Gegen den Trend: BMW legt besten Monat aller Zeiten hin

Münchner rücken an Mercedes heran

| Autor: Christoph Seyerlein

Insbesondere SUV-Modelle wie der BMW X2 waren zuletzt stark gefragt.
Insbesondere SUV-Modelle wie der BMW X2 waren zuletzt stark gefragt. (Bild: BMW)

Während in der Autobranche derzeit allgemein fast überall Katerstimmung herrscht, kann BMW auf einen erfolgreichen März zurückblicken. Mit 263.319 Neuwagen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce lieferte der Hersteller mehr Autos aus als jemals zuvor in einem Einzelmonat. Im Vergleich zum Vorjahr steigerten sich die Münchner um 2,8 Prozent, auch im Gesamtjahr liegen sie nach dem ersten Quartal 2019 mit 605.333 Einheiten nun ganz knapp über dem Niveau aus 2018 (+0,1 %).

Gut lief es im März vor allem für die Kernmarke BMW. Sie wuchs im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 221.631 Auslieferungen um 3,7 Prozent. Damit rückten die Münchner zudem sehr nahe an Premium-Konkurrent Mercedes heran, zu einem Überholmanöver reichte es aber nicht ganz. Die Stuttgarter schnitten im März zwar schwächer ab als im Vorjahr, blieben mit 227.644 Einheiten aber knapp auf Platz eins. Der dritte deutsche Premiumhersteller im Bunde, Audi, konnte seine Absatzzahlen zwar stabilisieren, blieb mit 182.750 abgesetzten Neuwagen aber erneut ein gutes Stück hinter dem Wettbewerb zurück.

Für Mini lief es im März dagegen weniger gut. Die Marke büßte mit 41.175 Auslieferungen 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Rolls Royce lieferte mit 513 Neuwagen deutlich mehr Autos aus als vor Jahresfrist (+53,1 %). Und auch BMWs Motorradsparte konnte zulegen (18.931 Einheiten, +9,9 %).

Der Blick auf die einzelnen Absatzregionen zeigt, dass die BMW Group im März besonders in China ein starkes Wachstum hinlegte (+12,5 %) – und das, obwohl der Gesamtmarkt dort derzeit stark unter Druck steht. In Europa legte der Hersteller um 3,1 Prozent zu und konnte dabei einen schwächeren Monat auf dem Heimatmarkt Deutschland (-4,4 %) abfangen. In den USA erreichten die Münchner ein leichtes Plus von 0,4 Prozent.

Neuer 3er startet stark

BMW-Markenchef Pieter Nota, der seit dem 1. April auch die Verantwortung für Mini und Rolls Royce trägt, führte die guten Zahlen im März unter anderem auf einen „starken Start“ der neuen BMW 3er-Reihe zurück. Von seinem Bestseller setzte der Hersteller im vergangenen Monat 30.204 Einheiten ab (+10,8 %). Ansonsten konnten die Münchner vor allem dank ihrer SUV-Familie zulegen. Die BMW-Modelle X2, X3 und X4 erzielten allesamt im März zweistellige Zuwachsraten.

Auch die Verkaufszahl elektrifizierter Modelle konnte BMW hochschrauben. Von ihnen gingen im vergangenen Monat 12.068 Neuwagen an Kunden (+2,1 %). Der BMW i3 hat nach Angaben des Herstellers das beste Quartal seiner Geschichte hinter sich. In den ersten drei Monaten lieferte BMW 9.227 Einheiten des Stromers aus, 16,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2019 will Nota ein „nachhaltiges, profitables Wachstum“ erreichen.

Potenziell gefährden könnte jenes Vorhaben das Hickhack um den Brexit. BMW ist mit seinen vier Auto- und Motorenwerken in England nach eigener Darstellung besonders betroffen. Weil die anhaltende Unsicherheit die Geschäftsentwicklung belaste, appellierte BMW am Donnerstag „nachdrücklich an alle Beteiligten“, die dringend benötigte Planungssicherheit zu schaffen und den reibungslosen Handel zu erhalten. Als wichtiger Arbeitgeber, Investor und Exporteur bleibe BMW dem Vereinigten Königreich verpflichtet und bereite sich auf verschiedene Brexit-Szenarien vor, sagte eine Sprecherin.

„Ein scheibchenweise verschobener Starttermin wäre für uns kein gutes Szenario“, hatte Einkaufsvorstand Andreas Wendt schon im Februar vergeblich gewarnt. BMW hatte sich auf den EU-Austritt Londons am 29. März vorbereitet, Lager und sogar ein Transportflugzeug angemietet und die jährliche Wartung in seinen englischen Werken von Juli auf April vorgezogen.

BMW baut in England den Mini, den Rolls-Royce und Motoren auch für BMW-Autos. Umgekehrt werden Karosserien, Motoren und andere Bauteile für Mini und Rolls-Royce aus der EU zugeliefert. Bei einem harten Brexit würden für Autos sofort 10 Prozent, für Bauteile 4,5 Prozent Zoll fällig. BMW hat im vergangenen Jahr fast jedes zehnte Auto auf der Insel verkauft – 238.000 Stück. Für Zölle, Verzögerungen und Lager in Folge des Brexits hat der Vorstand dieses Jahr knapp eine halbe Milliarde Euro eingeplant.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45862315 / Neuwagen)

Plus-Fachartikel

Corona-Krise: Finanziell Luft verschaffen

Corona-Krise: Finanziell Luft verschaffen

Die Umsätze bleiben aus, die Kosten laufen aber weiter: Die Corona-Krise hat viele Unternehmen über Nacht in existenzielle Nöte gestürzt. Staatliche Hilfsprogramme sollen Insolvenzen verhindern. Wie Betriebe die Krise überbrücken können. lesen

Wellergruppe: Keine Tageszulassung mehr

Wellergruppe: Keine Tageszulassung mehr

Über das abgelaufene Autojahr 2019 äußert sich Burkhard Weller zufrieden. Weder Dieselquote noch E-Mobilität machen den Unternehmer nervös. Spricht er jedoch über das Zusammenspiel zwischen Hersteller und Handel, ist es mit der Ruhe vorbei. lesen