume. Das Werk in Ostfriesland gilt als gefährdet, weil es noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre gibt.

Emden produziert Elektromodelle

Dass das Werk Emden auf der Kippe stehen soll, hatte überrascht, weil dort schon Ende 2024 der letzte Verbrenner vom Band gelaufen war und nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos gebaut werden. In dem Werk arbeiten rund 7.700 Beschäftigte. Der Standort gilt in Ostfriesland als der wichtigste industrielle Arbeitgeber. 

„Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr“, sagte Blume. Es gebe Veränderungen und deshalb müsse die Lage immer wieder neu bewertet werden. In Emden seien die Kosten zwar gesenkt, aber eben weiter vergleichsweise hoch. „Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität, an der wir uns messen lassen müssen“, sagte Blume. 

Nach seiner Ankündigung, den Sparkurs zu verschärfen, wird beim größten Autobauer Europas um Zehntausende zusätzliche Jobs und vier ganze Standorte gebangt. Neben Emden waren dabei auch Zwickau und Hannover sowie das Werk der Tochter Audi in Neckarsulm in den Fokus geraten. Auch dort fehlt nach Angaben des Vorstands eine wettbewerbsfähige Belegung.

Auch in Zwickau geht die Angst um

Nach Emden sollte Blume weiter nach Zwickau reisen, wo ebenfalls um den Standort gebangt wird. Noch eher als Emden galt die Fabrik dort als Pionier der Elektromobilität bei Volkswagen. Seit 2020 werden ausschließlich E-Autos gebaut. Zuletzt sank die Zahl der Beschäftigten in Zwickau aber schon von rund 11.000 zu Hochzeiten auf aktuell noch etwa 8.000. Mehr als 1.000 weitere Jobs werden in den nächsten Jahren planmäßig wegfallen, 2027 soll eine der beiden Fertigungslinien stillgelegt werden. 

In der Zwickauer Belegschaft sei die Verunsicherung groß, sagte Betriebsratschef Mario Albert. „Wir waren das einzige deutsche Werk 2025, das die Fabrikkostenziele erreicht hat. Und das werden wir auch 2026.“ Die Menschen vor Ort bräuchten eine Perspektive, mahnte er.

Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort wird Blume an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden bereits keine Fahrzeuge mehr produziert. 

VW-Betriebsrat sieht Vertrauen erschüttert

Der mächtige Betriebsrat bei Volkswagen hatte sich von den aus seiner Sicht oberflächlichen Infos des Konzernchefs zu dessen Zukunftsplänen entrüstet gezeigt und außerordentliche Betriebsversammlungen an insgesamt neun Standorten einberufen. „Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, schimpfte Betriebsratschefin Daniela Cavallo beim Auftakt in Wolfsburg. Das Vertrauen insbesondere in den Konzernchef sei beschädigt.

(ID:50938101)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung