Halbherzige Entwarnung für Gummiventile

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Reifenventile aus Gummi stehen im Verdacht, nicht für den Einsatz in Transportern geeignet zu sein. Doch das KBA gibt Entwarnung – korrekten Einbau vorausgesetzt.

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Gummiventile für Transporterreifen können bei nicht sachgemäßer Montage reißen.
Gummiventile für Transporterreifen können bei nicht sachgemäßer Montage reißen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Bereits seit Längerem stehen Reifenventile aus Gummi (Typ TR 414) im Verdacht, sich für den Einsatz in Transportern und Wohnmobilen nicht zu eignen. Hoher Fülldruck (teilweise über 4,5 bar) und starke Zentrifugalkräfte bei Geschwindigkeiten bis zu 180 km/h können dazu führen, dass das Ventil am Sitz undicht wird und der Reifen Druck verliert – im schlimmsten Fall schlagartig.

Montagefehler oder schlecht ausgeformte Ventillöcher in der Felge können ähnlich böse Folgen haben. Als zuständige Produktsicherheitsbehörde hat das Kraft-fahrt-Bundesamt (KBA) nun das Gefahrenpotenzial der Gummiventile untersucht. Die Behörde kam zu dem Ergebnis, dass diese Bauteile, auch Snap-in-Ventile genannt, bei ordnungsgemäßer Verwendung sicher sind. Sie müssten nicht zwingend durch Metall-Einschraubventile ersetzt werden.

Unter „ordnungsgemäß verwendet“ versteht das KBA Folgendes:

  • Die gewählte Ventilausführung muss den vom Fahrzeughersteller angegebenen Reifenfülldruck im bestimmungsgemäßen Fahrbetrieb abdecken.
  • Die Ventilanlageflächen müssen ausreichend groß und plan sein.
  • Das Ventilloch darf keine Grate aufweisen.
  • Die Radkonstruktion muss eine sichere Ventilmontage zulassen und eine unzulässig große Auslenkung des Ventils im Fahrbetrieb verhindern.

Schleichender Druckverlust

Keinen der untersuchten Unfälle konnten die KBA-Experten zweifelsfrei einem Ventilschaden zuordnen. Meist komme es bei Ventilschäden zu einem schleichenden Druckverlust, der eventuell zu Reifenschäden durch Plattrollen führte. Im extremen Einzelfall sei ein Ventilabriss möglich. Dieser führe nach Meinung des Amtes zwar zu einem Reifendruckverlust, der aber anders als ein Reifenplatzer vom Fahrzeugführer beherrscht werden könne.

Ursachen für Ventilschäden könnten laut KBA Vorschädigungen bei der Ventilmontage sein, aber auch ungünstige Konstruktion oder Fertigung einzelner Ventile oder Räder sowie äußere Einflüsse.

Die Behörde gibt also Entwarnung – wer allerdings auf „Nummer sicher“ gehen will, sollte seinen Transporter- oder Wohnmobilkunden trotzdem Metallventile anbieten, die auf einen Reifensatz bezogen kaum spürbare Mehrkosten verursachen.

Doch auch bei der Montage von Metall-Einschraubventilen gibt es einiges zu beachten: Die Räder müssen eine ausreichend große, ebene Dichtfläche aufweisen und der Mechaniker muss dass notwendige Anzugsmoment sicherstellen. Außerdem darf das Ventil nicht aus der seitlichen Radkontur herausragen und muss zugänglich für das Druckmessgerät sein.

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