Immer mehr Marken „schenken“ Mehrwertsteuer bei Verbrennern

16 Prozent Nachlass auf Bruttopreise

| Autor: Christoph Seyerlein

Da es keine staatliche Kaufprämie für Verbrenner gibt, greifen jetzt viele Marken selbst zu Rabatten.
Da es keine staatliche Kaufprämie für Verbrenner gibt, greifen jetzt viele Marken selbst zu Rabatten. (Bild: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH)

Nachdem es für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab dem 1. Juli zwar eine Mehrwertsteuersenkung um 3 Prozentpunkte, nicht aber wie von vielen erhofft eine staatliche Kaufprämie gibt, greifen immer mehr Hersteller zu einem anderen Mittel, um die Verkäufe anzukurbeln. Die Zahl der Marken, die Privatkunden mit einer „geschenkten“ Mehrwertsteuer zum Kauf eines Neuwagens mit Verbrennungsmotor bewegen wollen, wächst.

Aktuell werben beispielsweise Renault, VW, Seat und Nissan auf ihren deutschen Webseiten mit entsprechenden Angeboten. Zudem kündigte Volkswagen Nutzfahrzeuge einen entsprechenden Nachlass am Dienstag für Privatkäufer des Multivan an. Sie alle eint, dass Elektroautos von den Aktionen ausgenommen sind. Für diese gibt es schließlich den Umweltbonus, so offenbar die Denke bei den Herstellern.

Einig sind sich die Hersteller auch bei den Konditionen: Alle geben 16 Prozent auf den Bruttolistenpreis. Netto bleibt für Kunden damit ein Rabatt von 13,79 Prozent – sofern Händler mit ihrer eigenen Marge die Nachlass-Spirale nicht noch weiter nach oben drehen.

Mit ihren Aktionen wollen die Hersteller Impulse setzen, um das durch Corona eingebrochene Neuwagengeschäft anzukurbeln. Das verkündeten zuletzt beispielsweise Renault-Deutschlandchef Uwe Hochgeschurtz und sein VW-Kollege Holger B. Santel.

Konträre Meinungen im Handel

Im Handel gibt es zu der Idee der Hersteller konträre Meinungen. Einige bewerteten die Aktionen aus Marketingsicht positiv. Aktuell brauche man mehr denn je jeden Impuls, der Kunden zum Kauf eines Autos bewegen könnte, sagte ein Händler am Dienstag auf Anfrage.

Einige Unternehmer fürchten allerdings auch eine neuerliche Rabattschlacht. Aus dem VW-Umfeld war zu vernehmen, dass die Händler einen Teil der „geschenkten“ Mehrwertsteuer aus der eigenen Tasche mitfinanzieren müssen. Nachlässe in gewisser Höhe sind im Handel zudem Gang und Gäbe. Über das nun vom Hersteller vorgegebene Maß sollten sie aber nicht hinausgehen, sagt beispielsweise Klaus Philipp, Geschäftsführer von Auto Kölbl in Unterschleißheim. „Wir hätten jetzt die Chance nach Corona unser Nachlassverhalten zu normalisieren. Das ist aber vermutlich ein Wunschgedanke von mir“, befürchtet er.

Deutlich negativer bewertete Alin Liliensiek vom Autohaus Liliensiek in Dippoldiswalde die gesamte Aktion: „Je nach Ausstattungslinie des Wagens gibt der Händler bis zu 95 Prozent seiner nun schon ohne hin gekürzten Rest-Handelsmarge dazu, um Volkswagens Werbeversprechen halten zu können“, echauffierte sie sich. „Das ist eine Frechheit und ein zu großer Eingriff in die unternehmerische Selbstbestimmung der eigenständigen Handelsbetriebe.“

Offensiv beworbene Rabatte könnten zudem Schnäppchenjäger noch einmal zusätzlich animieren. Von diesen sind in Zeiten von Corona ohnehin schon mehr unterwegs als in „normalen“ Phasen, stellte zuletzt die DAT fest.

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