Volkswagenkrise IG-Metall-Chefin wirft VW-Chef schwere Fehler vor

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

Die Diskussion um Werkschließungen bei VW reißt nicht ab, die Arbeitnehmer gehen weiter auf die Barrikaden. Kurz vor der kommenden Aufsichtsratssitzung bringt sich die IG Metall in Stellung. Die Vorsitzende Christiane Benner geht Konzernchef Oliver Blume hart an.

Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner sieht strategische Fehler bei Volkswagenchef Oliver Blume.(Bild:  IG Metall)
Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner sieht strategische Fehler bei Volkswagenchef Oliver Blume.
(Bild: IG Metall)

Vor der nächsten Aufsichtsratssitzung zum Sparkurs bei Volkswagen, die nach den bisherigen Informationen am 4. September stattfindet, wirft IG-Metall-Chefin Christiane Benner Konzernchef Oliver Blume schwere Fehler im Umgang mit der Belegschaft vor. Blume stelle sich mit der Ankündigung von Werkschließungen gegen Betriebsvereinbarungen und die historische Verantwortung des Konzerns, sagte Benner der „Augsburger Allgemeinen“.

„Mit der IG Metall werden die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm nicht geschlossen“, kündigte Benner Widerstand bei der Aufsichtsratssitzung an, die nach Medienberichten an diesem Freitag stattfinden soll. Die IG-Metall-Chefin gehört dem Kontrollgremium an und ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Bei Volkswagen wird derzeit über weitere Sparmaßnahmen debattiert. Der laufende Arbeitsplatzabbau – 50.000 Stellen bis 2030 – reicht aus Sicht des Vorstands um Konzernchef Oliver Blume nicht aus. Im Raum steht der Abbau weiterer Zehntausender Stellen. Die VW-Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe. Für sie gibt es laut Blume noch „keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre“.

„Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf acht bis zehn Prozent steigen“, betonte Benner.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats bei VW, sieht trotz der diskutierten Sparpläne bei Volkswagen eine klare Perspektive für das Werk im ostfriesischen Emden – und zwar im Bau von mehr Elektroautos. „Für mich als Ministerpräsident ist es nicht vorstellbar, dass wir hier keine Autos mehr bauen“, sagte der SPD-Politiker nach einem Standortbesuch.

Lies sagte, dass das Werk, in dem VW nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos produziert, noch Kapazitäten habe. „Wenn wir oft darüber reden, warum sind Standorte an der einen Stelle teurer oder günstiger, dann hat das viel mit der Frage der Auslastung zu tun. Hier ist noch Platz. Hier können wir noch mehr Elektroautos bauen.“ In dem Werk in Ostfriesland arbeiten rund 7.700 Beschäftigte, es ist der wichtigste industrielle Arbeitgeber in der Region.

IG-Metall-Chefin verweist auf gesellschaftliche Verantwortung

Benner wies auf die gesellschaftliche Verantwortung des Volkswagenkonzerns hin. „Die historische DNA des Konzerns ist, dass Wirtschaftlichkeit und Soziales in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, betonte Benner. Auch Zwickau dürfe nicht geschlossen werden. Jeder vierte Arbeitsplatz in Ostdeutschland sei von der Autoindustrie abhängig. VW müsse beide Werke mit neuen Modellen auslasten und neue Geschäftsmodelle für die Standorte finden.

Derzeit sieht die Konzernführung auch für das Werk in Hannover noch keine klare Perspektive. Es gebe nach dem Auslaufen der aktuellen Produkte Anfang der 2030er Jahre bislang keine wirtschaftliche Nachfolgebelegung. Das sagte Finanzvorstand Arno Antlitz laut einer Mitteilung im Rahmen einer Betriebsversammlung.

Mit Blick auf den drohenden Stellenabbau sagte Blume, dass es in einem nächsten Schritt insbesondere um die Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion gehe – also: Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung oder Vertrieb. Angesichts des Spardrucks soll es auch im Management spürbare Einschnitte geben. Man schaue dort genau hin und baue ein Viertel der Stellen ab, sagte er während des Besuchs des Emdener Werks. „Alle Bereiche müssen ihren Teil beitragen; es ist ein Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann.“

Kretschmar bringt längere Arbeitszeiten ins Spiel

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), in dessen Zuständigkeit das gefährdete Werk Zwickau fällt, hatte in der Zukunftsdiskussion längere Arbeitszeiten bei VW als Option für den Erhalt von Werken genannt. Diesem Vorschlag erteilte VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo eine Absage. „Wenn wir jetzt uns darauf einlassen würden, was ich überhaupt nicht teile, auf eine 40-Stunden-Woche zu gehen, dann würden wir unser Programm, was wir aktuell haben, ja noch vergrößern, weil dann müsste der Personalabbau ja noch viel größer sein“, sagte Cavallo.

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Es gebe bereits flexibel an den Standorten Mehrarbeit, wo diese nötig sei. Kretschmer hatte im ZDF-„Morgenmagazin“ für einen Mix an Maßnahmen plädiert, „auch ein Stück weit eine längere Arbeitszeit“.

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