Auto DM, das Digitalisierungs-Schnellboot der Beresa-Gruppe, bewarb sich um den Automotive Business Award 2026 mit einem KI-gestützten Annahmekonzept für den Fahrzeugservice. Vor allem die erfolgreiche Zubehör-Vermarktung überzeugte die Jury und machte Beresa zum Gewinnerbetrieb.
Das Team von Beresa beziehungsweise Auto DM kann stolz sein – es hat den vielen erfolgreichen Bewerbungen der Handelsgruppe aus Münster ein weiteres Kapitel hinzugefügt.
(Bild: Rosenow – VCG)
Die Beresa-Gruppe, einer der ganz großen Mercedes-Benz-Partner mit Zentrale in Münster, ist regelmäßigen »kfz-betrieb«-Lesern als einer der Vorreiter in Sachen Digitalisierung des Werkstattprozesses bekannt. Auch beim Automotive Business Award sowie beim Vorläuferpreis, dem Service Award, hat sich das Unternehmen regelmäßig sehr gut platziert – etwa mit Gesamtsiegen in den Jahren 2019 und 2021.
Doch in den letzten Jahren verhielten sich die Digitalpioniere aus dem Münsterland auffällig ruhig. Waren die Hausaufgaben mit der Umsetzung des komplett papierlosen Werkstattprozess nun abgearbeitet? Natürlich nicht, schließlich kommt die Digitalisierung nie an ein Ende. Neue Kundenanforderungen müssen beantwortet, neue Technologien integriert werden – von KI war schließlich vor fünf oder sechs Jahren noch keine Rede. Und so war das Unternehmen, oder besser das im Jahr 2015 ausgegründete „digitale Powerhouse“ Auto DM, im Hintergrund weiterhin sehr fleißig.
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Und das Ergebnis ist nun in der Bewerbung zum Automotive Business Award 2026 zu betrachten. In den letzten drei Jahren arbeiteten Beresa und Auto DM an einem volldigitalen Prozess für die Terminvereinbarung und Auftragsqualifizierung. „Unser Ziel war es, die Digitalisierung auf das nächste Level zu heben“, erklärte Florian Schliepen, als Geschäftsführer bei Beresa unter anderem zuständig für die Geschäftsentwicklung. „Außerdem müssen wir unsere neue Rolle als Mehrmarkenhändler abbilden können. Der Kunde soll immer den gleichen Beresa-Service bekommen, unabhängig von der Marke.“ Denn das Unternehmen ist mittlerweile neben Mercedes-Benz auch Hyundai-, Genesis- sowie Ford-Händler, und auch die ehemalige Daimler-Tochter Smart ist längst ein eigenständiges Unternehmen.
Und für die technische Basis ist Auto DM unter der Leitung von Dr. Johannes Spandau zuständig. Das Unternehmen kümmerte sich in den letzten Jahren vermehrt um Grundlagen-Entwicklung, etwa einen „Data Lake“, in dem alle Kundendaten zusammengefasst werden, eine Middleware, von der aus die zahlreichen Software-Systeme und Datenbanken (etwa 80 Stück) sowie die herstellereigenen Systeme angesteuert werden können, mit denen moderne Autohäuser heute zu tun haben. Dazu kamen der Einsatz von KI oder die digitale Unterschrift.
„Wir agieren mittlerweile als Komplexitätsmanager“, fasst Johannes Spandau zusammen. Seine Tätigkeit ist übrigens nicht nur in das Mutterunternehmen hinein gerichtet; ausdrückliches Ziel ist es, branchenübergreifende Lösungen zu entwickeln. Beim aktuellen Thema etwa hat Beresa mit der benachbarten Sternpartner-Gruppe zusammengearbeitet.
Das Projekt, mit dem sich Beresa nun beworben hat, nennt sich „digitale Serviceprozesse mit Verkaufsintelligenz“. Konkret ging es darum, vor allem in Spitzenzeiten wie der Räderwechselsaison, die schlechte telefonische Erreichbarkeit durch einen KI-unterstützten Voicebot zu verbessern und gleichzeitig Upselling zu betreiben. „Mit der Schlange am Counter und den zahlreichen Doppelarbeiten, etwa der erneuten Aufnahme von Daten am Counter, wird der Service vom Umsatz- zum Kostentreiber“, veranschaulicht Johannes Spandau das zu lösende Problem, das zweifellos alle Autohändler kennen. „Wir wollten deshalb alles digital abbilden.“
Dafür nahm sich Spandaus Team die Zeit, eine ganze Reihe von am Markt verfügbaren KI-Chatbots zu prüfen, und entschied sich letztlich für eine Zusammenarbeit mit der Schwarz-Gruppe. Diese kennt man eher aus dem Einzelhandel (Lidl, Kaufland), doch das milliardenschwere Unternehmen ist mittlerweile einer der größten Betreiber von Rechenzentren in Deutschland und verfügt über die Kompetenzen und Kapazitäten, abseits der großen US-amerikanischen Platzhirsche KI-Lösungen für den Mittelstand umzusetzen. Die technische Basis für den Chatbot wiederum lieferte Cognigy – ein Big Player, der selbst für einen großen Mittelständler wie Beresa ohne die Kooperation mit Schwarz kaum zur Verfügung gestanden hätte.
