Nissan: Rabattschlacht im eigenen Netz

Autor: Christoph Baeuchle

Die Nissan-Händler stehen unter Druck: Die Höfe sind voll, die Fahrzeuge fließen nur mit hohen Rabatte ab. Dabei überbieten sich die Partner gegenseitig. Der hohe Intrabrand-Wettbewerb sorgt für Ärger.

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(Bild: Baeuchle/»kfz-betrieb«)

Rund 150 Partner trafen sich am Freitag bei der Mitgliederversammlung des Verbands der Nissan Vertragshändler Deutschland. Das Motto dabei: „Zukunft sichern“. Keine leichte Aufgabe, sind die täglichen Herausforderungen für die Nissan-Partner derzeit doch enorm groß.

Das zeigt schon allein der Blick auf die Zahlen: Bei einem wachsenden Gesamtmarkt gingen in den ersten zehn Monaten die Nissan-Neuzulassungen in Deutschland um mehr als fünf Prozent auf knapp 60.000 Pkw zurück. Im gleichen Zuge stiegen die Eigenzulassungen um 7,1 Prozentpunkte auf knapp 48 Prozent.

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Daraus folgt ein logisches Dilemma: Die Höfe der Händler stehen längst voll (nicht nur mit Diesel-Fahrzeugen). „Wir sind bereits mit hohen Beständen ins Jahr 2017 gegangen“, erläuterte Marlies Wegener, die für das Thema Vertrieb und Marketing im Händlerverband zuständig ist. Durch die Abnahme im ersten Quartal zur Erfüllung des Konzernplans „Power 88“ hat sich die Entwicklung weiter verschärft. „Wir leiden heute noch darunter.“

Um die Fahrzeuge loszuwerden, suchen die Partner ihr Glück in Rabatten und überbieten sich gegenseitig. Längst sind die Wettbewerber nicht mehr die anderen Fabrikate, sondern sitzen im eigenen Netz. Der Intrabrand-Wettbewerb hat in den vergangenen Monaten noch deutlich zugenommen. „Ich habe die Angst, dass Nissan durch die Preisschleuderei zu einer Ramsch-Marke wird“, befürchtet Wegener. Die branchenweite Dieselproblematik verschärfe das markeneigene Problem noch zusätzlich.

Rückläufige Rendite

Das drückt auf die Rendite. „In den vergangenen drei Jahren haben wir eine kleine Renditesteigerung erzielt, 2017 ist die Marge wieder gesunken“, sagte Präsident Frank Perez. „Es reicht nicht aus, um die von Nissan erwarteten Investitionen zu tätigen.“ Viele Partner müssen beispielsweise noch die neue CI einführen, die Nissan bis 2019 abgeschlossen haben will.

Der Importeur erwartet von seinen Partnern aber noch weitere Investitionen. Markus Walter, der im Händlerverbands-Vorstand für den Bereich Aftersales verantwortlich ist, nannte als Beispiel einen Kabelbaum-Koffer für rund 1.400 Euro. Ursprünglich wollte Nissan sogar 2.800 Euro für den Koffer und schrieb ihn für jeden Standort vor.

Dass es nun anders aussieht, ist dem Engagement des Händlerverbandes zu verdanken. „Ein Großteil unserer Arbeit besteht darin, dass wir unnütze Dinge verhindern“, betonte Walter. Der Kabelbaum sei bei weitem nicht der einzige Fall gewesen, in dem der Verband Kosten für seine Mitglieder habe abwenden können.

Weitere Informationen zur Mitgliederversammlung der Nissan-Händler veröffentlicht »kfz-betrieb« in der Ausgabe 48, die am 8. Dezember erscheint.

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 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände