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GVA: Neue Abwrackprämie wäre „unwirksames Subventionsfeuerwerk“

Autor: Jakob Schreiner

Der Autoteile-Handel widerspricht der aktuellen Forderung von Kraftfahrzeuggewerbe und Autoindustrie nach einer neuen staatlichen Kaufprämie. Der Verband zweifelt an der Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit der Maßnahme.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. (GVA) stellt sich gegen eine staatliche Prämie für den Neuwagenkauf. Der Verband hält eine „Abwrackprämie 2.0“ weder für ökonomisch zielführend noch für ökologisch sinnvoll, wie er am Donnerstag in Ratingen mitteilte. Der Verband widerspricht damit der gemeinsamen Forderung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeugewerbe (ZDK) und des Verbands der Autoindustrie (VDA), der Staat solle Anreize für den Kauf von Automobilen setzen.

Der GVA bezweifelt dabei Sinn und Wirksamkeit der Maßnahme. „Eine Abwrackprämie 2.0 wäre lediglich ein teures und dabei weitgehend unwirksames Subventionsfeuerwerk“, sagt GVA-Präsident Hartmut Röhl. Denn eine entsprechende Prämie setze keine neuen Kaufanreize, da diese „in der Regel nur einen Bruchteil des ohnehin marktüblichen Neuwagenrabatts darstellt“. Durch die Krise wirtschaftlich getroffene Unternehmen oder Privatpersonen würden ungehindert dessen, ihre Kaufabsicht zurückstellen. Die wegen der temporären Schließung der Schauräume aufgeschobenen Käufe könnten nun zeitnah nachgeholt werden.

GVA sieht Hersteller in der Pflicht

Noch bevor der Staat eingreife, sollten nach Darstellung des GVA die Fahrzeughersteller ihren Vertriebspartnern unter die Arme greifen, um den Vertrieb anzukurbeln. „Potential für in der Praxis wirkungsvolle Maßnahmen sollte herstellerseitig vorhanden sein“, so Röhl weiter. Die Kaufprämie sei zudem eine indirekte Zuwendung an die Fahrzeughersteller. Die staatlichen Mittel sollten stattdessen gezielt für in Not geratene Betriebe genutzt und nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Ein solches Vorgehen sei eher geeignet, aktuelle Probleme in den Betrieben zu lösen, als das untaugliche Instrument einer Prämie.

In seiner Kritik bezieht sich der GVA auch auf problematische Aspekte, die sich aufgrund der ersten Abwrackprämie herauskristallisierten. So konnten in erster Linie Importmarken ihre Marktanteile mit günstigen Fahrzeugen steigern. Heimische Hersteller sollen das Nachsehen gehabt haben. Interessanterweise waren es ausgerechnet Volkswagen und BMW, die eine neue Kaufprämie ins Spiel gebracht haben.

Kaufprämie widerspricht E-Auto-Ziel

Auch aus ökologischer Sicht wurde die Abwrackprämie laut dem GVA „aus der Wissenschaft rückblickend oft kritisch beurteilt“. Eine Neuauflage widerspreche den umwelt- und verkehrspolitischen Zielen der Bundesregierung, den Anteil an E-Fahrzeugen zu erhöhen, da auch Verbrenner subventioniert werden würden. Aus Sicht des GVA gebe die Regierung damit ihre Absicht, einen Klima- durch einen Mobilitätswandel herbeiführen zu wollen, de facto auf, da sich der Bestand an Verbrennern im Fuhrpark festigen würde. „Wer sich 2020 einen neuen Diesel oder Benziner anschafft, ersetzt diesen in den nächsten Jahren wohl kaum durch ein neues Elektroauto“, so Röhl.

Auch der Grünen-Fraktionsvize im Deutschen Bundestag, Oliver Krischer, kritisierte die Forderung kürzlich ähnlich: Die Prämie habe 2009 „die Grundlage dafür gelegt, dass die Autoindustrie bis heute bei der Elektromobilität hinterherhinkt“. Eine Neuauflage bringe die Autoindustrie nicht auf die Beine und führe, wenn überhaupt, zu einem Strohfeuer.

Der GVA ist der Branchenverband und die politische Interessenvertretung des freien Kfz-Teile-Großhandels in Deutschland. Im GVA sind derzeit 133 Handelsunternehmen mit über 1.000 Betriebsstellen und 123 Kfz-Teilehersteller organisiert.

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 Jakob Schreiner

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Redakteur Ressort Service & Technik