Oldtimerkarosserien Neuaufbau süß-sauer

Von Steffen Dominsky 9 min Lesedauer

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Die Karosse malade, neue Bleche nicht lieferbar, oder das Einschweißen zu aufwendig? Nehmen Sie doch einfach eine neue! Wie, die hat’s beim Hersteller schon lange nicht mehr? Na dann schauen Sie doch mal im Reich der Mitte vorbei. Hier gibt’s neue Oldtimerkarosserien frisch vom Band.

Das Unternehmen Jiangsu Juncheng Vehicle Industry Co. in China fertigt aktuell die Karosserien 20 populärer Oldtimer nach.(Bild:  Jiangsu Juncheng Vehicle Industry Co.)
Das Unternehmen Jiangsu Juncheng Vehicle Industry Co. in China fertigt aktuell die Karosserien 20 populärer Oldtimer nach.
(Bild: Jiangsu Juncheng Vehicle Industry Co.)

Tuī chén chū xīn“ lautet ein chinesisches Sprichwort: „Das Alte verdrängen und das Neue hervorbringen“. Oder wie wir im Deutschen sagen würden: „Neues aus Altem schaffen“. Genau das trifft den Nagel auf den Kopf, oder besser gesagt, die Schweißverbindung auf die Raupe. 961 Millionen Tonnen Stahl hat China im vergangenen Jahr produziert – mehr als die Hälfte der gesamten Weltproduktion! Gut 21 Prozent davon stammt aus dem Recycling. Mit anderen Worten aus Stahl, der schon mal irgendetwas war. Beispielsweise ein Auto. So gesehen huldigt ein Unternehmen aus der Provinz Jiangsu, an der Ostküste Chinas dem christlichen Prinzip „Asche zu Asche, Staub zu Staub“: Es macht aus teilweise altem Fahrzeugblech neues Fahrzeugblech. Jiangsu Juncheng Vehicle Industry Co. Ltd. heißt – kurz Jungcheng. Seit 2012 fertigt es bzw. seine rund 650 Mitarbeiter auf einem 120 Hektar großen Areal Kfz-Blechteile für den Aftermarket.

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Angefangen hat alles mit Türen für „normale“ Fahrzeuge. Dann, wie oft im Fall China, ging alles ziemlich schnell – nicht von ungefähr spricht man mittlerweile von der „China Speed“, der China-Geschwindigkeit. So wuchsen Jungchengs Produktionskapazitäten und auch das Angebot. Zu Blechteilen für Alltagsautos aus China, Europa, Asien, den USA und dem Rest der Welt – selbst für einen Lada Vesta presst man in Jiangsu Bleche – gesellten sich „Body-Kits“ für Off-Road-Fahrzeuge. In wenigen Jahren wuchs aber nicht nur das Portfolio, sondern auch Jungchengs Expertise. Denn für (fast) kein Blechteil, das das Unternehmen herstellt, verfügt es über originale Pressformen. D. h., die Chinesen mussten sich das Know-how zum Anfertigen solcher im Reverse-Engineering-Verfahren aneignen – Stichwort 3D-Scannen. Das taten sie mit Unterstützung mehrerer Universitäten, mit denen der Karosseriespezialist kooperiert. Und Jungcheng musste Produktionsverfahren entwickeln, die den zu fertigenden Stückzahlen, vor allem aber der immensen Produktvielfalt gerecht werden. So machen z. B. 20 Laserschneidroboter von ABB das, was in bei Karosseriezulieferern bzw. OEMs klassische Pressen mittels Stanzen erledigen: Ausschnitte in Blechteile. Nicht so schnell, dafür bezahlbar und extrem flexibel einsetzbar.