Ziel war es, einen End-to-End-Prozess zu schaffen, wie es Johannes Spandau nennt. Es sollten also keine manuellen Nacharbeiten mehr nötig sein – sprich: Niemand sollte den Kunden anrufen müssen, dass sein per Voicebot vereinbarter Termin auch tatsächlich gebucht ist.
Stand: 08.12.2025
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Und nach den Erfahrungen, die Beresa seit April 2025 mit dem System gemacht hat, scheint das funktioniert zu haben. Das zeigen die Zahlen, die Spandau der Jury bei ihrem Besuch präsentierte. Insgesamt gingen in dieser Zeit rund 6.400 Calls ein, von denen 2.140 in einem Termin resultierten – eine Quote von 33 Prozent. Das Unternehmen hatte mit 20 bis 25 Prozent gerechnet. Die Latenz, also die Wartezeit zwischen der Frage des Kunden und der Antwort des Systems, lag im Durchschnitt bei 0,4 Sekunden – ein sehr guter Wert, der kaum Unterschiede zu einem natürlichen Gespräch erkennen lässt.
Und was ist mit den anderen 67 Prozent? Nun, hier sind auch diejenigen Anrufer eingerechnet, die zu Beginn des Gesprächs direkt mit einem menschlichen Ansprechpartner reden wollten, also gar nicht in den KI-Prozess einstiegen.
Nicht ganz unwichtig sind auch die immanenten Vorteile des Voicebots: Er ist 24 Stunden jeden Tag erreichbar, wird nie krank, kennt keine Tagesform, und die Kosten sind im Vergleich zu einem menschlichen Ansprechpartner gering. Johannes Spandau beziffert sie auf weniger als einen Euro pro Terminvereinbarung – bei einem Callcenter müsse man mit fünf bis sechs Euro rechnen.
KI vermarktet Zusatzangebote erfolgreich
Doch die digitale Terminvereinbarung spart nicht nur Geld, sondern sie erwirtschaftet auch welches. Denn in den programmierten Gesprächsverlauf lassen sich Zusatzangebote einbauen – etwas das Auswuchten der Räder, neue Wischerblätter und so weiter. Und den Erfolg dieser Angebote konnte man bei Beresa selbst kaum glauben: Nicht weniger als 95 Prozent der Kunden buchten das Räderwuchten, 66 Prozent Scheibenreiniger und 35 Prozent neue Wischerblätter – eine unglaubliche Quote im Vergleich zur traditionellen Vermarktung, wo die Take Rate vielleicht im einstelligen Bereich liegt.
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Geld spart auch die digitale Auftragsbestätigung, der sogenannte Home-Check-in. Hier bekommt der Kunde 48 Stunden vor Termin einen Link zugeschickt, in der er den Auftrag und die gebuchten Zusatzleistungen bestätigen, wenn nötig die Datennutzungs-Einwilligung erklären und seine Kontaktdaten pflegen kann. Bei der Fahrzeugannahme ist dann nur noch die Schlüsselübergabe nötig – am Counter oder am Serviceterminal.
Das Projekt seines digitalen Serviceprozesses hat Beresa nun also erfolgreich umgesetzt – und erhält dafür die verdiente Würdigung als Gewinnerbetrieb beim Automotive Business Award 2026.
Und kehrt nun wieder ein paar Jahre Ruhe ein bei den Münsterländern und ihrer Digitalsparte Auto DM? Das ist nicht zu befürchten. Dann der Start des gruppeneigenen Kundenportals, das natürlich mit dem Voicebot vernetzt sein wird, steht vor der Tür. Und dann arbeitet das Team um Johannes Spandau noch daran, die KI auch in die Werkstatt zu holen. Doch das sind dann Themen für die nächste Bewerbung.
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