Online-Stores: Mercedes-Händler sind skeptisch!

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Wolfgang Michel

Die Mercedes-Vertriebspartner fragen sich, wie der Handel in die Online-Neuwagenverkaufspläne des Herstellers eingebunden wird. Auch Zweifel am Gesamtkonzept werden laut.

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(Foto: Archiv)

Nicht nur BMW, sondern auch Mercedes-Benz hat die virtuelle Welt als Neuwagen-Vertriebskanal ausgemacht. Teil der Strategie namens „Mercedes-Benz 2020 – Best Customer Experience“ ist ein Online-Store, über den die Kunden ihre Fahrzeuge jederzeit und überall bestellen und finanzieren können. Der Handel solle über den „finalen Kaufprozess“ und den Service eingebunden werden. Über eine Händlersuche kann der Kunde einen Mercedes-Partner oder eine Niederlassung in der Nähe finden. Die finanziellen Modalitäten für den Handel stünden noch nicht genau fest, sagte eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage von »kfz-betrieb«.

Einen Testballon zur „Best Customer Experience“ hat der Autobauer dieser Tage in Warschau gestartet: Für drei Monate präsentiert sich Mercedes-Benz mit einem speziellen Pavillon in einem Warschauer Stadtteil (siehe Bildergalerie). „Unser Konzept ist, mit Mercedes-Benz da zu sein, wo die Kunden sind“, erklärte Mercedes-Vertriebschef Dr. Joachim Schmidt. Mit dem temporären Markenauftritt in Warschau setzt Mercedes-Benz auch erstmals mobile Verkaufsberater ein. »kfz-betrieb« hat unter Mercedes-Händlern abgefragt, was sie von den Plänen halten.

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„Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass der Hersteller sich mit dem Thema Internetvertrieb beschäftigt. Leider sind mir noch keine Details zu dem geplanten Vorhaben bekannt“, sagt Jürgen Tauscher vom Autohaus Lueg in Essen. Ihm sei bekannt, dass es einen Arbeitskreis mit Mitgliedern des Mercedes-Benz-Vertreterverbands zu dem Thema gibt, in dem derzeit das detaillierte Vorgehen besprochen und abschließend verhandelt wird. Er gehe davon aus, dass der Hersteller auf keinen Fall zum Nachteil des Handels einen Online-Vertrieb installieren wird. „Ich glaube auch nicht, dass dies der Anfang vom Ende des klassischen Autohandels ist, sondern ein zusätzlicher Baustein, um den Vertrieb der Zukunft gemeinsam mit dem Handel darstellen zu können“, so Tauscher weiter.

„Beratungsdiebstahl in den Autohäusern“

Ein Händlerkollege aus Süddeutschland findet es „prinzipiell auch gut, dass sich der Hersteller mit dem Thema Onlinevertrieb beschäftigt“. Jedoch stellt er folgende Frage: „Welchen Ausgleich bekommen wir Vorort-Partner vom Hersteller für den sich dann einstellenden Beratungsdiebstahl in unseren Autohäusern?“

Aber auch dieser Mercedes-Händler glaubt nicht, dass der Onlinevertrieb der Anfang vom Ende für den klassischen Automobilhandel ist. „Letztendlich handelt es sich beim Auto nicht um ein Buch oder ein Paar Schuhe, das ich mal eben schnell im Internet bestelle, um mir Zeit zu sparen, sondern um ein Premium-Investitionsgut, dessen Anschaffung ich alle paar Jahre nur einmal tätige. Bei Gütern dieser Art machen glücklicherweise bis heute Menschen die Geschäfte. Der Kunde will dabei einem realen Ansprechpartner in die Augen schauen.“

Über die Erfolgsaussichten des neuen Konzepts sagt er: „In der Vergangenheit wurde der Online-Direktvertrieb seitens der Daimler AG bereits einmal mit jungen Gebrauchtfahrzeugen versucht. Dieses Projekt wurde nach nicht allzu langer Zeit wieder eingestellt.“

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