Einstündige Wutrede: Ghosn sah sich als „Geisel“ Japans

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Ghosn beklagt auch die aus seiner Sicht unmenschlichen Haftbedinungen in Japan. Er spricht von langer Einzelhaft, während der er seine Frau kaum habe sehen dürfen. Nur 30 Minuten am Tag durfte er demnach an die frische Luft. Duschen sei nur zweimal in der Woche erlaubt gewesen. Dazu stundenlange Befragungen ohne Anwalt.

Der Fall Carlos Ghosn gehört weltweit zu den spektakulärsten der Wirtschaftswelt. Einst feierten sie ihn in Japan als Helden. In der Autobranche als „Kostenkiller“ ebenso gefürchtet wie geachtet, wurde Ghosn im Land der aufgehenden Sonne sogar zum Star in einem Manga-Comic. Eine seltene Ehre in dem asiatischen Inselreich, zumal für einen Ausländer. 1999 managte der gebürtige Brasilianer den Einstieg des französischen Renault-Konzerns beim japanischen Hersteller Nissan, der damals am Abgrund stand. Ghosn schaffte die Sanierung, aus Nissan wurde Dank Ghosn eine Erfolgsgeschichte.

In die bis dato beispiellose Auto-Allianz wurde dann auch Mitsubishi eingebunden. Nissan oder Mitsubishi, da ist sich manch Branchenkenner sicher, gäbe es ohne Renault wohl nicht mehr. Fast zwei Jahrzehnte lang lenkte der schillernde Manager-Titan das Bündnis, das Ghosn zum zwischenzeitlich zweitgrößten Autobauer der Welt formte. In den vergangenen Jahren lief es bei Nissan allerdings nicht mehr ganz so erfolgreich. Nissan bekam unter anderem Probleme in den USA.

Ghosns tiefer Sturz kam plötzlich

Dann plötzlich der tiefe Sturz: Ende 2018 wurde Ghosn völlig ahnungslos nach seiner Ankunft in Tokio noch auf dem Flughafen festgenommen. Der Vorwurf: Ghosn soll gegen japanische Börsenauflagen verstoßen haben. Über Jahre hinweg soll nur die Hälfte seines Einkommens offiziell ausgewiesen worden sein. Zudem soll Ghosn private Investitionsverluste auf Nissan abgewälzt haben. Er wurde angeklagt und verschwand monatelang in Untersuchungshaft.

Ghosn verliert in der Haft deutlich an Gewicht. Japans Staatsanwälte erheben immer neue Anklagepunkte gegen ihn. Mit dieser in dem Land üblichen Taktik, so die Verteidigung, sollte er unter Druck gesetzt werden, bis er ein Geständnis unterzeichnet.

Am Donnerstag soll Ghosn vom libanesischen Generalstaatsanwalt befragt werden. Dabei gehe es unter anderem um den Fahndungsaufruf der internationalen Polizeibehörde Interpol und Japans Ersuchen, ihn zu verhaften, hieß es aus Justizkreisen in Beirut.

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