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Neuzulassungen im April: Eine Marke trotzt dem historischen Einbruch

| Autor: Christoph Seyerlein

Corona hat den deutschen Automarkt im April in die Knie gezwungen. Das Neuzulassungsminus betrug im Vergleich zum Vorjahr 61,1 Prozent, 120.840 Einheiten bedeuteten einen historischen Tiefstand. Ein Fabrikat wuchs allerdings gegen den Trend.

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Tesla erzielte im April als einzige Marke ein Neuzulassungsplus in Deutschland.
Tesla erzielte im April als einzige Marke ein Neuzulassungsplus in Deutschland.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Der deutsche Automarkt ist im April unter dem Eindruck der Corona-Krise eingebrochen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte, bedeuteten 120.840 Pkw-Neuzulassungen im vergangenen Monat ein Minus von 61,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ging es stärker abwärts als je zuvor. Und das mit Abstand: Die niedrigste Wert an Neuzulassungen in einem Einzelmonat seit der Wiedervereinigung hatte bisher bei 165.000 im August 1991 gelegen. Die privaten Zulassungen machten 41,9 Prozent aus, sie waren um 57,8 Prozent rückläufig. Noch stärker belastete die Situation das Gewerbekundengeschäft (-63,2 %). Im Jahresverlauf liegt der deutsche Automarkt damit aktuell um 31 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Der Blick auf die einzelnen Automarken bringt viele Verlierer und genau einen großen Gewinner hervor: Als einziges Fabrikat konnte im April Tesla sein Ergebnis aus dem Vorjahresmonat übertreffen. Die Kalifornier kamen mit 635 Neuzulassungen auf ein Plus von 10,4 Prozent. Den heftigsten Einbruch musste Smart mit ein Minus von 94,1 Prozent hinnehmen.

Beim Marktanteil lag im vergangenen Monat VW Pkw mit 17,2 Prozent an der Spitze. Von den 20 Prozent, die Deutschlandchef Holger B. Santel als Ziel in dem Zusammenhang für dieses Jahr ausgegeben hat, lagen die Wolfsburger damit aber weit entfernt. Mit einem Minus von 63,9 Prozent schrumpfte VW im April auch etwas stärker als der Gesamtmarkt.

Zulassungsstärkstes Segment waren im April die SUVs mit einem Anteil von 20,3 Prozent. Damit überholten sie im vergangenen Monat die Kompaktklasse wieder, auf die 20,1 Prozent der Neuzulassungen entfielen. Den stärksten Rückgang aus Segmentsicht verzeichneten die Mini-Vans mit einem Minus von 84,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Marktanteile nach Antriebsform

Knapp die Hälfte der im April (49,9 %) neu zugelassenen Pkw waren Benziner. Auf neue Diesel entfielen 32,1 Prozent. Hybride erreichten einen Marktanteil von 9,1 Prozent, Plug-in-Hybride 4,6 Prozent. Reine Elektroautos machten 3,8 Prozent der Neuzulassungen aus. Damit schrumpfte im April auch der Absatz der Batteriefahrzeuge, und zwar um drei Prozent. Im März waren deren Neuzulassungen noch gegen den Trend gewachsen. Das gelang nun noch den Plug-in-Hybriden: Deren Neuzulassungen legten um 87 Prozent zu.

Erdgas- und Flüssiggas-Fahrzeuge erreichten je einen Marktanteil von 0,2 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß sank im Vergleich zum April 2019 um 4,9 Prozent und lag bei 150,9 Gramm pro Kilometer.

Noch deutlich stärkere Einbußen mussten andere europäische Märkte verkraften: In Frankreich sanken die Neuzulassungen um 89 Prozent, in Spanien um 97 Prozent und in Italien um 98 Prozent. Der Automarkt in Großbritannien brach um 97,3 Prozent ein.

VDIK: Bislang kein großer Effekt durch wieder geöffnete Autohäuser

In den kommenden Monaten erwartet Peter Fuß, Autoexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young, dass die Einschläge auf dem deutschen Automarkt nicht mehr ganz so heftig ausfallen werden. „Die Autohäuser sind inzwischen wieder offen, die Situation entspannt sich, die Menschen gehen wieder häufiger shoppen. Im Zuge der allgemeinen Lockerungen werden sich auch wieder mehr Kunden in die Autohäuser trauen – wir sehen da bereits eine Tendenz zur Normalisierung“, sagt Fuß. Negativer bewertet die Lage Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). Ihm zufolge lag der Markt auch nach der Wiedereröffnung der Autohäuser weiter knapp 60 Prozent im Minus.

Steigende Arbeitslosenzahlen und Insolvenzen bremsen die Bereitschaft von Konsumenten, ein neues Auto zu kaufen, zusätzlich. Fuß und Zirpel plädierten in dem Zusammenhang, dass es schnelle politische Hilfe in Form einer Kaufprämie geben müsse. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) untermauerte seine Forderung danach. „Nach fünf Wochen Corona-Lockdown steht der Autohandel mit dem Rücken zur Wand“, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. Die jüngsten Zahlen seien „eine Katastrophe“ für die deutsche Leitbranche. Es gehe nun darum, die Existenz vor allem kleiner und mittelständischer Autohäuser und Kfz-Betriebe mit ihren 450.000 Beschäftigten zu sichern.

Verstärkte Rufe nach Kaufprämien

Eine Prämie müsse alle Antriebe miteinbeziehen, auch Verbrenner. Eine ebenfalls ins Spiel gebrachte Förderbeschränkung auf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, für die es ohnehin bereits einen deutlich erhöhten Umweltbonus gebe, könne diesen Anschub aufgrund fehlender Stückzahlen und langer Lieferfristen nicht bringen. „Bevor das auch nur anfinge zu wirken, wären viele Händler längst pleite“, sagte Karpinski. Die Bundesregierung hatte nach dem Autogipfel am Dienstag angekündigt, dass mit einem Beschluss in dem Zusammenhang im Juni zu rechnen sei. Peter Fuß merkte an, dass jene fehlende Klarheit, ob eine Prämie kommt, zu weiterer Zurückhaltung bei potenziellen Käufern führen könne.

Im besten Falle rechnet Fuß mit einem Neuzulassungsminus von 15 Prozent im Gesamtjahr. „Aber auch deutlich stärkere Einbußen sind absolut möglich, vor allem, wenn es zu der befürchteten zweiten Ansteckungswelle mit einem erneuten Lockdown kommt“, sagt der Analyst.

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