Reichle punktet mit kurzen Wegen und Reifenkompetenz

Autor: Jan Rosenow

Kfz-Unternehmer Hans-Peter Reichle baut seinen Betrieb vor der Übergabe an Sohn Julian zukunftsfähig aus. Zum vielfältigen Auto- und Reifenservice kommen nun noch der Autohandel sowie der siebte Platz beim Deutschen Werkstattpreis.

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Fit für die Zukunft: Auto- und Reifenservice Reichle in Ehningen.
Fit für die Zukunft: Auto- und Reifenservice Reichle in Ehningen.
(Bild: Rosenow)

In Ehingen ist die schwäbische Welt noch in Ordnung: Der Großteil der Einwohner schafft für Liebherr, einem international tätigen Kranhersteller, und trägt gute Löhne nach Hause – schwört aber auf einen zurückhaltenden, ländlichen Lebensstil und verachtet Verschwendung und hohlen Protz. Nie erlahmender Fleiß und die Freude an handwerklicher Arbeit sind wichtige Tugenden, und so gibt es nicht wenige Fabrikarbeiter, die nach ihrem gewerkschaftlich erkämpften Sieben-Stunden-Arbeitstag in der Scheune des heimatlichen Bauernhofs eine zweite Schicht einlegen.

Natürlich gehen sie hier nur selten einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nach, oh nein: Viele sind ja ausgebildete Kfz-Mechaniker, haben sich mit einer Hebebühne und etwas Reifenmontage-Equipment wohnlich eingerichtet und bieten ihre Dienstleistungen zu Freundschaftspreisen Nachbarn und Kumpels an. Sprich: Schwarzarbeit.

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Für eine freie Werkstatt ist der Konkurrenzkampf in so einer Umgebung also doppelt schwer: auf der einen Seite die Markenbetriebe, auf der anderen die Privatanbieter mit dem großen Freundeskreis. Doch Hans-Peter Reichle und sein Sohn Julian wirken nicht so, als würde sie das erschüttern. Mit ihrem Unternehmen Auto- und Reifenservice Reichle haben sie sich in der Donaustadt bestens etabliert und bieten Werkstattleistungen auf dem Niveau eines (guten) Autohauses zu den Preisen einer freien Werkstatt.

Großes und treues Stammpublikum aufgebaut

Und weil auch das Erscheinungsbild des Betriebs bestens zur schwäbischen Mentalität passt – aufgeräumt und perfekt sauber, aber kein bisschen angeberisch –, haben sie sich ein großes und treues Stammpublikum aufgebaut. Derzeit befindet sich der Betrieb in einer interessanten Übergangsphase: Der 60-jährige Gründer bereitet seine Firma für die Übergabe an seinen Sohn Julian (30) vor und will sie dafür zukunftsfähig aufstellen. Dazu steigt er in den Fahrzeughandel ein, baut eine neue Portalwaschanlage sowie ein Reifenlager und gestaltet das Betriebsgebäude so um, dass sich alle Werkstattaufträge möglichst zeitsparend und effizient abwickeln lassen.

Ein Beispiel dafür: Die Reifen sollen künftig in einem Extraraum montiert werden, damit die Montier- und Wuchtmaschinen sowie der Platzbedarf der Räder die Werkstattarbeit nicht stören. „Wir haben trotz der großen Werkstatt mit sechs Hebebühnen auch keinen Lageristen“, ergänzt Hans-Peter Reichle. „Durch die kurzen Wege im Haus holt sich jeder Mechaniker die Teile selbst.“

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Der ausgebildete Kfz-Meister hat viele Jahre im Reifenfachhandel gearbeitet. Vor rund 30 Jahren machte er sich mit einem Stinnes-Reifendienst selbstständig und probierte anschließend freiwillig oder unfreiwillig diverse Ketten und Konzeptgeber aus. Im Jahr 2000 schließlich traf Reichle eine Entscheidung: „Jetzt ist Schluss mit den Konzepten, jetzt vermarkten wir uns selbst!“

Das Reifengeschäft ist ein wichtiger Umsatzbringer

Viel früher als die meisten Reifenbetriebe hat er das Geschäftsfeld Autoservice entdeckt. Mittlerweile macht er hier rund 70 Prozent seines Umsatzes. Doch der schwarze Gummi bleibt wichtig: Rund 3.000 Kundenräder hat Reichle eingelagert. „Das machen wir schon seit 30 Jahren“, kommentiert der Unternehmer.

Da es ganz ohne Marketing- und Verkaufsunterstützung im Reifengeschäft doch nicht geht, hat er sich dem Konzept „Reifen 1 plus“ des Großhändlers Interpneu angeschlossen. „Reifen 1 plus ist das beste Konzept auf dem Markt“, bewertet der Reifenexperte. „Es macht das Handling des täglichen Reifengeschäfts extrem leicht. So lohnt es sich trotz des schlechten Rohertrags.“

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group