TÜV Mobility Studie 2026 „Ladelust statt Ladefrust erzeugen"

Von Malika Matkarimova 4 min Lesedauer

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Beim nächsten Autokauf würde die Mehrheit der Deutschen einen alternativen Antrieb wählen, besagt eine Studie des TÜV-Verbands. Kosten und Laden bremsen den Umstieg jedoch weiterhin. Was der Verband jetzt verlangt, um Käufern und dem Handel die nötige Sicherheit zu geben.

Trotz des anhaltenden Ausbaus der Ladeinfrastruktur sagt in der aktuellen Umfrage jeder Zweite, dass es nicht ausreichend Ladestationen gibt oder diese nicht gut erreichbar sind.(Bild:  KI-generiert)
Trotz des anhaltenden Ausbaus der Ladeinfrastruktur sagt in der aktuellen Umfrage jeder Zweite, dass es nicht ausreichend Ladestationen gibt oder diese nicht gut erreichbar sind.
(Bild: KI-generiert)

Auch wenn der Fahrzeugbestand noch von Verbrennern dominiert wird, zeichnet sich beim nächsten Autokauf bei vielen Verbrauchern ein deutlicher Sinneswandel ab. Das geht aus der „TÜV Mobility Studie 2026“ hervor, für die Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 2.504 Personen ab 18 Jahren befragt hat. Laut der Erhebung würden 25 Prozent der Teilnehmer ein reines Elektroauto bevorzugen, ebenso viele ein Hybridfahrzeug. Vier Prozent favorisieren einen Pkw mit Wasserstoffantrieb, während sich 35 Prozent weiterhin für einen Verbrenner entscheiden würden. Auch unter jenen, die grundsätzlich einen Verbrenner oder Hybrid präferieren, könnten sich der Studie zufolge 23 Prozent alternativ ein reines Elektrofahrzeug vorstellen.

Diese Tendenz deckt sich laut Verband mit den Neuzulassungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA): Im ersten Halbjahr 2026 machten reine Batteriefahrzeuge 26 Prozent der Pkw-Neuzulassungen aus. Plug-in-Hybride erreichten 11 Prozent, sonstige Hybride 29 Prozent. Benzin- und Diesel-Pkw kamen zusammen nur noch auf einen Marktanteil von 34 Prozent. TÜV-Verbandsgeschäftsführer Joachim Bühler wertete die Entwicklung bei der Studienvorstellung als Zeichen dafür, dass sich die Elektromobilität dem Mainstream annähere. Als Gründe nannte er ein breiteres Fahrzeugangebot, staatliche Förderprogramme sowie gestiegene Kraftstoffpreise.

Laden bleibt „ein Riesenthema“

Trotz der positiven Tendenz bestehen der Befragung zufolge weiterhin Vorbehalte gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen. Die genannten Vorbehalte haben sich im Vergleich zu früheren Erhebungen kaum verändert. Weiterhin führen zu hohe Anschaffungskosten (57 Prozent) und eine als unzureichend empfundene Reichweite (52 Prozent) die Liste der Kaufhindernisse an. Beide Werte sind gegenüber der Erhebung von 2024 sogar leicht gestiegen.

Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Sicherheitswahrnehmung von Stromern. Auf die Frage nach besonderen Risiken bei Unfällen oder technischen Defekten gaben 61 Prozent der Befragten an, spezielle Gefahren zu sehen. Ebenso viele stuften die Antriebsbatterie als Risikofaktor ein, da diese überhitzen oder Feuer fangen könnte. Software- und Systemausfälle sowie technische Störungen im elektrischen System betrachtete jeweils etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmenden als mögliche Problemfelder.

Auch im Alltag zeigen sich Reibungspunkte. So berichten E-Auto-Besitzer vor allem von Reichweitenverlusten bei winterlichen Temperaturen (61 Prozent), hinzu kommen intransparente Tarife an öffentlichen Ladesäulen (49 Prozent) sowie eine unübersichtliche Vielfalt an Bezahlsystemen (48 Prozent). Bühler bezeichnete das Laden vor diesem Hintergrund als „ein Riesenthema" für die Nutzer und brachte die Forderung an die Politik auf eine griffige Formel: „Wir müssen Ladelust statt Ladefrust erzeugen." Es dürfe nicht sein, dass Menschen beim Umstieg auf Elektromobilität enttäuscht werden, weder durch unklare politische Rahmenbedingungen noch durch schlechte Erfahrungen an der Ladesäule.

Damit verbunden ist auch eine Warnung vor politischer Unberechenbarkeit. Ein „Zickzack-Kurs", wie man ihn in der Vergangenheit bei der Förderung von E-Mobilität erlebt habe, sei „Gift für diese Antriebswende", so Bühler. Da ein Auto zu den größten Anschaffungen im Haushaltsbudget zähle, bräuchten die Menschen verlässliche, langfristig planbare Rahmenbedingungen, um den Umstieg tatsächlich zu wagen. Der TÜV-Verband fordert die Politik daher auf, den Ausbau der Ladeinfrastruktur konsequent voranzutreiben und das Laden transparenter zu gestalten.

Batteriecheck wird entscheidend

Parallel zu den Neuzulassungen verzeichnet die Branche ein Wachstum auf dem Markt für elektrische Gebrauchtwagen. Verbraucher vertrauen bei der Beurteilung der Batteriegesundheit kaum den Angaben der Hersteller, sondern setzen auf unabhängige Prüforganisationen. In diesem Zusammenhang verlangt der TÜV-Verband klare Rahmenbedingungen. „Im Gebrauchtwagenmarkt sind Informationen zum Batteriezustand mindestens so wichtig wie Angaben zu Alter, Laufleistung und HU-Plakette“, betont Bühler. Ein standardisierter Batteriecheck sei notwendig, um Verbrauchern Sicherheit zu geben. Hier sieht der Verband den Gesetzgeber in der Pflicht, die Voraussetzungen zu schaffen – eine Forderung mit direkter Auswirkung auf die Bewertungsprozesse im Autohaus.

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HU muss digitaler werden

Darüber hinaus bedürfe die fortschreitende Digitalisierung der Fahrzeugtechnik einer regulativen Begleitung. Gemäß den Studienergebnissen halten 83 Prozent der Befragten eine unabhängige Kontrolle digitaler Fahrzeugsysteme für erforderlich. Der TÜV-Verband fordert daher, dass Assistenzsysteme sowie die Integrität sicherheits- und emissionsrelevanter Software im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) getestet werden müssen, um unzulässige Veränderungen und Manipulationen in den Werkstätten und Prüfstützpunkten zu erkennen.

Pkw bleibt Verkehrsmittel Nummer eins

Ungeachtet der Antriebsart dominiert das Auto weiterhin das Mobilitätsverhalten in Deutschland. 83 Prozent der Bürger nutzen mindestens einmal wöchentlich einen Pkw. Es folgen der Fußverkehr (63 Prozent), das klassische Fahrrad (20 Prozent) sowie das Pedelec (14 Prozent). Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen 20 Prozent regelmäßig.

Die Auswertung zeigt zudem ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern liegt die regelmäßige Autonutzung bei 96 Prozent, während sie in Metropolen mit über 500.000 Einwohnern auf 66 Prozent sinkt. Umgekehrt verhält es sich beim ÖPNV: In Kleinstädten nutzen ihn höchstens 12 Prozent der Bewohner wöchentlich, in Metropolen sind es 47 Prozent.

Kritik an Verkehrsinfrastruktur und restriktiven Maßnahmen

Restriktive Maßnahmen gegen den Autoverkehr in Innenstädten lehnt die Mehrheit der Befragten ab (54 Prozent). Lediglich eine Minderheit befürwortet höhere Parkgebühren (26 Prozent), eine City-Maut (25 Prozent) oder den Abbau von Parkplätzen (21 Prozent). Um den städtischen Verkehr dennoch zu reduzieren, sprechen sich die Teilnehmer stattdessen für den Ausbau des ÖPNV (91 Prozent), die Einrichtung von Park-and-Ride-Flächen am Stadtrand (77 Prozent) und die Förderung des Radverkehrs (69 Prozent) aus.

Den allgemeinen Zustand von Straßen sowie Rad- und Gehwegen bewerten 67 Prozent der Befragten an ihrem Wohnort als mangelhaft. Ebenso kritisiert die Mehrheit, dass die Belange von körperlich eingeschränkten Menschen (74 Prozent), Senioren (67 Prozent) und Schulkindern (67 Prozent) bei der Infrastrukturplanung zu wenig Beachtung finden. Der TÜV-Verband leitet daraus die Forderung ab, die sogenannte „Vision Zero“ – das Ziel von null Verkehrstoten – verbindlich im Straßenverkehrsgesetz zu verankern.

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