Bürokratie-Wahnsinn macht Betrieben zu schaffen

Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz zieht Bilanz für 2018

| Autor: Christoph Baeuchle

Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz.
Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz. (Bild: Promotor)

Vom Bürokratieabbau, den sich die Bundesregierung vorgenommen hat, kommt bei Kfz-Betrieben bislang wenig an. Nun nimmt die Bürokratie erstmal wieder zu. Werkstätten, die eine Abgasuntersuchung anbieten wollen, müssen ihre Messgeräte sowohl eichen als auch kalibrieren. „Seit diesem Jahr müssen zwei Prüfungen ein und dasselbe belegen“, kritisierte Hans Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz, bei der Jahrespressekonferenz des Landesverbandes. „Das bedeutet für die Betriebe nicht nur doppelte Kosten, sondern auch doppelte Bürokratie, die nicht zuletzt auch Manpower in den Betrieben bindet.“

Für den Präsidenten des Landesverbandes eine absurde Situation. Das deutsche Gesetz sieht eine Eichung vor, aus Europa kommt die Vorgabe der Kalibrierung, um die Abgasmessung europaweit anzugleichen. Ziel von beiden Maßnahmen ist es, die Messgenauigkeit des Gerätes sicherzustellen. „Warum also die ganze Bürokratie?“, fragte Norren. Und forderte: „Das AU-Gerät sollte von der Eichpflicht ausgenommen werden.“

Schwache Rendite zwischen einem und 1,3 Prozent

Aufgrund des harten Wettbewerbs bei der Abgasuntersuchung fürchtet Norren, dass die „Betriebe die zusätzlichen Kosten an den Kunden nicht weitergeben können, sondern darauf sitzen bleiben.“ Die Befürchtung: Vor allem kleine Werkstätten sind nicht mehr bereit, in neue Messgeräte zu investieren und verabschieden sich von der Abgasuntersuchung.

Für Kfz-Betriebe ein weiterer Dämpfer, von denen es in der jüngeren Vergangenheit einige gab. „Das Pkw-Jahr 2018 glich einer Achterbahnfahrt, die für den Kfz-Handel mit einem Schleudertraum endete“, fasste Norren das vergangene Jahr zusammen. Während der Umsatz zulegte, blieb bei den Kfz-Betriebe deutlich weniger hängen: Die durchschnittliche Rendite lag 2018 nur noch zwischen einem und 1,3 Prozent, nach 1,5 Prozent im Vorjahr.

Dafür sind vor allem zwei Gründe verantwortlich: Die Diskussionen um Diesel und die damit verbundenen (drohenden) Fahrverbote in einigen Städten sowie das Chaos bei der Umstellung auf den neuen Test-Zyklus WLTP. „Zuerst hatten die Händler zu viel Ware, die sie billig verkaufen mussten, und anschließend zu wenig“, fasste Norren die Situation im Herbst bei der WLTP-Umstellung zusammen.

Diesel: Situation entspannt sich ein wenig

Beim Diesel ist die Entwicklung bereits aus den Vorjahren hinlänglich bekannt und lässt sich auch an Zahlen zu den Neuzulassungen ablesen. Bei neuen Dieseln waren die Käufer vorsichtig, von Euro-5-Diesel ließen sie die Finger. Als Leasingrückläufer standen diese bei vielen Händlern auf den Höfen und konnten nur noch mit Rabatten verkauft werden – wenn überhaupt. Mittlerweile entspannt sich die Situation ein wenig: „Die Kunden scheinen inzwischen wieder Zutrauen in den Diesel gefunden zu haben“, freut sich Norren.

Insgesamt kann von Kaufzurückhaltung keine Rede sein. Die Pkw-Neuzulassungen legten um mehr als 2.500 Stück auf nunmehr 134.100 Einheiten zu. Damit erreichten sie den höchsten Wert seit 2006 (147.000 Pkw-Neuzulassungen). Dagegen waren die Besitzumschreibungen leicht rückläufig. Sie sanken um rund 4.000 Einheiten auf nunmehr 399.700 Stück.

Insgesamt erzielten die rheinland-pfälzischen Autohäuser und Werkstätten 2018 einen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro, nach 7,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Mit dem Zuwachs von 3,1 Prozent stellten sie zwar einen neuen Rekord auf, doch aufgrund der bereits erwähnten schlechten Rendite blieb der Jubel aus.

Den größten Beitrag zum Umsatz leistete das Geschäft mit Gebrauchten: In dem Segment erzielten die Kfz-Betriebe einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und lagen damit quasi auf dem Niveau des Vorjahres. Dagegen konnten die Erlöse mit Neuwagen um rund 80 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden Euro und die Umsätze in den Werkstätten um etwa 140 Millionen auf 2,6 Milliarden Euro zulegen.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45804929 / Verbände)

Plus-Fachartikel

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

45.000 Euro netto will das chinesische Start-up Byton für sein Elektro-SUV M-Byte verlangen. Nach dem Start in China Anfang 2020 soll das Auto ein Jahr später auch nach Europa kommen. Byton-Manager Andreas Schaaf erläutert die Pläne des Fabrikats. lesen

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi schaltet sich immer häufiger zwischen freie Werkstatt und Endkunde. Aus Sicht der Berliner geschieht das nur zum Vorteil der Betriebe. Die künftigen Pläne des Start-ups erläutert Geschäftsführer Philipp Grosse Kleimann. lesen