Lieferengpässe auch im Remarketing Gebrauchtwagen bis zu 15 Prozent teurer

Autor: Silvia Lulei

Wegen der Lieferengpässe bei Neuwagen fehlen den Autovermietern in Deutschland 75.000 Fahrzeuge. In der Folge werden die Mietwagen länger eingesetzt und fallen als frische B2B-Ware aus. Jens Hilgerloh, Präsident des Autovermieter-Bundesverbands, analysiert die Marktlage.

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Jens Hilgerloh, Vorstand der Starcar Europa Service Group und Präsident des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands, zeichnet ein düsteres Bild für die nahe Zukunft: Die Autovermieter leiden unter den Lieferengpässen und werden höhere interne Kosten in Form von Preiserhöhungen weitergeben müssen.
Jens Hilgerloh, Vorstand der Starcar Europa Service Group und Präsident des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands, zeichnet ein düsteres Bild für die nahe Zukunft: Die Autovermieter leiden unter den Lieferengpässen und werden höhere interne Kosten in Form von Preiserhöhungen weitergeben müssen.
(Bild: Starcar Europa Service Group)

Redaktion: Herr Hilgerloh, Sie sind Präsident des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands und rechnen aufgrund der Lieferengpässe mit 75.000 fehlenden Fahrzeugen für die Autovermietung. Wo werden die größten Engpässe entstehen?

Jens Hilgerloh: Die Engpässe betreffen alle Bereiche der Mobilitätsbranche – von Kurz- bis Langzeitmieten und vom Touristikgeschäft an Flughäfen und Bahnhöfen bis hin zu Downtown-Stationen und dem Transportergeschäft.

Wie reagieren die Autovermieter auf die Lieferschwierigkeiten?

Wir schauen in alle Richtungen, um dem Mobilitätsbedarf der Kunden gerecht zu werden. Wir wollen niemanden hängen lassen, der sich in seinem Alltag auf uns Autovermieter verlässt. Wir prüfen gerade mehrere Ansätze. Dazu zählt etwa ein längerer Einsatz der Mietfahrzeuge oder die Nutzung von jungen Gebrauchtwagen. Elektrofahrzeuge scheinen aktuell noch einigermaßen lieferbar zu sein, daher ist unsere Elektrifizierungsquote bereits in einen zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Rechnen Sie mit einem Preisanstieg in der Autovermieterbranche?

Ja, den wird es geben. Die deutlich gestiegenen Einkaufspreise sind dabei ein entscheidender Faktor. Zudem müssen wir mit deutlich weniger Fahrzeugen unsere Fixkosten decken, sodass Preiserhöhungen aufgrund unseres margenschwachen Geschäfts überlebensnotwendig sind. Man kann die Situation sehr gut mit dem Baugewerbe vergleichen. Dem Handwerk bleibt – genau wie uns – nichts anderes übrig, als die Auswirkungen der Rohstoffverknappung und Preiserhöhungen weiterzugeben.

Wie hoch wird die Preiserhöhung ausfallen?

Das ist schwer vorherzusagen, da keiner weiß, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird. Die Hersteller machen uns wenig Hoffnung auf eine zeitnahe Erholung.

Mietwagenrückläufer sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine gefragte Ware. Wie wird sich die aktuelle Situation auf das Remarketinggeschäft auswirken?

Der Gebrauchtwagenmarkt ist wegen des geringeren Zulaufs aus dem Flottenbereich und dem Leasing ohnehin schon von einer Preissteigerung geprägt. Denn auch in diesen Bereichen werden die Fahrzeuge gegenwärtig länger eingesetzt oder mit einem geringeren Volumen eingesteuert. Zudem suchen vermehrt die typischen Neuwagenkäufer aufgrund der Lieferengpässe Alternativen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Alles in allem rechne ich mit einem Anstieg der Gebrauchtwagenpreise von bis zu 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Europa Service Group hat erst vor einem Jahr das Starcar Outlet in Monheim eröffnet, um Mietwagenrückläufer selbst zu vermarkten. Wie laufen die Geschäfte da?

Das Starcar Outlet war kurz nach der Eröffnung genauso vom Lockdown betroffen wie der Rest der Branche. In dieser Situation war das ein harter Marktstart. Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass der Verkauf der Ex-Rentals in Monheim gut angelaufen ist und wir auch von höheren Gebrauchtwagenpreisen profitieren konnten. Gegenwärtig ist der Rücklauf der Fahrzeuge aus der Vermietung nicht so wie geplant. Dadurch stehen auch weniger Fahrzeuge als gedacht zur Verfügung. Entsprechend rückläufig sind die B2B-Verkäufe, weil das Endkundengeschäft Vorrang hat.

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Über den Autor

 Silvia Lulei

Silvia Lulei

Fachredakteurin Kfz-Gewerbe, Vogel Communications Group