Ein VW-Händler mit nur einem Standort in der Kleinstadt Dippoldiswalde – ist das nicht ein Auslaufmodell? Daniel Liliensiek hatte keine Lust auf ein langsames Rückzugsgefecht, sondern entschied sich für den Angriff. Der Mut brachte ihm den Gesamtsieg beim Automotive Business Award 2026 in der Kategorie Service ein.
Daniel Liliensiek hat seinen Betrieb in den letzten Jahren sehr stark auf gewerbliche Kunden zugeschnitten. Mit einem neuen Standort in Dresden ist er ihnen buchstäblich entgegen gekommen.
(Bild: Rosenow – VCG)
Dippoldiswalde ist ein nettes kleines Städtchen südlich von Dresden. Knapp 14.000 Einwohner, ein hübsch restaurierter Marktplatz mit spätgotischem Rathaus, ein Schloss – aber kaum noch Autohändler.
Der familiengeführte Markenhandel mit nur einem Standort, der sich vor allem um die regionale Privatkundschaft kümmert, ist auf dem Rückzug. Viele machen nur mit dem Servicevertrag weiter oder gleich als freie Werkstatt – beides konnte sich Daniel Liliensiek, in zweiter Generation Eigentümer des bereits 1946 gegründeten gleichnamigen Autohauses in Dippoldiswalde, nicht vorstellen. Also suchte er ein Geschäftsmodell, das Kunden von außerhalb der Grenzen seines eigenen kleinen Marktgebiets anziehen würde – und fand sie in der Geschichte des eigenen Unternehmens.
„Mein Vater hat den Betrieb in der DDR-Zeit als Barkas-Werkstatt geführt“, berichtet der Unternehmer. Der Kleintransporter wurde damals nur an Betriebe und Genossenschaften abgegeben, nur extrem selten durften ihn kinderreiche Familien auf Antrag erwerben. Die Beschäftigung mit gewerblichen Kunden liegt bei Liliensiek also in der DNA.
Schon seit dem Jahr 2010 fokussiert sich der Betrieb deshalb (wieder) auf Geschäftskunden, die er vor allem in der nahegelegenen Landeshauptstadt Dresden findet. Auf diese Weise hat er eine Größe erreicht, die „der Kirchturm-Markt nicht hergibt“, wie es der Geschäftsführer formuliert. 106 Mitarbeiter beschäftigt das Autohaus Liliensiek mittlerweile, im Jahr 2025 setzte es zusammen 1.200 Neu- und Gebrauchtwagen ab – während der lokale Markt vielleicht 150 neue VWs aufnehmen könnte.
Neben Handwerksbetrieben oder Pflegediensten betreut Liliensiek auch überregionale Großkunden. Der größte Kunde betreibt 1.300 Fahrzeuge, die alle bei dem VW-Partner in „Pflege“ sind. Und müssen die zur Wartung über 20 Kilometer nach Dippoldiswalde gebracht werden? Natürlich nicht. Der Hol- und Bringdienst ist deshalb schon lange fester Bestandteil des Gewerbekundengeschäfts bei Liliensiek. „Zahlreiche unserer Großkunden haben unser Autohaus noch nie betreten“, sagt der Geschäftsführer.
Der nächste Standort ist schon geplant
Trotzdem sah auch er irgendwann die Notwendigkeit kürzerer Wege ein und begab sich auf die Suche nach einem zusätzlichen Standort in der Nähe seiner Kunden. Im Jahr 2024 eröffnete er im Gebäude eines ehemaligen Karosseriebetriebs, pikanterweise in unmittelbarer Nähe eines großen Standorts der VW-eigenen VGRD-Gruppe, die Liliensiek Service Factory Dresden.
Die Fahrzeiten haben sich seither enorm verkürzt. Schaffte einer der sieben Hol- und Bringdienstfahrer früher maximal fünf Autos am Tag, sind es heute fünfmal so viele. Doch es gibt nicht nur eine spezielle Werkstatt für die Großkunden, sondern eine komplett eigene Struktur mit eigener Terminplanung, separater Serviceassistenz und -beratern, einem Außendienst sowie dem schon genannten Hol- und Bringdienst.
2025 folgten zwei digitale Serviceterminals (Sharebox) zur kontaktlosen Fahrzeugabgabe in Dippoldiswalde und Dresden; zwei bis drei weitere sollen verteilt über das Dresdner Stadtgebiet dazukommen. Und zusätzlich sucht Daniel Liliensiek noch einen weiteren Werkstattstandort, dieses Mal im Dresdener Osten (Service Factory Nr. 1 befindet sich links der Elbe ganz im Westen der sächsischen Landeshauptstadt).
Übrigens bietet Liliensiek in seiner Service Factory auch Service für Fremdmarken an, um gemischte Fuhrparks ebenfalls abdecken zu können. Digitale Services für Fuhrparkbetreiber runden das Angebot ab; bei „Connect Pro – Proactive Service“, einer digitalen Lösung für „Predictive Maintenance“ seitens Volkswagen Nutzfahrzeuge, dienen die Sachsen als Pilotpartner.
Als Klammer für seine Leistungen hat der Kfz-Unternehmer die Submarke „Liliensiek Business Solutions“ geschaffen – und damit das Fundament für das weitere Wachstum seines Betriebs gelegt. „Unter normalen Umständen hätten wir unsere Händlerverträge für Volkswagen Pkw und Volkswagen Nutzfahrzeuge höchstwahrscheinlich bereits abgeben müssen“, betont Daniel Liliensiek. „Stattdessen sind wir Großkunden-Leistungszentrum für die beiden Marken.“
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Die wohl eindrucksvollste Bestätigung für den Kurs des Unternehmens in Richtung eines Mobilitätsdienstleisters für gewerbliche Fahrzeugbetreiber: Die Kunden nutzen nicht „nur“ das Serviceangebot des Unternehmens, sondern sie kaufen aufbauend auf den guten Erfahrungen auch ihre Neufahrzeuge dort. Die Zahlen bestätigen das: Die Zahl der Auftragseingänge ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent gestiegen, gegenüber 2023 sogar um zwei Drittel. Etwa 85 Prozent der Neuwagenverkäufe werden außerhalb des lokalen Marktgebietes realisiert.
Stand: 08.12.2025
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Aber auch der Werkstattumsatz ist seit der Eröffnung der Service Factory sehr stark gewachsen. Im ersten vollen Betriebsjahr des Dresdner Standorts wuchsen die Erlöse gegenüber 2023 um knapp die Hälfte.
Das Autohaus Liliensiek zeigt, dass auch traditionelle Familienunternehmen ihren Platz in der sich wandelnden Automobilbranche behaupten können, wenn sie Dienstleistungen anbieten, die die Konkurrenz nicht ohne Weiteres kopieren kann und bei denen der Preis nicht die Hauptrolle spielt. Das hat auch die Jury des Automotive Business Awards überzeugt, die Daniel Liliensiek und sein Team von Liliensiek Business Solutions zum Gesamtsieger in der Kategorie Service kürte.
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