HU und AU: Alles plaketti?

Redakteur: Steffen Dominsky

Die Technik moderner Fahrzeuge verlangt im Rahmen der turnusmäßigen Hauptuntersuchung nach neuen Prüfmethoden. Das Unternehmen FSD stellt den Prüforganisationen entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung.

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Mithilfe eines Taschen-PCs und des HU-Adapters kann der Prüfer Elektronikkomponenten wie z. B. Kurvenlicht ansteuern und deren Funktion kontrollieren.
Mithilfe eines Taschen-PCs und des HU-Adapters kann der Prüfer Elektronikkomponenten wie z. B. Kurvenlicht ansteuern und deren Funktion kontrollieren.
( Foto: FSD )

Früher war die automobile Welt viel einfacher. Die aktuelle Fahrzeugtechnik stellte die Werkstätten kaum vor Schwierigkeiten, und auch die Herren, die im regelmäßigen Turnus kleine bunte Plaketten auf Nummernschilder klebten, standen vor Aufgaben, die mit Augenmaß und einem Maschinenbaustudium problemlos zu bewältigen waren.

Doch dann kamen die kleinen schwarzen Kästchen, genannt Steuergeräte. In den letzten Jahren vermehrten sie sich wie die sprichwörtlichen Karnickel. Speziell die Sicherheitselektronik, allen voran Fahrerassistenzsysteme, erfahren seit Jahren stark wachsende Verbreitung. Die Folge: Nicht nur die Reparatur, auch die Kontrolle moderner Fahrzeuge im Rahmen der Hauptuntersuchung wurde zur echten Herausforderung. Lange Zeit gab es keine Überprüfung der „elektronischen Schutzengel“ – es herrschte Handlungsbedarf!

Der Gesetzgeber verlangt laut §29 StVZO: „Alle Fahrzeuge mit einem eigenen amtlichen Kennzeichen müssen in regelmäßigen Zeitabständen auf Verkehrssicherheit und Vorschriftsmäßigkeit überprüft werden.“ Er macht dabei keinen Unterschied zwischen „analogen“ Mechanikkomponenten und „digitalen“ Systemen wie ESP und Airbag.

Zeit zu handeln

Auch die Europäische Kommission hat in Sachen periodische Fahrzeugprüfung die Zeichen der Zeit erkannt. Deshalb schreibt Artikel 5 der Richtlinie 96/96EG die „Prüfung sicherheitsrelevanter elektronisch geregelter Fahrzeugsysteme“ in modernen Fahrzeugen vor. Explizit aufgenommen und rechtskräftig vorgeschrieben hat der Gesetzgeber die neue Elektronikprüfung hierzulande am 1.4.2006 im Zuge der 41. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften.

Als erstes der 27 EG-Mitgliedsstaaten hat Deutschland die Brüsseler Vorgabe in Form einer weiterentwickelten Hauptuntersuchung in die Tat umgesetzt und nimmt damit europaweit eine Vorreiterrolle ein. Inhalt des Konzepts: Zusätzlich zu den bestehenden 140 Prüfpunkten müssen die Überwachungsorganisationen im Rahmen der erweiterten HU folgende acht Positionen auf Verbau, Echtheit und Funktionsweise überprüfen:

  • Elektronische Bremskomponenten
  • Elektronisch geregelte Lenkanlagen
  • Elektronische Lichtsysteme
  • Sicherheitsgurte/Rückhalteeinrichtungen
  • Überrollschutz (Cabriolets)
  • Fahrdynamische Regelsysteme mit Bremseingriff
  • Geschwindigkeitsbegrenzer
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Die neue HU gilt für alle Fahrzeuge mit Zulassung ab 1.4.2006. Folglich rollen die ersten Exemplare, die von der neuen HU betroffen sind – von Ausnahmen abgesehen –, seit dem 1. April dieses Jahres auf die Höfe der Werkstätten und Prüforganisationen.

Alle Mann an Bord

Bei der Konzepterstellung der neuen HU waren neben dem Verkehrsministerium und dem ZDK auch die technischen Prüfstellen und Überwachungsorganisationen mit an Bord. Diese haben sich unter dem Dach der FSD GmbH (siehe Kasten) zusammengeschlossen. Um den Prüforganisationen die notwendigen technischen Daten und Informationen bereitzustellen, war Pionierarbeit gefragt. Denn wie ein Prüfer erkennt:

  • ob das Fahrzeug ab Werk mit Seitenairbag ausgeliefert wurde oder nicht,
  • ob dieser tatsächlich verbaut ist,
  • wie er dessen sichere Funktion innerhalb kurzer Zeit im Rahmen der Fahrzuguntersuchung prüfen kann, stand in keinem Lehrbuch. Die FSD GmbH hat diese sogenannten „Systemdaten“ für jedes einzelne in Frage kommende Fahrzeug erarbeitet – zum Großteil mit Unterstützung der Fahrzeughersteller und Importeure – und stellt sie den Prüforganisationen laufend aktualisiert zur Verfügung.
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Aber auch die Prüforganisationen mussten und müssen für die erweiterte Elektronikprüfung in Ausstattung und Schulung investieren. Trotz dieser Aufwendungen sollen die Kosten für die HU künftig nicht oder nur geringfügig steigen, so die Aussagen der Organisationen. Ein effektiverer Prüf- und Dokumentationsablauf soll Arbeitsmehraufwände kompensieren.

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