Reifenabrieb wird untersucht – erstmals

Das Fraunhofer-Institut erforscht den Einfluss von Gummipartikeln auf die Umwelt

| Autor: Jan Rosenow

Gummiabrieb trägt zur Feinstaubemission bei – wenn auch nicht immer so spektakulär wie hier.
Gummiabrieb trägt zur Feinstaubemission bei – wenn auch nicht immer so spektakulär wie hier. (Bild: Skid Risk - 1/6/14 / Mathew Bedworth / CC BY-SA 2.0)

In der Öffentlichkeit galt lange der Dieselmotor als Hauptverursacher von Feinstaub, also lungengängigen Kleinstpartikeln. Mit der flächendeckenden Einführung von Partikelfiltern müsste das Problem also gelöst sein, oder? Leider nicht, denn auch durch Abrieb an Reifen und Bremsen entsteht Feinstaub, und dafür sind alle Autos verantwortlich, nicht nur die mit Dieselmotor. Laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg stammen 32 Prozent der Partikelemissionen im Straßenverkehr von Bremsen und Reifen, davon etwa die Hälfte von den Reifen.

Über die Wirkung des Reifenabriebs auf die Umwelt ist trotzdem wenig bekannt. Diese Wissenslücke will das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) nun mit dem Forschungsprojekt Tyre Wear Mapping schließen.

Pro Jahr bis zu 69.000 Tonnen Reifenabrieb allein von Pkws

„Obwohl die Thematik bereits länger bekannt ist, gibt es bisher keine umfassende Studie zu Mengen und Verbreitungswegen von Reifenabrieb in Deutschland“, erklärt Ilka Gehrke von Fraunhofer Umsicht. Gemeinsam mit Projektpartnern aus der Industrie entwickeln Forscher von Fraunhofer mittels neuartiger Berechnungsmodelle Karten, um die Verteilung von Reifenabrieb in Deutschland zu visualisieren.

Doch wie groß ist das Problem überhaupt? Ein gängiger Pkw-Reifen wiegt am Nutzungsende 1,0 bis 1,5 Kilogramm weniger als zu Beginn. Bei fast 46 Millionen zugelassenen Pkws in Deutschland summiert sich der Reifenabrieb innerhalb dieses Zeitraums auf 184.000 bis 276.000 Tonnen, was auf das Jahr gerechnet einer Belastung von 46.000 bis 69.000 Tonnen Reifenabrieb – allein von Pkws – entspricht. Hinzu kommen weitere Verkehrsteilnehmer wie Lkws, Busse, Traktoren oder auch Baufahrzeuge, ebenso Krafträder und Fahrräder.

Um die Freisetzung, Ausbreitung und räumliche Verteilung des Reifenabriebs in Luft und Wasser in Deutschland darzustellen, nutzen die Forscher Mobilitäts-, Geo- und Wetterdaten des BMVI. Zudem betrachten die Forschenden exemplarisch zwei Flüsse samt Einzugsgebiet: die Wupper in Nordrhein-Westfalen und die Panke, ein Nebenfluss der Spree, in Berlin. Ziel ist es – neben einer Erhöhung der Daten- und Wissensbasis zum Thema Reifenabrieb –, ein digitales Planungs- und Entscheidungstool zu entwickeln, das bei der Erneuerung und dem Bau von Verkehrswegen sowie sekundärer Infrastruktur hilft.

Nur maximal zehn Prozent sind wirklich Feinstaub

Wie anderer Feinstaub können schwebende Gummipartikel Gesundheitsprobleme auslösen, wenn sie in die Lungen gelangen. Doch das ist nicht der einzige Effekt. Den Forschern geht es auch um den Eintrag von Mikroplastik in die Natur, der die Tierwelt schädigen kann.

Doch kann man Gummiabrieb überhaupt zur Fraktion der lungengängigen Teilchen (PM10, Korngröße unter zehn Mikrometern) hinzuzählen? »kfz-betrieb« hat sich bereits vor Jahren mit diesem Thema beschäftigt und Experten befragt. Laut Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2008 können nur ein bis zehn Prozent des Gummiabriebs zum Feinstaub gerechnet werden. Die überwiegende Mehrheit liegt in größeren Fraktionen vor.

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