Entgegen Importeursaussage: Neue Verträge für Seat-Händler

Autor: Andreas Grimm

Noch im Oktober 2017 hatte Seat Deutschland auf bestehende Verträge mit den Vertriebspartnern verwiesen. Allerdings ohne die Dauer zu konkretisieren. Nun scheint der Bestandschutz abzulaufen, denn Vertriebsvorstand Wayne Griffiths hat ganz beiläufig neue Verträge angekündigt.

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(Bild: Achter / »kfz-betrieb«)

Die Seat-Partner bekommen neue Verträge. Das kündigte Seat-Vertriebsvorstand Wayne Griffiths auf einer internationalen Händlertagung am Donnerstag in Berlin an. Mit näheren Informationen hielt er sich allerdings nach Aussagen anwesender Händler zurück. Mehr als ein halbe Minute sei ihm die Neuigkeit nicht wert gewesen.

Entsprechend dünn sind die bisher vorliegenden Informationen. Selbst der Händlerverband weiß bislang nichts Näheres, außer dass die neuen Verträge zum November 2020 in Kraft treten sollen. Ob es sich um eine Änderungskündigung oder eine komplette Netzkündigung handelt, ist noch völlig unklar. Vorabinformationen hatte es nicht gegeben, auf der Tagung selbst habe man nach der Ankündigung Deutschland-Chef Bernhard Bauer nicht erreichen können, hieß es vom Verband. Seat Deutschland selbst legt allerdings Wert auf die Aussage, dass Bernhard Bauer „den ganzen Abend ansprechbar für jedermann war und mit sehr vielen Händlern Gespräche geführt hat“ (Anmerkung: Die Reaktion von Seat hat die Redaktion erst am späten Freitagabend nach Redaktionsschluss erreicht).

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Vor nicht einmal einem Jahr, im Oktober 2017, hatte Bauer auf einer Händlertagung in Leipzig von sich aus erklärt, dass die Vertriebsverträge nicht gekündigt werden. Langfristig wollte sich der Importeur schon damals auf Nachfrage von »kfz-betrieb« allerdings nicht festlegen. Die Nachricht hatte im Seat-Netz aber zunächst für Erleichterung gesorgt, schließlich war kurz zuvor bekannt geworden, dass die deutschen Skoda-Verträge gekündigt werden. Übrigens hatte Skoda-Vertriebsvorstand Alain Favey die Veränderung ebenfalls eher beiläufig erwähnt.

Der noch gültige Seat-Händlervertrag stammt aus dem Jahr 2003. Da er aber in einigen Punkten weiter gefasst ist als die Verträge von Skoda, VW und Audi, die ja inzwischen alle gekündigt wurden, hatten die Seat-Partner bislang die Hoffnung, dass ein neues Vertragswerk unnötig sei und stattdessen Zusatzvereinbarungen genügen könnten.

Seat-Pläne ähneln VW-Zukunft

Allerdings scheinen die Pläne von Seat-Vertriebsvorstand Wayne Griffiths ähnlich tiefgreifend zu sein wie sie VW und Audi planen. Knapp begründete er die Notwendigkeit neuer Verträge mit Aspekten wie Flashen over the air, Functions on Demand sowie allgemeiner die bekannten Trendthemen Digitalisierung und Elektromobilität – Veränderungen, wie sie auch Kern der Verhandlungen der anderen Konzernmarken sind. Und die zumindest bei VW und Audi zur Netzverkleinerung führen werden.

Wie das deutsche Netz in Zukunft aussieht, wird angesichts der neuen Entwicklung zentrales Thema der regelmäßig geführten Gespräche zwischen Händlerverband und Importeur werden. Dies sicher auch vor dem Hintergrund, dass viele deutsche Seat-Partner seit 2016 kräftig in den Netzausbau und ihre Standorte investieren.

Der auf der Händlertagung in Berlin mit gut 800 Teilnehmern – Händler aus Spanien, Portugal, der Schweiz, Deutschland und Marokko – gewährte Blick über den Tellerrand dürfte kaum beruhigen. In Norwegen verkauft Seat seine Fahrzeuge im Direktvertrieb. Die Kunden bestellen beim Importeur und wählen einen Händler zur Abholung aus, der dann auch VW-Partner sein kann.

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«