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Plug-in-Hybride: Experten warnen vor Restwertverlusten

Autor: Yvonne Simon

Die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden ist zuletzt sprunghaft angestiegen – Käufern winken der aufgestockte Umweltbonus und eine vergünstigte Dienstwagenbesteuerung. Bei Gebrauchtwagen fallen die Anreize meistens weg – darunter könnten die Restwerte leiden.

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Plug-in-Hybriden droht eine negative Restwertentwicklung.
Plug-in-Hybriden droht eine negative Restwertentwicklung.
(Bild: Mitsubishi)

Die wachsende Beliebtheit von Plug-in-Hybriden könnte Experten zufolge ein Nachspiel bei den Restwerten haben. Zuletzt sind die Neuzulassungen der Teilzeitstromer explosionsartig gestiegen – im September kamen 20.127 Fahrzeuge neu auf die Straßen, ein Plus von 463,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

„Wir denken, dass die Nachfrage nach Gebrauchtwagen nicht so stark wächst wie das Angebot am Markt“, sagt Andreas Geilenbrügge, Head of Valuations & Insights bei Schwacke. „Wir haben große Bedenken, was die zukünftige Wertentwicklung anbelangt.“ Zum einen gebe es für die überwiegend privaten Käufer von Gebrauchtwagen keine Anreize in Form einer Prämie oder vergünstigten Dienstwagenbesteuerung. Ein weiterer Aspekt sei der Verbrauch. „Der realistische Verbrauch liegt eben nicht bei zwei Litern, sondern deutlich darüber. Das kann bei der Kostenrechnung für einen negativen Aha-Effekt sorgen.“

Schwacke rechnet damit, dass die Restwerte der Plug-in-Hybride bis 2025 unter Druck bleiben. „Ab 2025 gehen wir davon aus, dass es ein ganz anderes Gefüge am Markt geben wird. Es werden normale Nachfrage- und Angebotsmechanismen wirken, wie es heute bei reinen Verbrennern der Fall ist“, prognostiziert Geilenbrügge.

Häufig keine Lademöglichkeit

Auch die DAT sieht die Restwertentwicklung von Plug-in-Hybriden skeptisch. „Wir erleben gerade vor allem durch Dienstwagenfahrer einen wahnsinnigen Schub. Es wird interessant, inwiefern man die Fahrzeuge höherpreisig auf dem Gebrauchtwagenmarkt vermarkten kann“, sagt Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung. Plug-in-Hybride seien als Neuwagen in der Regel etwas teurer als vergleichbare reine Verbrenner. Ob sich dieser Preisunterschied bei der Weitervermarktung halten kann, sei fraglich. Viele Privatkunden hätten zu Hause keine Lademöglichkeit. Außerdem sind die Fahrzeuge oft schwerer, gleichzeitig ist der Kofferraum teils kleiner. „Damit fallen sämtliche Vorteile für die Verbraucher weg, und die Fahrzeuge werden unattraktiver“, so Weiss.

Einen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage und auf die Wertentwicklung hat der aufgestockte Umweltbonus. Gerade junge Gebrauchte und Vorführwagen, die direkt mit den Neufahrzeugen konkurrieren, erfahren durch die Förderung eine Abwertung. „Dadurch, dass die Prämie weniger hoch ist als bei reinen Elektroautos, ist der Effekt bei Plug-in-Hybriden aber weniger stark“, erklärt Weiss. Zudem sind die Einstiegspreise von Plug-in-Hybriden in der Regel höher. „Es gibt nichts für unter 25.000 Euro. Deshalb ist der Anfangseffekt nicht so stark ausgeprägt wie bei einem kleineren Elektroauto, dessen Preis durch die Prämie nahezu halbiert wird“, sagt der DAT-Experte.

Prämie für Gebrauchte nur unter strengen Voraussetzungen

Die Kaufprämie für neue Plug-in-Hybride beträgt derzeit 6.750 Euro, bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen sind es 9.000 Euro. Für gebrauchte Teilzeitstromer gibt es 5.625 Euro Prämie, allerdings muss das Auto nach dem 4. November 2019 oder später erstmalig zugelassen sein, darf höchstens zwölf Monate erstzugelassen gewesen sein und maximal eine Laufleistung von 15.000 Kilometern aufweisen. Zu den weiteren Voraussetzungen zählt unter anderem, dass der Gebrauchte nicht mehr als 80 Prozent des Neuwagen-Listenpreises kosten darf.

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Über den Autor

 Yvonne Simon

Yvonne Simon

Redakteurin Management & Handel