Die Frühstückspolitikerin

Autor / Redakteur: Dr. Gunther Schunk / Ute Jaxtheimer

Martina Stoppanski, Geschäftsführerin des Autohaus Stoppanski, ist die Gewinnerin des Junior Awards 2007.

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Der Audi-Betrieb in Ettlingen auf dem 20 000 m² großen Firmengelände. Fotos: Schunk
Der Audi-Betrieb in Ettlingen auf dem 20 000 m² großen Firmengelände. Fotos: Schunk
( Archiv: Vogel Business Media )

„Ich habe hier in meiner Bürowand ein großes Bullauge, damit ich immer den Eingangsbereich von unserem Autohaus einsehen kann“, erläutert Martina Stoppanski das ungewöhnliche runde Loch in der Wand ihres Büros. Und sie fügt hinzu: „Der Gedanke macht mich verrückt, dass ein Kunde keinen Parkplatz findet und unverrichteter Dinge wieder fortfährt. Wenn ich das sehe, springe ich sofort hinaus und parke dem Kunden sein Auto.“ Diese Geschichte zeugt von der hohen Kundenorientierung des Autohauses Stoppanski. Und die gibt es bereits seit drei Generationen. Diese Geschichte verdeutlicht auch, dass die junge, verantwortungsvolle Geschäftsführerin die Dinge immer im Blick hat. Sie weiß, was sie will. Und meistens hängt das, was sie will, – quasi genetisch bedingt – mit dem Autohaus ihrer Familie zusammen.

Seit ihrer Kindheit spielt das Familienunternehmen eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Immer war Martina Stoppanski klar, dass sie hier arbeiten wird. Vom Großvater 1955 als kleine Werkstatt gegründet, steht das Unternehmen heute solide mit den beiden Marken Audi und VW da.

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In Ettlingen, vor den Toren Karlsruhes, ist der Name Stoppanski seit Jahrzehnten ein Begriff. „Wir bewerben hier unsere eigene Marke, das Autohaus Stoppanski, wenn es um das Gesamtunternehmen geht, also zum Beispiel mit Bannerwerbung am Fußballplatz. Markenexklusiv wird geworben, wenn es um die jeweilige Marke und die Produkte geht, etwa in Zeitungsanzeigen zu neuen Modellen.

Sie selbst hatte mit etwa 14 Jahren ihre ersten „Arbeitseinsätze“, durchlief im Laufe der Zeit alle Abteilungen und begann nach der Schule berufsbegleitend ein BWL-Studium in Mannheim. Das bedeutet, sie war wechselweise über zwölf Semester im Autohaus und in der Uni und absolvierte auf diese Weise ein vollständiges, reguläres Studium. „Ich wollte dieses Studium auch als Sicherheit, damit ich eigenständig überlebensfähig bin“, erklärt Stoppanski. Die Diplomarbeit bei VW zum Thema Mobbing und der Studienschwerpunkt Pädagogik helfen ihr im Firmenalltag beim Umgang mit der Belegschaft sehr.

Die Küche zur Kommunikation

In der Tat ist der Umgang mit den Mitarbeitern ein familiärer und verständiger. Der Jury-Rundgang durch das Gesamthaus belegt: Alle Mitarbeiter, die uns begegnen, sind freundlich, die Stimmung ist gut, die Atmosphäre ist angenehm. Das sagt viel über die Geschäftsführung aus. Ein originelles und sehr wirksames Führungsinstrument ist übrigens das alltägliche gemeinsame Frühstück. „Mein 76-jähriger Opa richtet jeden Morgen für die fünf Führungskräfte und mich um 9:30 Uhr den Frühstückstisch. Hier können wir etwa eine Stunde lang die wichtigsten Dinge, die an diesem Tage anstehen, besprechen sowie größere Aktionen“, erklärt Martina Stoppanski. Statt eines kalten Besprechungsraumes wird die Küche zur Kommunikationsplattform, denn „bei uns sind alle Mitarbeiter quasi Familienmitglieder“. Donnerstags ist die Runde sogar zu neunt im erweiterten Führungskreis. „Wir sind ein Team, eine Familie, ein Unternehmen, und beide Marken sind gleich wichtig!“, betont die junge Frau in einem beeindruckenden Mix aus Souveränität, Selbstbewusstsein, Sympathie und Warmherzigkeit.

Seit 2004 ist Martina Stoppanski die Geschäftsführerin der beiden Autohäuser mit den Marken VW Pkw und Nfz sowie Audi. Einen Skoda-Servicevertrag hat sie unlängst abgegeben. Auf dem rund 20 000 m² großen Areal stehen die beiden Betriebe Rücken an Rücken, sodass sich im Back-Office-Bereich viel Synergieeffekte ergeben. Nächster baulicher Schritt ist eine Verlängerung des Audi-Showrooms um zwölf Meter nach vorn, „zur Standarderfüllung“, wie Stoppanski kommentiert.

Unterstützt wird sie in der Geschäftsführung von ihrem Vater Rolf, der sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, um ein Jahr lang seine schwer kranke Frau zu pflegen. Nach ihrem Tod im August dieses Jahres kehrte er zur Unterstützung zurück. „Der Präsident ist wieder an Bord“, kommentierte dies ein Mitarbeiter. Und so erhielt Vater Stoppanski diesen Spitznamen. Tochter Martina trägt folgerichtig den Titel „Kanzlerin“ und lässt sich, wenn nötig, vom Vater beraten. „Er hat das letzte Vetorecht“, betont Tochter Martina, „ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen und wünsche mir, dass er noch lange an meiner Seite ist und mich in der Geschäftsführung begleitet.“

Eigenhändig statt Massenmailing

Gibt es noch andere Dinge im Leben als das Autohaus? „Oh ja, wobei bei mir die work-life-Balance wie ein Zahnrad ineinander greift“, erklärt die 28-jährige Geschäftsführerin. Natürlich gebe es zu Hause auch Gespräche über das Geschäft. Bei Familienurlauben mit Eltern und Großeltern im eigenen spanischen Feriendomizil habe sie sofort Distanz zum Arbeitsalltag. Gleichwohl schaue man sich auch dort gemeinsam Autohäuser an und diskutiere darüber. Wie viel familiäres Herz und automobiles Herzblut in Martina Stoppanski steckt, wird auch an einem kleinen Detail klar. Sie verzichtet auf unpersönliche Massenmailings. Stattdessen schreibt sie Kunden an, die seit zwei Jahren nicht mehr im Hause waren und beschriftet das Couvert eigenhändig. Auch Einladungen zur Modellpräsentationen beschriftet sie von Hand. „Die Zeit ist es mir wert, denn solche Briefe werden immer geöffnet und vom Kunden ganz anders gewertschätzt“, ist sich Stoppanski sicher.

Konsequenterweise ist auch das Thema Reklamation reine Chefinnensache. Dieser sympathische, persönliche Stil zeichnet Martina Stoppanski aus.

Und was bedeutet ihr dieser Junior Award als beste Nachwuchs-Führungskraft des deutsche Kfz-Gewerbes 2007? „Ich widme diese Auszeichnung meiner kürzlich verstorbenen Mutter Margarete. Sie hat darauf hingearbeitet, dass ich mich bewerbe. Sie wollte das und hat mich dabei unterstützt“, sagt die Preisträgerin eindringlich, mit Tränen in den Augen, und freut sich auf ehrlich stolze Weise. Und auch die Jury freut sich über so eine beeindruckende Preisträgerin.?

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