FCD-Praxistipp: Eigendiagnose „out of order“

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Einen speziellen Diagnosefall haben die Experten von FCD auf den Tisch bekommen: Die Bordelektronik eines VW Touareg, der zeitweise in den Notlauf ging, schickte die Werkstatt auf die falsche Fährte.

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Auch dieses Mal kam FCD einem mechanischen Defekt – hier am Turbo – mittels Datenrekorder auf die Schliche.
Auch dieses Mal kam FCD einem mechanischen Defekt – hier am Turbo – mittels Datenrekorder auf die Schliche.
(Foto: FCD)

Wieder einmal schickte eine Werkstatt ein Fahrzeug, genauer gesagt einen VW Touareg 3,0 TDI; zu den Diagnoseexperten von FCD, nachdem sie mit ihrem Latein am Ende waren und der Fahrzeughalter bereits etliche Euros, unter anderem für ein neues Turbolader-Steuergerät, bezahlt hatte. Der große Volkswagen-SUV mit 169.313 Kilometern Laufleistung auf der Uhr ging zeitweise in den Notlauf. Eine OBD-Fehlerspeicherabfrage spuckte folgende Meldung aus: „013128 – Ansteuerung Steuereinheit für Abgasturbolader 1 (J724) P3348 – 004 – elektr. Fehler“.

Ein Mitschnitt mit dem Diagnosetester im Zuge einer Probefahrt brachte zudem folgende Live-Daten zu Tage:
Fehlerstatus: 01100100,
Fehlerpriorität: 0,
Fehlerhäufigkeit: 4,
Drehzahl: 2.205 min-1,
Drehmoment: 553,8 Nm,
Geschwindigkeit: 72,8 km/h,
Temperatur: 38,7 °C,
Tastverhältnis Soll-Wert: 53,7 %,
Spannung: 14,21 V,
Tastverhältnis Ist-Wert: 12,6 %,
Readiness: 0 0 1 1 1

Für den Fachmann wichtig zu wissen: Die Turbolader-Steuereinheit arbeitet elektrisch, hat eine Steuerungselektronik und verfügt über eine eigene Eigendiagnose, die laut Hersteller sogar die Fehlerart erkennt und dem Motorsteuergerät meldet. Da die Fehlermeldung einen nach wie vor sporadischen Fehler meldete, sind die FCD-Experten zuerst dem Hersteller-Fehlercode gefolgt.

Auf die falsche Fährte „gelockt“

Als wissenswerte Ergänzung folgend eine Aufschlüsselung der Zusatzinformation am Ende des Hersteller-Fehlercodes (hier die „004“):
001 – oberer Grenzwert überschritten,
002 – unterer Grenzwert unterschritten,
003 – mechanischer Fehler,
004 – kein Signal – keine Kommunikation,
005 – keine oder unkorrekte Grundeinstellung/Anpassung,
006 – Kurzschluss nach Plus,
007 – Kurzschluss nach Masse,
008 – unplausibles Signal,
009 – Unterbrechung/Kurzschluss nach Masse,
010 – Kurzschluss nach Plus,
011 – Unterbrechung,
012 – elektrischer Fehler im Stromkreis,
013 – Fehlerspeicher einlesen,
014 – defekt,
015 – kann nicht getestet werden.

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Aus diesem Grund hatte die Werkstatt bereits auch die Turbolader-Steuereinheit gewechselt. Die Vermutung des FCD-Teams ging in die Richtung einer fehlenden Grundeinstellung, die man nach dem Einbau einer neuen Turbolader-Steureinheit durchgeführt werden muss, obwohl dann die Zusatzzahl „005“, und nicht „004“ angezeigt worden sein müsste. Bei der Grundeinstellung werden mit dem Original-Diagnosegerät VAS 6395 die Endpositionen abgetastet und als Grundeinstellung der gepaarten Teile gespeichert. Gesagt, getan, doch der Fehler trat auch nach der Anpassungsprozedur während einer längeren Fahrt immer wieder sporadisch auf.

Das ganze deutete auf eine fehlende Kommunikation hin, wofür entweder die Kommunikationsleitung oder das Motorsteuergerät in Frage gekommen wäre. Um weiteres sinnloses Bauteiletauschen zu vermeiden, haben die Diagnoseprofis eine Langzeitaufnahme mit dem Signalrecorder „Texvik“ gemacht. Und siehe da: Die Vermutung, dass mit der Turboladersteuerung mechanisch etwas nicht stimmt, hat sich im Oszillogramm bestätigt.

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