Alfa Romeos neuer Chef Jean-Philippe Imparato will die italienische Traditionsmarke fit für die Zukunft machen – unter anderem durch Elektrifizierung. Außerdem soll bis 2026 jedes Jahr ein neues Modell erscheinen. Manches erhält vielleicht sogar einen alten Namen.
Die Sonderserie von Giulia-GTA-Limousinen von Alfa Romeo ist auf 500 Einheiten limitiert.
(Bild: Aldo Ferrero Photographer Torino Italy/ Alfa Romeo)
Die deutschen Händler, die von Stellantis Premium-Marke Alfa Romeo kürzlich ins Designzentrum nach Rüsselsheim geladen wurden, dürften vermutlich nicht schlecht gestaunt haben. Der neue CEO Jean-Philippe Imparato, seit Januar 2021 im Amt, gab seinen Gästen einen Ausblick darauf, wie es künftig mit der italienischen Traditionsmarke weitergehen soll.
Eine große Rolle dabei spielt die Elektrifizierung. Gezeigt wurden unter anderem zwei Modelle, die frisch aus der Feder des neu eingestellten Designers Alejandro Mesonero-Romanos stammen. Der Spanier ist seit 1. Juli im Team, arbeitete bislang bei Seat, mit kurzem Zwischenstopp bei Renault.
Sonderserie schnell vergriffen
Imparato macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Marke extrem am Herzen liegt. Der 54-jährige, zuvor Chef von Peugeot, schwärmt geradezu von Alfa Romeo und ihrer eindrucksvollen Markenhistorie. „Enzo Ferrari begann hier seine Laufbahn.“
Noch heute gibt es rund 200 Markenclubs, davon sind über 50 in Nordamerika beheimatet. Der Bekanntheitsgrad der Marke ist enorm, er liegt laut Imparato bei 97 Prozent. Welches emotionale Potenzial hier immer noch schlummert, zeigt die auf 500 Einheiten limitierte Sonderserie von Giulia-GTA-Limousinen. Trotz eines Stückpreises von 178.000 Euro waren alle Modelle sofort vergriffen. Besonders angetan zeigten sich die Japaner, die sich mit 84 Exemplaren den größten Anteil sicherten.
Imparato: Keine riesigen Displays in den Fahrzeugen
Als Teil der neuen Markenaufstellung gilt auch der Umzug der Manager-Mannschaft vom Hauptgebäude in Mirafiori in einen exklusiven Bereich des Centro Stilo. „Wir haben hier Start-up-Feeling“, sagt Imparato, und verkündet, schon in diesem Jahr einen „positiven Beitrag“ zum Gesamtergebnis von Stellantis beizutragen. Alfa verdient Geld.
Seinen Produktplan bis 2026 – sieben Modelle in fünf Jahren – ließ er sich bereits vollständig absegnen. Strategie-Richtung: Beibehaltung der noblen Sportlichkeit, Elektrifizierung hat Priorität, fahrerorientiertes Cockpit. Eine riesige Display-Landschaft, wie sie beispielsweise bei Mercedes praktiziert, wird es mit Imparato nicht geben, „Ich möchte kein iPad mit einem Auto drum herum verkaufen.“
Bekannt vom Modellplan ist derzeit lediglich der Tonale, ein SUV unterhalb des Stelvio. Die Studie hierzu stand 2019 in Genf. Der Tonale, dessen Launch ursprünglich für 2021 geplant war und nun für Juni 2022 angesetzt ist, wird das erste elektrifizierte Fahrzeug (Plug-in-Hybrid) von Alfa Romeo sein. Ein Dieselmotor wird im Tonale wohl nicht mehr arbeiten.
2024: Das erste vollelektrische Modell
Von 2023 an soll dann jedes Jahr eine weitere Neuheit eingeführt werden. Vom Zyklus her wäre die Mittelklasselimousine Giulia dran. 2024 kommt das erste vollelektrische Modell der Marke. Insider vermuten, es könnte sich hier bereits um den Nachfolger des Stelvio handeln.
Als sicher gilt, es wird ein SUV, weil dieses Karosseriekonzept nach wie vor den größten Absatz verspricht. Im Anschluss wäre ein Sportcoupé mit dem Namen GTV denkbar – ebenfalls mit batterieelektrischem Antrieb. Selbst von einem elektrischen Duetto als Hommage an den legendären Spider, spricht man angeblich im Centro Stilo.
Keine Verbrenner mehr ab 2027
Für das Jahr 2027 hat Alfa sich zum Ziel gesetzt, kein Modell mehr mit Verbrennungsmotor auszuliefern. Der Wandel zur vollelektrischen Marke wäre dann vollzogen. „Die Geräusche verschwinden zwar, aber Vibrationen und Gänsehaut bleiben“, verspricht Imparato, und schließt bei den neuen Stromern auch leistungsstarke Quadrifoglio-Versionen nicht aus.
Für den Wandel ins Elektrozeitalter nutzt Alfa die neue Stellantis-Konzernplattform STLA. Sie gibt es in den Größen Large, Medium und Small. Mit der kleinsten Variante könnten die Italiener sogar wieder in der Kompaktklasse mitmischen.
Da Imparato sehr viel an der Wiederbelebung einiger legendärer Alfa-Namen liegen soll, ließen sich junge Leute vielleicht gut über ein elektrisches Einstiegsmodell locken, dessen Name längst in Vergessenheit geraten ist: Alfasud. In den 70er-Jahren galt dieser Kleinwagen technisch teils als fortschrittlicher als der erste Golf – rostete allerdings auch wie kein zweiter.
Stand: 08.12.2025
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