Fintyre-Pleite weitet sich zu Großinsolvenz aus

Mehr als 1.300 Mitarbeiter sind betroffen

| Autor: Jan Rosenow/dpa

Zu den von der Insolvenz betroffenen Fintyre-Standorten gehört auch ABS Autoservice in Stuttgart.
Zu den von der Insolvenz betroffenen Fintyre-Standorten gehört auch ABS Autoservice in Stuttgart. (Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Zahlreiche Tochtergesellschaften des europaweit agierenden Reifengroßhändlers Fintyre Group haben Insolvenz angemeldet. Nach Angaben des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom Mittwoch wurden entsprechende Anträge für 16 Gesellschaften gestellt. Der Konzern hatte nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ zuletzt noch rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Miguel Grosser aus der Kanzlei Jaffé nannte auf Anfrage der DPA Überschuldung als einen der Gründe für die finanzielle Schieflage. Betroffen seien mehr als 1.300 Beschäftigte.

Laut der „Wirtschaftswoche“ geht aus der Gerichtsveröffentlichung hervor, dass unter den zuletzt insolvent gemeldeten Betrieben Tyre 1, Reifen 24, RS Exklusiv, Secura, SW Reifenhandel, Tyre-Xpert sowie Reiff Reifen und Autotechnik sind. Die einzelnen Verfahren laufen als Gruppeninsolvenz. Das ermögliche eine schnellere und leichtere Abstimmung, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Die Arbeit des Insolvenzverwalters Grosser könnte sich jedoch schwierig gestalten: Laut dem Bericht hat es offenbar bereits im Vorfeld Berichte über Probleme im Controlling und in der Buchhaltung des Unternehmens gegeben.

Geschäftsbetrieb bei Reiff ruht

Bei der größten betroffenen deutschen Tochter Reiff Reifen und Autotechnik ruht laut „Stuttgarter Zeitung“ vorerst der Geschäftsbetrieb.

Reiff war erst im Jahr 2017 von Bain Capital erworben und der damaligen European Tyres Distribution zugeschlagen worden.

Das Unternehmen ist im Groß- und Einzel- sowie im Onlinehandel aktiv und verfügt über 4 Auslieferungslager und 46 Einzelhandelsbetriebe. Im letzten Geschäftsjahr 2016 erzielte Reiff Reifen und Autotechnik rund 340 Millionen Euro Umsatz. Zu den Marken des Unternehmens gehören Reiff Reifen und Autotechnik, A/B/S Autoservice, Netto Reifen-Räder-Discount, Tyre 1 und Reifendiscount.de.

Hunderte Reiff-Mitarbeiter betroffen

Von der Insolvenz betroffen sind allein bei Reiff rund 500 Mitarbeiter vor allem in Baden-Württemberg. Laut einem Bericht von „Reifenpresse.de“ hätte es durchaus Interessenten für eine Übernahme von Reiff gegeben. In den letzten Jahren waren immer wieder Großhändler und Handelsketten von der Reifenindustrie aufgekauft worden. Fintyre allerdings wollte seine deutschen Tochterunternehmen angeblich nur im Verbund abgeben.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Fintyre-Tochter Reifen Krieg GmbH in Neuhof bei Fulda Zahlungsunfähigkeit gemeldet.

Reifenriese Fintyre schickt Reifen Krieg in die Insolvenz

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07.02.20 - Dem in den letzten Jahren schnell gewachsenen europäischen Reifengroßhändler geht das Geld aus. Bei der ersten seiner deutschen Töchter klingelte am 7. Februar der Insolvenzverwalter. lesen

Die Fintyre Group mit Sitz in London gehört der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital. Das Unternehmen hatte offenbar versucht, mit einer aggressiven Wachstumsstrategie zum größten herstellerunabhängigen Reifenhändler Europas aufzusteigen. 2017 übernahm Bain Capital zunächst die Reifenhändler Fintyre und Reiff Tyre, im Jahr 2018 dann die Reifen-Krieg-Gruppe und 2019 RS Exclusiv sowie Tyre-Xpert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 1.500 Mitarbeiter, davon über 1.000 in Deutschland.

Aktuell leiden vor allem die zahlreichen Mitarbeiter unter der Großinsolvenz des Unternehmens. Aber auch für die (Waren-)Kreditgeber und Investoren könnte die Pleite noch teuer werden. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ kann man wohl von dreistelligen Millionenbeträgen ausgehen.

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