Suchen

Fahrzeugrestaurator: Läuft wie ein Schweizer Uhrwerk

| Autor: Steffen Dominsky

2015 starteten die Eidgenossen ihr Konzept in Sachen künftige Fachkräfte für Oldtimerfachbetriebe. Und das scheint voll aufzugehen. Erst kürzlich erhielten zehn frischgebackene Fahrzeugrestauratoren ihre „Fachausweise“.

Die Schweizer Interessengemeinschaft Fahrzeugrestaurator bildet erfolgreich Menschen für das Oldtimerhandwerk aus.
Die Schweizer Interessengemeinschaft Fahrzeugrestaurator bildet erfolgreich Menschen für das Oldtimerhandwerk aus.
(Bild: IgF)

Nicht nur in Sachen analoge Zeitmesser haben die Schweizer bekanntlich ein handwerklich „gutes Händchen“. Auch in minimal grobschlächtigeren Bereichen, namentlich dem Fahrzeugbau bzw. der Fahrzeuginstandsetzung/-restaurierung, haben sich unsere eidgenössischen Nachbarn Know-how und Reputation über ihre Landesgrenzen hinaus erarbeitet. Damit das auch künftig das Wissen über historische Automobiltechnik nicht von den „alten Meistern“ mit ins Grab genommen wird, haben sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen.

2009 entstand in dem ehemaligen Schweizer Oldtimerverband Fédération Suisse des Vehicules Anciens (heute Swiss Historic Vehicle Federation SHVF) die Idee, in der Schweiz einen Fachverband und das offizielle Berufsbild „Fahrzeugrestauratorin / Fahrzeugrestaurator“ ins Leben zu rufen. Zwei Jahre später gründete man dazu die Interessengemeinschaft Fahrzeugrestauratoren Schweiz (IgFS). Sie fungiert als unabhängige Vereinigung für Restauratoren sämtlicher Arten historischer Fahrzeuge und die entsprechenden Zulieferer. So entstand ein international einmaliges Netzwerk mit inzwischen 71 Mitgliedern. In diesem tauschen sich professionelle Spezialisten und Allrounder gleichermaßen aus und unterstützen sich gegenseitig.

Unterschiedliche Fachrichtungen und Zusatzqualifikationen möglich

Im November 2015 startete der erste Lehrgang zum Fahrzeugrestaurator in der Fachrichtung Mechanik/Elektrik, ein weiterer Lehrgang im Bereich Karosserie folgte. Zusätzliche Ausbildungsgänge in den Feldern Lackierung und Polsterei/Innenausstattung befinden sich in Vorbereitung. Im Gegensatz zu anderen Kursmodellen (etwa in Großbritannien oder Deutschland) steht am Ende dieser Lehrgänge eine staatlich anerkannte Berufsprüfung und der Eidgenössische Fachausweis als Fahrzeugrestauratorin/Fahrzeugrestaurator. Die erste Berufsprüfung mit 14 Kandidaten fand im Januar 2018 statt, die Absolventen dürfen seitdem den begehrten Berufstitel „Fahrzeugrestauratorin/Fahrzeugrestaurator“ mit eidgenössischem Fachausweis tragen.

Vor wenigen Wochen erhielten weitere zehn Absolventen des zweijährigen Teilzeitkurses ihre begehrten Auszeichnungen bzw. „Fachausweise“. Während acht von ihnen diese nun in der Fachrichtung „Automobiltechnik“ erworben haben, gab es mit Bruno Buchwalder und Christian Zbinden erstmals auch zwei Kandidaten der Fachrichtung „Carosseriespenglerei“, die die anspruchsvolle Zusatzqualifikation erworben haben. Das bislang einmalige Konzept eines staatlich anerkannten Modells für den Fachkräftenachwuchs in Sachen Oldtimer wurde jetzt zudem für den FIVA Culture Award vorgeschlagen. Der Oldtimerweltverband zeichnet im Rahmen dieses Awards unter anderem herausragendes Engagement im Bereich Bildung/Schulung aus. Die Preisträger sollen Ende Oktober bekannt gegeben werden. Weitere Informationen und die Vorgaben für eine Teilnahme am Ausbildungsprogramm zum Schweizer Fahrzeugrestaurator finden Sie unter www.fahrzeugrestaurator.ch.

(ID:45978671)

Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group