Nächste Runde im Kampf gegen Geldwäsche

Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Südthüringen

| Autor: Holger Zietz

Holger Thiel, Experte für Geldwäscheprävention in Thüringen, referierte bei der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Südthüringen.
Holger Thiel, Experte für Geldwäscheprävention in Thüringen, referierte bei der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Südthüringen. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Geldwäsche rückt immer stärker ins Visier der Ermittler. Das bekommen auch Autohäuser und Werkstätten zu spüren, denn das Kfz-Gewerbe gehört aus Sicht der Experten zu den Risikobranchen. Hier wechseln hohe Beträge den Besitzer – und das zum Teil in bar. Denn Deutschland ist nach wie vor das Land der Barzahler.

Seit Jahren verschärft die Regierung den Kampf gegen Geldwäsche. Mit dem Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz – GwG) von 1993 machte die Regierung den Anfang. 2008 wurde es überarbeitet, 2011 durch das Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention umfassend geändert.

Im nächsten Jahr werden die Rechtsvorschriften ein weiteres Mal verschärft. Die Liste der Risikoländer soll erweitert werden. Bei Geschäften mit diesen Ländern müssen umfangreichere Informationen erfasst werden als bei anderen Vertragspartnern.

„Dadurch kommen auf Kfz-Betriebe weitere Änderungen zu“, wie Holger Thiel von der gemeinsamen Ermittlungsgruppe von Zoll und Landeskriminalamt in Thüringen bei der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Südthüringen erläuterte. Der Experte empfahl den Zuhörern, sich intensiv mit den Vorgaben zu beschäftigen, da sonst empfindliche Strafen drohen können.

Der erste Schritt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist die Prüfung der eigenen Situation: Ist mein Betrieb von hohen Bargeldgeschäften betroffen? Wenn ja: Welche Kunden zahlen höhere Beträge in bar? Es kann sich für einen Betrieb lohnen, eine Risikoanalyse zu machen. „Diese Prävention ist für kleine und mittlere Unternehmen gewiss nicht leicht und stellt eine gewisse Hürde da“, ist sich Thiel im Klaren.

Eine kritische Größenordnung sind Geschäfte über 10.000 Euro mit einem Kunden. Denn diese müssen sehr sauber dokumentiert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geschäft durch eine Einmalzahlung oder nicht zustande kommt. Es kann auch verteilt sein auf mehrere Aufträge und Zahlungen.

In solchen Fällen müssen alle Informationen zum Vertragspartner erhoben und archiviert werden, auch eine Kopie des Ausweises. Hier gilt der Grundsatz: Niemals eine Kopie von der Kopie! Ausweisdokumente müssen immer im Original vorliegen. Doch da droht schon die nächste Gefahr: Ist das vorgelegte Dokument echt oder eine Fälschung?

Schöpft der Händler einen Verdacht, muss er eine entsprechende Verdachtsmeldung bei der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (Financial Intelligence Unit – FIU) in Köln machen. Dies gilt auch, wenn das Geschäft nicht abgeschlossen wird. Sind sich Händler unsicher, hilft das Typologie-Papier für den Kfz-Handel, das die FIU herausgegeben hat. Darin sind sehr viele Anhaltspunkte enthalten. Treten einzelne Punkte auf, sollte man wachsamer sein. Treten mehrere Punkte auf, sollte man auf jeden Fall eine Verdachtsmeldung abgeben.

Um Strafen zu vermeiden, sollten Autohäuser und Werkstätten die gesetzlichen Vorgaben beachten. Innungsbetrieben hilft dabei das 70-seitige ZDK-Merkblatt „Bekämpfung von Geldwäsche“. Zudem bietet die TAK verschiedene Präsenz- und Onlineseminare zur Geldwäscheprävention an.

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