Diess: Volkswagen muss zur Software-Schmiede werden

Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen-Chef Herbert Diess erwartet, dass die digitale Transformation für Autobauer wesentlich härter wird als der Wandel zur Elektromobilität. Warum Volkswagen dennoch auch in Zukunft gute Chancen habe, erfolgreich zu sein, verriet der Manager am Mittwoch in Berlin.

Firmen zum Thema

Volkswagen-Chef Herbert Diess prognostiziert, dass der digitale Wandel die Autoindustrie deutlich stärker fordern wird als etwa die Elektromobilität.
Volkswagen-Chef Herbert Diess prognostiziert, dass der digitale Wandel die Autoindustrie deutlich stärker fordern wird als etwa die Elektromobilität.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen befindet sich im Zeitalter der Transformation. In Sachen Hardware setzt der Hersteller künftig voll auf die Elektro-Karte: Mehrere Werke werden aktuell darauf ausgerichtet, den geplanten großen Aufschlag mit dem ersten ID-Modell im kommenden Jahr sicherstellen zu können. Aus Sicht von Konzernchef Herbert Diess ist die Elektromobilität aber nicht die größte Herausforderung für die Wolfsburger.

„Die nächste Transformation, die digitale, wird härter für uns“, sagte Diess am Mittwoch in Berlin. „Wir entwickeln uns zu einer Software-Firma, wir müssen das tun. Aber das ist ein langer Weg. Unsere Kompetenz in dem Bereich ist noch sehr limitiert. Aber das ändert sich rasant.“ Aus Sicht des Managers wird sich Volkswagen zwangsläufig zu einem „softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter“ wandeln.

Dabei steckt sich das Unternehmen selbst hohe Ziele. „Wir sind in der Hardware-Entwicklung sehr stark. In Zukunft stellt sich uns die Frage: Können wir in der Software-Entwicklung auch so gut werden, wie wir es bei der Hardware sind“, fuhr Diess fort. Für Volkswagen wird Software-Kompetenz immer bedeutender, schließlich will der Hersteller ab dem kommenden Jahr ein digitales Ökosystem aufziehen, um mit seinen Kunden direkter in Kontakt treten zu können.

Auch die Vernetzung der Fahrzeuge spielt künftig eine große Rolle. Der neue VW-Digitalvorstand Christian Senger sagte: „Unser Ziel ist das Kundenerlebnis im und über das eigene Fahrzeug hinaus.“ Dazu gehört auch die Möglichkeit, Fahrzeuge per Software-Update mit zusätzlichen Funktionen zu versehen. Diess sagte dazu: „Software-Updates werden sehr wichtig werden. Wir brauchen neue digitale Funktionen in den Autos. Updates sind ein Muss, aber wir müssen in dem Bereich noch viel lernen.“ Die Frequenz der Updates werde zu Beginn zwar nicht allzu hoch sein, „aber das Thema wird essenziell“, so Diess.

„Volkswagen hat eine gute Chance, auch in Zukunft erfolgreich zu sein“

Um jene Herausforderungen stemmen zu können, arbeitet Volkswagen mit mehreren Partnern zusammen. Prominentester Name dabei ist Microsoft. Der IT-Gigant entwickelt mit dem Autohersteller aktuell gemeinsam die „Volkswagen Automotive Cloud“, die integraler Bestandteil des VW-Ökosystems sein wird. Neben Europa wird jenes Angebot auch in China und den USA verfügbar sein, wie VW am Mittwoch verkündete.

Angst davor, dass Volkswagen zu viel digitale Kompetenz aufbauen und so zu einem Wettbewerber werden könnte, hat man bei Microsoft nicht. CEO Satya Nadella, der am Mittwoch in Berlin gemeinsam mit Diess vor die Presse trat, erklärte, sein Unternehmen stelle eine Plattform zur Verfügung, auf der VW mit seiner eigenen Software-Kompetenz aufsetzen könne. Auch Diess sieht keinen Interessenskonflikt: „Microsoft konkurriert nicht mit uns um die Aufmerksamkeit des Endkunden. Wenn wir bei unseren Kunden erfolgreich sein werden, wird sich das auch für Microsoft auszahlen.“

Gleichzeitig betonte Nadella, selbst nicht im Kernbereich der Autoindustrie aktiv werden zu wollen. „Wir sind kein Autohersteller und auch kein Logistikunternehmen“, sagte er. Für Microsoft sei es dennoch wertvoll, gerade im Hardware-Bereich von der „Old Economy“ zu lernen. „In fünf bis zehn Jahren werden wir nicht mehr über eine Technologie- und eine Autoindustrie sprechen. Jede Firma wird eine Digital-Firma sein“, prognostizierte der Microsoft-Chef.

Die Autoindustrie sieht Nadella dabei vor besonders große Herausforderungen gestellt: „Ich habe in meinem Leben noch nie eine Industrie gesehen, die einen so tiefgreifenden Wandel durchschreitet, wie die Autoindustrie aktuell“, so Nadella. Diess stimmte seinem CEO-Kollegen zu und ergänzte, dass die Transformation eine Menge Geld kosten werde. Zugleich versuchte er, Optimismus zu verbreiten. „Volkswagen hat eine gute Chance, auch in Zukunft erfolgreich zu sein“, sagte Diess.

(ID:45773723)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Entwicklungsredakteur