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E-Fuels und Wasserstoff: Wirtschaft läuft gegen Umweltministerin Schulze Sturm

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Ein Entwurf des Bundesumweltministeriums zum Einsatz erneuerbarer Energien im Verkehrssektor löst bei Wirtschaftsverbänden Empörung aus. Der Vorwurf: Ministerin Svenja Schulze und ihr Team gefährdeten den Auf- und Ausbau von Wasserstoff und anderen E-Fuels – und setzten damit „hundertausende“ Arbeitsplätze aufs Spiel.

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze steht in der Kritik verschiedener Wirtschaftsverbände.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze steht in der Kritik verschiedener Wirtschaftsverbände.
(Bild: © Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Mit Blick auf den künftigen Einsatz alternativer Kraftstoffe im Verkehr haben Wirtschaftsverbände den Kurs von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) attackiert. Die Ministerin gefährde den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Nur mit synthetischen Kraftstoffen seien eine Verkehrswende und das Erreichen der EU-Klimaziele möglich. Dabei geht es um Kraftstoffe, die mit Strom hergestellt werden.

„Die Verbände befürchten zudem, dass das Umweltministerium mit seinem Entwurf hunderttausende Arbeitsplätze ebenso gefährdet wie den geplanten Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft“, heißt es in der Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie, des Maschinenbauverbands VDMA, des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbands sowie des Mineralölwirtschaftsverbands.

Hintergrund ist ein Referentenentwurf aus dem Umweltministerium zur Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energie-Richtlinie in Deutschland. Dabei geht es um Mindestmengen an erneuerbaren Energien für den Verkehrssektor. Den Verbänden reichen die Pläne für strombasierte Kraftstoffe bei Weitem nicht aus.

Der Entwurf müsse vollständig überarbeitet werden, forderten sie: „Der Gesetzesvorschlag schafft weder die Rahmenbedingungen für den Markthochlauf einer deutschen Wasserstoffwirtschaft, noch führt er zu zusätzlichen CO2-Einsparungen im Verkehr.“ Bei der bestehenden Flotte mit Verbrennungsmotoren könne nur mit Einsatz sogenannter E-Fuels eine schnell wirksame CO2-Reduzierung erreicht werden.

„Wir brauchen E-Fuels und Wasserstoff“

VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte laut Mitteilung: „Wir brauchen E-Fuels und Wasserstoff aus nachhaltigen Energiequellen, um auch bei den Millionen Pkw im Bestand die Klimaziele zu erreichen.“ Es werde auch neue, sparsame Pkw und Lkw mit Verbrennungsmotor geben. „Daher ist auch die Forschung und Entwicklung klimafreundlicher Antriebe mit synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff wesentlich.“

Dass Wasserstoff als Energieträger für den Klimaschutz wichtig ist, ist Konsens – der Einsatz strombasierter Kraftstoffe in Pkw ist aber umstritten. Bisher ist es deutlich effizienter, den Strom in batteriebetriebenen Autos direkt einzusetzen. So sieht man es auch im Bundesumweltministerium. Strombasierte Kraftstoffe seien etwa im Flugverkehr unverzichtbar, dort will Ministerin Svenja Schulze (SPD) sogar eine feste, ansteigende Quote für E-Fuels. Auch im Seeverkehr sowie teils beim Nutz- und Schwerlastfahrzeugen hält das Ministerium E-Fuels für notwendig – im Pkw-Bereich dagegen weniger.

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