Konzernumbau: Skoda als Billigmarke, Seat als Premium-Sportler

Bericht zitiert aus der Konzern-Strategieabteilung

| Autor: Sven Prawitz

Herbert Diess richtet nicht nur die Produktpalette der Marke VW neu aus. Auch die anderen Konzernmarken stehen vor einem Umbau.
Herbert Diess richtet nicht nur die Produktpalette der Marke VW neu aus. Auch die anderen Konzernmarken stehen vor einem Umbau. (Bild: Volkswagen)

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, plant laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) eine Neuordnung und Neugewichtung seiner Pkw-Marken. Mit den Veränderungen will er weniger Überschneidungen der Zielgruppen erreichen und dank geringerer Kannibalisierungseffekte die Marge des Konzerns auf zehn Prozent verdoppeln. Dem Bericht zufolge sollen sich die Verschiebungen vor allem bei Skoda und Seat bemerkbar machen – und dürften den Skoda-Partnern wenig gefallen.

Seit der Übernahme durch Volkswagen haben sich die Tschechen langsam aber kontinuierlich vom Günstig-Image befreit. Die Produkte gelten als erschwinglich bei einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis, das letztlich immer mehr Kunden anzieht. Nun heißt es aber in dem „SZ“-Bericht, den Tschechen sei eine ähnliche Rolle zugedacht wie sie Dacia für die Renault-Gruppe spielt, sprich der Billigheimer im Konzern.

Der Grund laut „SZ“: Die VW-Strategieabteilung sehe im Segment zwischen 10.000 und 20.000 Euro großes Potenzial und viel Platz für neue Kleinwagen und erschwingliche Elektroautos. Ob das der Handel, der ja nicht zuletzt im Hinblick auf höherpreisige Produkte und gehobenere Kundschaft großzügig in Skoda-Autohäuser investierte, auch so sieht, wird in dem Bericht nicht thematisiert. Schließlich wird mit günstigeren Autos in der Regel weniger verdient.

Aufsteiger Seat

Der Gewinner der Überlegungen wäre die Aufsteigermarke der letzten Jahre: Seat. Die Spanier haben ihren Absatz von 2012 bis 2018 um 60 Prozent gesteigert – und erwirtschaften damit nach langer Durststrecke wieder Gewinne. Während Skoda abgewertet wird, steigt Seat in Richtung Premium auf. Perspektivisch soll das Fabrikat, das bisher stark auf Spanien, Deutschland und Großbritannien fokussiert ist, weltweit an Geltung gewinnen. Die Vorbereitungen für einen Markteintritt in China laufen bereits. Vor allem solle Seat über die Submarke Cupra für den Weltmarkt attraktiver werden, heißt es weiter.

Auch dieser Weg hätte Konsequenzen für den Handel: Den Überlegungen zufolge würden die Modellklassiker Mii, Ibiza und Alhambra entfallen und durch „sportliche Fahrzeuge und aufregendes Design“ in der Golf- und Passat-Klasse ersetzt werden.

Die Ausrichtung der beiden Konzerntöchter Audi und Porsche soll sich nicht ändern. Beide Marken müssen jedoch ihre Produktpalette neu ausrichten. Bei Audi sieht Diess keinen Sinn darin, jedes Modell mit Verbrenner und E-Antrieb parallel anzubieten. „Stattdessen gilt es zu selektieren und Akzente zu setzen, die in die Marke und in die Kasse einzahlen“, zitiert die SZ den VW-Chef. Audi setze dafür auf die Multitraktionsplattform: Eine Architektur, die sowohl E-Antrieb als auch eine Brennstoffzelle aufnehmen kann oder um einen Verbrenner mit bis zu vier Zylindern ergänzt werden kann.

In den Gedankenspielen soll zudem Porsche im Konzern eindeutig die Vorreiterrolle für die Hightech-Premium-Modelle im Konzern übernehmen, die preislich über 100.000 Euro kosten. Zudem sollen die Schwaben die Verantwortung für die kleinen Premiummarken Bentley und Bugatti bekommen.

Lamborghini an die Börse?

Ungewiss ist die Zukunft von Lamborghini im VW-Konzern. Obwohl die Italiener mit dem Urus momentan sehr gut Geld verdienen, leidet der Sportwagenhersteller unter dem Sparzwang bei Audi. Wie die SZ berichtet, denkt man in Wolfsburg über einen Börsengang für Lamborghini nach. Der Nachrichtendienst Bloomberg nennt gar eine weitere Option: Demnach sei sogar ein Verkauf möglich. Laut Bloomberg drängen Investoren Volkswagen dazu, Vermögenswerte freizusetzen. Es gebe weder Verkaufs- noch Börsenpläne, hatte ein VW-Sprecher allerdings am vergangenen Sonntag (13. Oktober) gegenüber dem Medium gesagt.

Wie es scheint, richtet Herbert Diess den Konzern stärker an Audi, Porsche und Volkswagen aus. Die anderen Pkw-Marken müssen sich mit einer neuen Ausrichtung und neuen Zielgruppen auseinandersetzen – oder, wie im Fall Lamborghini, vielleicht sogar mit neuen Eigentümern. „Wir dürfen uns nicht verzetteln", zitiert die „SZ“ den Konzernchef. „Das mag im Einzelfall hart sein, ist aber der einzige gangbare Weg.“

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