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Heycar: „Wir sind eine relevante Größe“

| Autor: Martin Achter

Manch einer im Handel wünscht sich mehr Leads. Reinhard Schmidt, seit Juni neuer Geschäftsführer von Heycar Deutschland, sieht die VW-nahe Onlinebörse dagegen rund zweieinhalb Jahre nach dem Start als relevanten Player am Markt. Technologisch jedenfalls will die Plattform so manches bewegen.

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Reinhard Schmidt (44) verantwortet seit Juni das Geschäft von Heycar Deutschland. Nach seiner Einschätzung hat sich die Plattform rund zweieinhalb Jahre nach ihrem Start als feste Größe neben Mobile.de und Autoscout 24 etabliert.
Reinhard Schmidt (44) verantwortet seit Juni das Geschäft von Heycar Deutschland. Nach seiner Einschätzung hat sich die Plattform rund zweieinhalb Jahre nach ihrem Start als feste Größe neben Mobile.de und Autoscout 24 etabliert.
(Bild: Heycar/Mobility Trader)

Reinhard Schmidt leitet seit Juni das Deutschlandgeschäft der VW-nahen Onlinebörse Heycar. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler will digitale Vermarktungsangebote für Händler ausbauen und bringt dafür Erfahrung aus früheren Tätigkeiten – unter anderem für Ebay und Mobile.de – mit. Der 44-Jährige sieht viel Raum für Innovation, unter anderem beim Online-Autokauf. Hier soll der Handel künftig gegenüber dem Kunden mit Persönlichkeit punkten können.

Redaktion: Herr Schmidt, seit Kurzem leiten Sie Heycar Deutschland – und der Automobilmarkt befindet sich Corona-bedingt noch immer in einer Ausnahmesituation. Wie spiegelt sich die aktuelle Krise der Branche bei Heycar wider?

Reinhard Schmidt: Wir sehen, dass sich das Verhältnis zwischen den Beständen von Händlern und dem Verkaufsvolumen deutlich verändert hat. Einige Händler haben Sorgen mit Blick auf ihre Liquidität und die Werthaltigkeit ihrer Bestände. Wie stark sich die Stimuli des Konjunkturpakets – beispielsweise die niedrigere Mehrwertsteuer – auswirken, bleibt abzuwarten. Wir als Plattformanbieter haben im März auf die Situation reagiert und die Kosten für Händler zunächst reduziert, im April waren die Inserate komplett kostenlos. Wenn die physischen Standorte geschlossen sind, stehen wir als Plattformbetreiber aber auch in der Pflicht, digitale Alternativen zu bieten. Deswegen haben wir es unseren Händlern schnell ermöglicht, Fahrzeugvideos in Inserate einzubinden und Kunden eine Videoberatung anzubieten.

Erholt sich die Nachfrage der Kunden gerade?

Ja, wir verzeichnen eine Erholung. Aber wir sehen auch, dass der Handel daran arbeitet, seine Bestände abzubauen.

Inwiefern? Dreht sich im Handel die Preisschraube nach unten?

Wir erkennen eine Zurückhaltung beim Nachkauf. Das lässt sich an der Zusammensetzung des inserierten Bestands ablesen. Die Preisgestaltung ist von Händler zu Händler unterschiedlich.

Von der momentanen Lage abgesehen – wie sehen Sie Heycar heute im Markt positioniert? Wie wichtig ist die Plattform für Händler im Vergleich zu Wettbewerberangeboten tatsächlich?

Heycar hat in den vergangenen Jahren viel erreicht. Bei unserem Markteintritt haben wir eine duopolartige Situation vorgefunden – mit den entsprechenden Effekten am Markt. Der Innovationsgrad im automobilen Kleinanzeigengeschäft war gering und die regelmäßigen Preissteigerungen für den Handel durchaus erheblich. Für den Kunden war die Fahrzeugsuche umständlich und mit vielen Unsicherheiten behaftet. Da hat sich viel verändert. Und unsere Händler begrüßen die Tatsache, dass sie durch das Abrechnungsmodell erfolgsbasiert für unsere Leistungen bezahlen, nämlich für tatsächliche Leads – nicht für Inseratepakete.

Aber wie bewerten Sie nun Ihre Marktstellung?

Wir sind heute eine relevante Größe am Markt und arbeiten daran, unsere Stellung weiter auszubauen. Natürlich ist unser Bestand geringer als bei anderen Börsen, aber das liegt im Kern auch an unserem gewählten Marktsegment. Aktuell sind rund 400.000 Fahrzeuge bei uns inseriert. Und die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung. Mit unseren Qualitätsvorgaben – jeder Wagen kommt vom Händler, mit Garantie, kein Fahrzeug bei uns ist älter als acht Jahre und hat mehr als 150.000 Kilometer auf dem Zähler – sehen wir ein Potenzial von bis zu 600.000 Fahrzeugen auf unserer Plattform. Damit decken wir schon drei Viertel dieses Marktsegments ab. Wir sind aber auch deswegen für den Handel von Relevanz, weil wir ein fairer Partner sind, wie wir auch in der Krise gezeigt haben.

Trotzdem arbeitet Heycar nicht mit jedem Händler zusammen. Vom Start weg kooperierte Ihre Plattform fast ausschließlich mit Fabrikatshändlern. Bleibt es bei dieser Linie – und der freie Handel damit weiter weitgehend außen vor?

Für unsere Nutzer steht Heycar für Verlässlichkeit, Garantie und die Qualität der angebotenen Fahrzeuge. Deswegen ist es uns wichtig, dass bei uns nur Autos von geprüften Händlern inseriert sind, die bestimmte Qualitätsstandards erfüllen. Unser Fokus liegt auf dem Markenhandel. Wir prüfen aber fortlaufend, wie wir für Kunden unter diesen Gesichtspunkten die richtige Qualität und das passende Angebot darstellen können.

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«