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Die Zukunft der überbetrieblichen Ausbildung

| Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Die überbetrieblichen Unterweisungen sind als dritte Säule neben Betrieb und Berufsschule für die Qualität der dualen Ausbildung unerlässlich. Das verdeutlichte der Kongress „Auto und Ausbildung“.

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(Foto: Arneth)

Das Thema „überbetriebliche Ausbildung“ spielt in der öffentlichen Wahrnehmung nur ein Mauerblümchendasein neben den Ausbildungsorten Betrieb und Berufsschulen. „Unserer Meinung nach ist dies zu Unrecht der Fall“, erklärte der Chefredakteur der Ausbildungsmagazine »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN«, Werner Degen, zur Eröffnung des Kongresses „Auto und Ausbildung“ am 25. Mai in Würzburg. Die große Bedeutung der Bildungszentren unterstrich auch die Schirmherrin der Veranstaltung, ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens: „Alle drei Partner müssen gute Qualität liefern, um die Jugendlichen für eine Ausbildung im Kfz-Gewerbe zu gewinnen.“ Deshalb stand das Ausbilderforum in diesem Jahr ganz im Zeichen der überbetrieblichen Ausbildung.

Doch die drei Partner müssen nicht nur gute Arbeit leisten, sie haben auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das verdeutlichte Prof. Dr. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) den rund 100 Kongressbesuchern in seinem Keynote-Vortrag. Alle, die an der Ausbildung beteiligt sind, müssten sich darauf einstellen, dass infolge des demografischen Wandels das Potenzial an ausbildungswilligen Jugendlichen zurückgehen werde. Während aber die Betriebe nach Heisters Ansicht Mittel und Wege finden werden, ihre Azubistellen zu besetzen, befänden sich die überbetrieblichen Bildungsstätten und die beruflichen Schulen in einer schwierigeren Ausgangsposition: Sie müssten sich neue Betätigungsfelder suchen; unabhängig davon drohe einigen Einrichtungen die Schließung.

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Heister stellte einige Ideen vor, wie sich die überbetrieblichen Bildungszentren in Zukunft breiter aufstellen könnten. So böten Lernortkooperationen die Chance, auf die Schließung einzelner Einrichtungen zu reagieren. Weiterhin bestehe im Bereich des digitalen Lernens noch erheblicher Schulungsbedarf. Auch in den boomenden Markt der dualen Studiengänge könnten sich die Bildungszentren einklinken. Und schließlich spiele die Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Berufsbildung bislang noch kaum eine Rolle.

Von der ÜBL zum Kompetenzzentrum

Siegfried Schulz von der Firma Lucas-Nülle erklärte den Kongressteilnehmern, welche Ausstattung ein gutes Bildungszentrum heute und in Zukunft vorhalten müsse. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, die Theorie und die Praxis eng miteinander zu verknüpfen, um die immer komplexer werdenden Lerninhalte zu vermitteln. Hier könnten insbesondere die neuen Medien helfen, komplizierte Sachverhalte zu veranschaulichen. Darüber hinaus böten Multimediasysteme auch die Möglichkeit, Kenntnisfragen automatisiert auszuwerten, was die Ausbilder entlaste. Weiterhin stellte er Lern-Managementsysteme vor, die es ermöglichen, Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und Bildungszentrum besser als bisher miteinander zu verknüpfen, um die Kooperation der Lernorte künftig zu verbessern.

Der an der Technischen Universität Berlin tätige Bernd Mahrin berichtete von einer Möglichkeit für die Berufsbildungsstätten, ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern: Sie können versuchen, sich zu Kompetenzzentren zu entwickeln. Dazu müssten sie in einem Spezialgebiet ein herausragendes fachliches Know-how entwickeln.

Von entscheidender Bedeutung sei es außerdem, Netzwerke zu bilden, um gemeinsam ein inhaltlich breites Portfolio anbieten zu können. „Ein Kompetenzzentrum bietet alles, was eine ÜBL leistet, und darüber hinaus noch weitere Leistungen wie Monitoring, Networking und Beratung von Betrieben“, fasste Mahrin zusammen.

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