Wegen der hohen Energiekosten schlagen erste Kfz-Betriebe Alarm. Der ZDK sieht Existenzen bedroht und fordert daher Entlastungen – insbesondere für den Mittelstand. Energiesparmaßnahmen in den Unternehmen lohnen sich, reichen wohl aber nicht aus.
Die enorm gestiegenen Energiekosten machen den Kfz-Betrieben zu schaffen. Der ZDK fordert Entlastung und rät den Unternehmen zugleich, Einsparmöglichkeiten zu prüfen.
(Bild: ProMotor)
Die Energiekrise trifft zunehmend auch die Kfz-Betriebe. Einige Unternehmen rechnen mit den vierfachen Kosten für Gas und Strom. Ein Ende der Preissteigerung ist dabei noch nicht absehbar. Mit dieser Explosion der Energiekosten hat kaum jemand gerechnet. Insbesondere für kleinere Betriebe kann sie existenzbedrohend sein.
Erste Hilferufe aus Unternehmen erreichten den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewebe (ZDK). Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz und Präsident Jürgen Karpinski nahmen dies zum Anlass, den Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) anzuschreiben.
ZDK-Schreiben an Spitzenverbände
Darin weisen sie auf die teilweise drastischen Folgen der Energiepreissteigerungen hin, die vor allem die mittelständischen Betriebe hart träfen. In ihren Schreiben bitten Koblitz und Karpinski die Spitzenverbände darum, sich bei den politischen Entscheidungsträgern für die Belange der kleinen und mittelständischen Unternehmen einzusetzen, beispielsweise für Maßnahmen, mit denen die Folgen für diese abgefedert werden könnten. Bei politischen Entscheidungen etwa zur Gasverteilung und Kostenentlastung dürften diese Betriebe nicht außen vor bleiben.
Aus eigener Kraft könnten die Unternehmen die exorbitanten Preissprünge kaum stemmen, und sie könnten sie auch nicht auf die ebenfalls belasteten Kunden abwälzen, erklärte Karpinski. „Insofern zehren diese enormen Kostensteigerungen die im Kfz-Gewerbe ohnehin schmalen Margen komplett auf“, so der ZDK-Präsident. Er warnte: „Wenn Unternehmen aufgrund ausbleibender wirtschaftlicher Entlastung in die Insolvenz gehen müssen, verlieren die Beschäftigten ihre Arbeitsplätze.“
Die Folgen für die Beschäftigten könnten dann kaum mehr kompensiert werden. Schließlich stellten die kleinen und mittelständischen Unternehmen die Mehrheit der Arbeitsplätze und rund vier Fünftel der Ausbildungsplätze.
Angst vor Gasknappheit
Groß ist die Sorge der Autohäuser und Kfz-Werkstätten, im Falle einer Gasumverteilung nicht bedacht zu werden. Erst vergangenen Dienstag (9. August) haben die EU-Staaten beschlossen, einen Gas-Notfallplan umzusetzen, mit dem der Gasverbrauch durch Einsparmaßnahmen pro Land um jeweils 15 Prozent gesenkt werden soll. Zunächst freiwillig. Für den Worst Case, wenn das Gas so knapp wird, dass es nicht für alle reicht, drohen Zuteilungen.
ZDH: Die meisten Handwerksbetriebe sind geschützt
Der ZDH hat vor dem Hintergrund des Energiewirtschaftsgesetzes und den Aussagen der Bundesnetzagentur eine Einordnung für die Handwerksbetriebe vorgenommen. Aufgrund ihrer durchschnittlichen Verbräuche zählten die meisten Handwerksbetriebe nicht zu den Gaskunden, die von den Zuteilungen betroffen sein könnten. Im Gegenteil, sie seien sogar geschützt. Im Fokus der Zuteilungen stünden Gaskunden, die eine Anschlussleistung von mindestens 10 Megawatt aufwiesen. Handwerksbetriebe hätten in der Regel eine Anschlussleistung von maximal 500 Kilowatt bzw. einen Jahresverbrauch von 1,5 Millionen Kilowattstunden, so der ZDH.
Auch wenn keine Kürzung droht, suchen Betriebe aufgrund der enorm gestiegenen Energiekosten nach Einsparpotenzialen. Die ZDK-Abteilung Betriebs-, Volkswirtschaft und Fabrikate verweist dazu auf das Energiebuch der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, das unter anderem vom ZDH und DIHK unterstützt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wurde.
Einsparmöglichkeiten in Kfz-Betrieben
Unter dem Titel „Der energieeffiziente Kfz-Betrieb“ werden darin Einsparmöglichkeiten speziell für Werkstätten vorgestellt. Danach ließen sich durch Maßnahmen am Gebäude (Dämmung, selbstschließende Türen und Tore, Sanierung etc.) in der Regel bis zu 30 Prozent einsparen. Weiteres Einsparpotenzial bis zu 20 Prozent biete die Heizungsanlage (Einstellung, Wartung, Dämmung, Modernisierung) und ebenfalls 20 Prozent die Beleuchtung (LED, Tageslichtausnutzung, Spiegel, Sensoren).
Als besonders großer Energiefresser gelte in Werkstätten der Einsatz von Druckluft. Hierbei gingen 95 Prozent der verwendeten Energie oftmals durch Undichtigkeiten und Abwärme verloren. Auch hier seien durch den Einsatz energieeffizienterer Geräte bis zu 20 Prozent Einsparung möglich. Und schließlich könnten die Betriebe auch Lackier- und Waschanlagen effizienter einsetzen.
Neues E-Tool für Handwerksbetriebe
Um einen besseren Überblick über die Verbräuche zu erhalten, empfiehlt der ZDK den Kfz-Betrieben zudem, das kostenlose Energiebuch-E-Tool des ZDH zu nutzen. Dieses wurde speziell für Handwerksbetriebe entwickelt. Das Instrument soll ihnen helfen, ihre Energiedaten planvoll zu erfassen und zentral zu sammeln.
Stand: 08.12.2025
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Sie können die Informationen unkompliziert abrufen und für betriebswirtschaftliche Entscheidungen nutzen. Außerdem erlaubt das E-Tool individuelle Auswertungen zu energieträgerbezogenen Verbräuchen und CO2-Emissionen sowie die Darstellung von Kennzahlen. Weitere Informationen zum Energiebuch-E-Tool bietet der „Leitfaden Energieeffizienz im Handwerk“.
Energieberater einschalten und Hilfen bei Landesverbände abfragen
Eine große Hilfe können zudem Energieberater bieten, so der ZDK. Diese können auch eine Übersicht über mögliche Förderprogramme von Bund und Ländern geben. Auch Nachfragen bei den jeweiligen Kfz-Landesverbänden können sich lohnen. Einige stellen ihren Mitgliedern technische Berater zur Verfügung.
Dass das Thema Energieeffizienz und -sparen für die Handwerksbetriebe nicht neu ist, zeigt eine Sonderumfrage des ZDH dazu. Danach hat bereits jeder zweite Betrieb in den vergangenen fünf Jahren in Maßnahmen investiert, um den Energieverbrauch zu senken. Rund 20 Prozent davon kamen aus dem Kfz-Gewerbe.