Pirelli: Formel 1 hilft beim Reifenverkauf

Marktingchef Matteo Battaini erklärt, was der Motorsport bringt

| Autor: Jan Rosenow

Pirelli-Marketingleiter Matteo Battaini: „Für uns geht es mit der Formel 1 um Hochtechnologie.“
Pirelli-Marketingleiter Matteo Battaini: „Für uns geht es mit der Formel 1 um Hochtechnologie.“ (Foto: Rosenow)

Redaktion: Pirelli hat einen Anschlussvertrag für weitere drei Jahre als Formel-1-Ausrüster unterschrieben. Wie zufrieden sind Sie mit dem Engagement in der Königsklasse?

Matteo Battaini: Die letzten drei Jahre waren sehr intensiv, aber wir sind mit den Resultaten sehr zufrieden. Die beiden wichtigsten Erfolgskriterien für uns waren eine Steigerung der Markenbekanntheit auf Märkten wie China, den USA und Brasilien sowie eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Händlern. Eine Umfrage unter Reifenhändlern hat ergeben, dass 60 Prozent der befragten Händler es dank der Formel 1 leichter fanden, Pirelli-Reifen zu verkaufen.

Hat der Motorsport in Europa den gleichen Einfluss auf die Reifenkunden?

Ja. In Bezug auf die Markenbeachtung und die Bereitschaft, sich mit Pirelli-Produkten zu befassen, konnten wir in den letzten drei Jahren in Europa ebenfalls Fortschritte feststellen.

Hätten Sie lieber einen Wettbewerber in der Formel 1?

Das hätte Vor- und Nachteile. Als Wettbewerber könnte man seine Technologie besser demonstrieren, aber es wäre nie klar, ob es das Auto oder der Reifen ist, der das Rennen gewinnt. Im Großen und Ganzen sind wir glücklich mit dem Reglement, das einen Exklusivausrüster vorsieht.

Pirelli war immer eine besonders sportliche Marke, und dieses Image wird durch die Formel 1 weiter gestärkt. Aber ist Sportlichkeit die einzige Stärke eines Pirelli-Reifens?

Für uns geht es mit der Formel 1 nicht nur um Sportlichkeit, sondern um Hochtechnologie. Unsere Kommunikation besteht aus zwei grundlegenden Elementen: an der Spitze der technischen Entwicklung zu stehen und bevorzugter Partner der besten Autohersteller zu sein.

Gibt es den oft beschworenen Techniktransfer von der Rennstrecke auf die Straße denn tatsächlich?

Dieser Transfer funktioniert vor allem bei der Entwicklungsmethodik. Man kann sich einen Formel-1-Reifen wie einen multiplizierten Standardreifen vorstellen: mit viel höherer Geschwindigkeit, Beschleunigung und so weiter. Wenn wir diese Reifen entwickeln, dann hilft uns das auch bei der Konstruktion normaler Produkte, beispielsweise durch bessere Software- und Simulationstools. Diese computergestützten Methoden kürzen die Entwicklungszeit deutlich ab, weil wir das Verhalten des Reifens durch Simulation vorhersagen können. Man muss dazu keine Prototypen mehr bauen.

Pirellis Strategie ist es, die stärkste Premiummarke auf dem Reifenmarkt zu werden. Wie wollen Sie das schaffen?

Um der Marktführer im Premiumsegment zu werden, muss man in der Erstausrüstung stark sein, das ist klar. Wir wollen unsere Position in den besten Autos und bei den besten Marken bewahren und stärken. Die Zusammenarbeit mit den Fahrzeugherstellern beginnt schon fünf Jahre vor dem Serienstart, und wir entwickeln die Reifen zusammen mit den Kunden gezielt für das jeweilige Auto. Das wirkt sich auch auf den Ersatzmarkt aus: Für den Kunden ist es besser, einen Reifen zu verwenden, der speziell für sein Auto entwickelt wurde, als ein Standardprodukt, das nur ein Kompromiss sein kann. Dabei hilft natürlich die Reifenkennzeichnung mit herstellereigenen Symbolen, die fast jede Premium-Automarke heute verwendet.

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