IT-Update für VW-Händler

Redakteur: Julia Mauritz

Der Wolfsburger Hersteller will die EDV-Landschaft in den Betrieben modernisieren. Für die Autohäuser bedeutet dies eine gewaltige Umstellung, da gleich mehrere Programme betroffen sind.

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Eines steht fest: Langeweile kommt bei den Volkswagen-Händlern in Sachen EDV nicht auf. Im Zuge des neuen Programms „Handelsintegration Deutschland“ stehen gleich mehrere IT-Projekte in Wolfsburg in den Startlöchern oder sind bereits mitten in der Umsetzung. Ob das Dealer-Management-System Cross der Konzerntochter Porsche Informatik, Isa-Pro, das Nachfolgeprogramm des Volkswagen-Verkäuferarbeitsplatzes EVA, die neue Serviceplattform Elsa-Pro oder die Einführung des neuen brancheneinheitlichen Kontenrahmens – auf die Autohäuser kommt demnächst einiges zu.

Spannend ist vor allem die Dealer-Management-Strategie, die Volkswagen aktuell in Deutschland verfolgt. Gut 2.000 VW-Betriebe, auch viele große Händlergruppen, arbeiten hierzulande noch mit dem längst in die Jahre gekommenen Dealer-Management-System Vaudis Classic. Die meisten von ihnen halten sich an die alte IT-Weisheit: „Ändere nie ein laufendes System.“ Sie haben mithilfe verschiedener Zusatzprogramme wie der Werkstattplaner von HRF oder Soft-nrg und Zeiterfassungssystemen wie Miditec die Lücken von Vaudis Classic geschlossen. Und diejenigen, die neben den VW-Konzernmarken noch andere Fabrikate vertreiben, arbeiten in der Regel noch zusätzlich mit einem zweiten DMS.

Die meisten sind damit zufrieden, obgleich es eine Vielzahl moderner Dealer-Management-Systeme als Alternative zu Vaudis Classic gibt – vom Nachfolgeprogramm Vaudis Pro von T-Systems über das ERP-basierte DMS von Incadea bis hin zur Software von mittelständischen Anbietern wie Betzemeier, ASC oder Procar.

Der Wolfsburger Automobilkonzern selbst hat sich nach jahrelanger Zurückhaltung in Sachen DMS-Empfehlung für den deutschen Markt festgelegt: Das Programm der Wahl heißt Cross. Es ist bei Handelspartnern in anderen europäischen Märkten schon seit vielen Jahren im Einsatz. In Deutschland ist das DMS seit Januar offiziell erhältlich, allerdings arbeiten bislang fast ausschließlich die VW- und Audi-Retail-Betriebe mit dem Programm.

Vertrieb und Service besser vernetzen

Warum dieser Kurswechsel? Warum spricht der Automobilkonzern plötzlich in Deutschland die Empfehlung für ein Dealer-Management-System aus, das im Kern die internen Abläufe eines Handelsbetriebs abbildet? VW-Vertriebsleiter Werner Eichhorn hat drauf eine klare Antwort parat: „Heute arbeiten viele Volkswagen-Händler mit Insellösungen – sie funktionieren zwar, sind aber hinsichtlich der Betriebsabläufe nicht effizient, speziell wenn es um die Vernetzung zwischen Vertrieb und Service geht. Mit dem Dealer-Management-System Cross und der Einführung von Isa-Pro im ersten Halbjahr 2012 wollen wir die Prozesse in den Betrieben deutlich verbessern und dazu beitragen, dass der administrative Aufwand für die Verkäufer und Serviceberater sinkt, damit sie mehr Zeit für die Kunden haben.“ Erreichen will Volkswagen das unter anderem durch zentrale Kundendatenbanken und ein zentrales Kampagnenmanagement in Isa-Pro.

Bis zum Jahr 2015 will Volkswagen hierzulande unbestätigten Angaben zufolge rund 70 Prozent der Händler auf Cross umstellen. Karl-Heinz Schlapp, Vorstand der Darmstädter Procar AG, fürchtet den starken Wolfsburger Wettbewerber dennoch nicht: „Bislang haben wir noch kein vermindertes Interesse an unserem System festgestellt“, betont er. Man wolle konsequent den eigenen Weg fortsetzen, statt sich auf den Wettbewerber zu konzentrieren. „Neben dem reinen Produkt spielen der Kundenservice und das Vertrauensverhältnis eine ebenso wichtige Rolle. Und die muss man erst mühsam über Jahre hinweg aufbauen“, fügt er hinzu.

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