Nächste Protestaktion Greenpeace legt gegen VW nach und beklebt Autos auf Händlerhöfen

Autor: Christoph Seyerlein

Erneut hat Greenpeace eine Protestaktion gegen Volkswagen durchgeführt. Diesmal traf es allerdings nicht den Hersteller direkt, sondern einige VW-Händler.

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Nach dem Hersteller hat sich Greenpeace nun auch VW-Händler als Ziel für eine Protestaktion ausgeguckt.
Nach dem Hersteller hat sich Greenpeace nun auch VW-Händler als Ziel für eine Protestaktion ausgeguckt.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Mit geklauten und auf die Zugspitze verfrachteten Schlüsseln von VW-Modellen, die im Werk Emden zur Auslieferung bereitstanden, hatte Greenpeace zuletzt Aufsehen erregt. Nun legte die Organisation nach: Am Wochenende beklebten Aktivisten in insgesamt 30 deutschen Städten Diesel und Benziner, die bei VW-Händlern ausgestellt waren. Die DIN A3-großen Aufkleber trugen Botschaften wie „Von Wegen: Klima-Vorreiter“, „Von Wegen: just electric“ oder „Von Wegen: sauber“.

Betroffen waren beispielsweise Autohäuser in Hamburg, Berlin, Köln, Dresden und Nürnberg. Größerer materieller Schaden dürfte den Händlern nicht entstanden sein: Die Aufkleber waren nach Greenpeace-Angaben „umweltfreundlich und rückstandsfrei ablösbar“.

Marion Tiemann von Greenpeace erklärte zu der Aktion: „VWs Verkaufszahlen bringen die Scheinheiligkeit des Konzerns auf den Punkt. Ein paar Elektroautos können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Volkswagen rücksichtslos weiter Verbrenner entwickelt und noch Jahrzehnte verkaufen will.“

VW „offen für den kritischen Dialog“

Greenpeace fordert von Volkswagen, die Entwicklung einer weiteren Verbrenner-Generation zu stoppen. Der Autobauer selbst hatte sich als Reaktion auf die Aktion zwischen Emden und der Zugspitze „offen für den kritischen Dialog“ gezeigt. Das gelte auch weiterhin, erklärte ein Sprecher am Montag auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Man lade regelmäßig Stakeholder und Umweltschutzorganisationen ein und biete damit „eine geeignete Plattform für die inhaltliche, sachliche und friedliche Auseinandersetzung bei kontroversen Standpunkten“.

Weiter erklärte Volkswagen: „Klimaschutz und Dekarbonisierung sind zentrale Themen der Strategie des Volkswagen-Konzerns. Sein Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen hat der Volkswagen Konzern seit der Jahrespressekonferenz im März 2019 wiederholt bekräftigt und die bilanzielle CO2-Freiheit des Unternehmens bis 2050 angekündigt. Bereits bis 2026 soll die letzte Verbrenner-Plattform entwickelt werden.“

Über gesetzliche Phase-Out-Daten müssten einzelne Länder aber selbst entscheiden. „Solche Ausstiegsdaten können dort Sinn machen, wo es wie z.B. in Norwegen hinreichend CO2-freie Primärenergie gibt. In anderen Ländern mit einem hohen Anteil von Kohleverstromung machen sie noch keinen Sinn. Wir erwarten also weiterhin unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wechsel zur Elektromobilität. Und Volkswagen stellt sich als global operierender Hersteller auf den jeweiligen Bedarf in unterschiedlichsten Märkten ein.“

Vor den Protestaktionen hatte Greenpeace die Wolfsburger in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für ihre Strategie kritisiert. Beispielsweise unterstellte die Organisation dem Autobauer und seinen Händlern, nicht sonderlich an einem Verkaufserfolg seines Elektroauto VW ID 3 interessiert zu sein. Zudem warf Greenpeace dem Konzern vor, seine Elektrozahlen übermäßig durch Eigenzulassungen zu schönen.

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Entwicklungsredakteur